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Jeschurun · 1886-06-08 · Heft 23 (8.6.1886) · p. 366

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 23 (8.6.1886)
Article
Frankreich : Paris [Nachricht]
Date
1886-06-08
Page
366 (sequence 2)
Language
German
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866 dem öffentlichen Zivilakte noch eine dem Staate gegen-! übet allerdings freiwillig gegenseitig cingegangcne Privat- Verpflichtung übernommen, nicht auch eventuell gericht«!ich dazu anhalten könnte, dieser Verpflichtung im EheschcidungSfalle gerecht zu werden und nach ausgesprochener Ehescheidung durch die Zivilbchörde auch die Scheidung durch das Rabbinat zu ersüücn. Es ist sicher anzunehmen, daß selbst nach den bestehenden Gesetzen sich die Parteien durch einen juridisch biudcndcn Vertrag beim Eingehen der Ehe gegen diese Eventualität im Scheidungsfalle sicher stellen können, vielleicht auch mit Fixirung einer hohen Strafsumme im Zögcrungsfalle in derselben Weise, wie dies durch den Schtar chalizoh geschieht. Leider wird zwar letzterer auch nicht immer in juridisch richtiger Weise ausgestellt, so daß cS dann schwer wird, sich dessen beim Zivilinstanzenwegc zu bedienen. ES schien Herrn LaSkcr nicht sehr zu konvrniren, zu dem damals cingebrachten Gesetzentwurf ein Amendement für die Israeliten vorznschlagen, das 60 ipso dem Juden, der die religiöse Trauung nach der Ziviltrauung eingeht, die Verpflichtung auferlegt, vor der Trennung durch die Zivilbehörde die erfolgte Scheidung durch das Nabbiuat nachznweiscn. Die Art und Weise, wie ein Herr Michel A. Weill im ״UniverS Jsraelite" Nr. 17 diese Frage behandelt, wird mit Recht in den hiesigen gcsiuuungStüchtigen Kreisen mit Entrüstung verurtheilt. Anstatt zu untersuchen, wie man praktisch aus Grund der bestehenden Gesetze etwaigen Mißständcn Abhülfe schaffen kann, wagt obiger Herr mit der Besprechung des jüdischen SchcidungSgefetzeS sogar Vorschläge zu verbinden, welche nach dem Urthcil hiesiger kompetenter Talmudistcn eine völlige Unkenntniß dieses schwierigen Themas bekunden, von den, cs heißt: כל שאינו יודע בטיב גייטין וקידושין לא יהי עסק עמהן• Man verdenkt c« de», Herrn Grand Nabbiu de France, daß er überhaupt von dem Briefe dieses Herrn Notiz genommen, wenn er in einem Schreiben den Wunsch ausdrückt, die Ansichten der Rabbiner, namentlich der Länder, wo die Ehescheidung stets gesetzlich stattsinden kann, über diese Verhältnisse zu Rathe zu ziehen. Nußland. «Aus Wilna wird berichtet, daß die Zahl der AilSwandernngSlustigen unter der dortigen jüdischen Bevölkerung täglich im Wachsen begriffen ist. Vergebens ist es, daß man ihnen die üblen Nachricht,.» vergegenwärtigt, welche über das Schicksal eines erheblichen TheilS der ihnen nach Amerika VorauSaegangcnen einlaufen. Sic lassen sich in ihrem Entschlüsse nicht wankend machen. Wir haben nichts zu verlieren, sagen sie. Aerger als jetzt hier kann es uns auch dort nicht ergehen. Kommen wir dort elend um, so erfüllt sich an uns nur das Geschick, das unser auch hier harrte. N u m ä n i e n. . .2 Bukarest, 6. Juni. Aus Jassy wird gemeldet, daß während der letzten zwei Wochen etwa 120 jüdische Familien via, Hamburg nach Amerika auSgewandert sind. Amerika. II. Ncwyork. Der Redakteur des ״Jüdischen Farmer", Herr Morris Wechsler in Ncwyork, welcher sich der Interessen der jüdischen Auswanderer nach KansaS kräftig annimmt, wie er überhaupt einer der Wenigen ist, der für die Sache des JudcnthumS ehrlich und eifrig ein steht, erläßt in der jüngsten Nummer des ״Jüdischen Farmer" einen offenen Mahnruf an die Kolouisteu. in ihrer neuen Heimath und ihrem netten Beruf GottcS und seines heiligen Gesetzes eingedenk zu sein. Er fordert offene Widerlegung der nach Ncwyork gedrungenen Nachrichten, daß leider auch in den fernen Regionen der Geist des Abfalls unb der Untreue sich bereits geltend gemacht haben soll. — Was ich vorauSgcschen, ist rasch eiugetrcteu. Bei der ersten Versammlung, die die Begründer deö orthodoxen Rabbinerseminars gehalten, sind die Wahlen deS Komitees in ihrer Majorität nicht aus Orthodoxe gefallen. Diese befinden sich vielmehr in der Minderheit. Daß diese Sache überhaupt nicht von orthodoxer, gesetzeStreuer Seile, wie wir cS in Deutschland zu verstehen gewohnt waren, in die Hand genommen worden ist, habe ich früher berichtet. Aber die Mehrheit der Gewählten ist auch nach amerikanischen Begriffen nicht orthodox. ES ist dieses unter einem gewissen Gesichtspunkte ein Glück; denn nun wird nurn sich auch hier nicht länger Täuschungen hiugcven können. Rcformrabbincr an der Spitze eines orthodoxen Nabbinerscminarö ist ein so unerhörter, widersinniger Gedanke, daß er nur in Amerika auftaucheir konnte. Erlnumte Irrungen. Von Samuel Bert hold Nosner. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) ״Wart," rief jetzt Haus, dessen Gcduldvorrath zu Ende war, seine Reitpeitsche schwingend, ״ich werde eS dem Vieh beibringen, zu welchem Zwecke es vier krumme Haxen hat. Steck' die Füße nicht so steif in die Luft, wie die Besenstiele — ein wenig eingebogen — so. Du sitzst ja so schief wie der Porzellanthurm in Pecking! Mehr rechts — gut. Jetzt paß aus."

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