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Jeschurun · 1886-06-08 · Heft 23 (8.6.1886) · p. 364

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 23 (8.6.1886)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1886-06-08
Page
364 (sequence 2)
Language
German
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364 Prediger Stöcker veranlaßte Bewegung beziehen konnte. In der Form der Behauptung konnte auch hier das Vorhandenscin einer Beleidigung nicht gefunden werden, und war daher die Strafbarkeit des Angeklagten ausgeschlossen." Demnach steht nunmehr die Erklärung des Kronprinzen über die antisemitische Bewegung als ״Schmach für unsere Zeit" fest, ebenso aber and), das; Herr Stöcker hauptsächlich diese Bewegung veranlaßt hat. *. Dresden, 5. Juni. Der Vorsitzende des hiesigen (antisemitischen) deutschen NesormvcrcinS und Präses der deutschen Reformvcreine, Pinkert-Waldcgg, erklärt in der antisemitischen ״Deutschen Reform", dein Zentralorgau der ״deutschen Ncformbcwegnng", seine Zahlungseinstellung and das Aufhören des Blattes. - (Bert. Tagcbl.) K. Wirr,;bürg, 6. Juni. In unserem Nachbarslädtchcn Hcidingsfcld ging dieser Tage ein Mann den Weg alles Irdischen, der zwar ein bescheidenes Leben führte, aber desto größer entfaltete er seine Thütigkcit;בתורתנו הקדשו. Es war dies Rabbi Eisik Gut manu נ״ע, ein לסדן im wahren Sinne des Wortes, ganz nach altem Schlage. Schon in seiner frühesten Jugend widmete er sich den!Thorastudium, und gehörte dann zu den vorzüglichsten Schülern des allbekannten Rabbi Wolf Hamburg זצ׳ל zu Fürth, dessen Vorlesungen er mit dein größten Flciße besud)te. Damals war es, als. Die Reform in der krassesten Weise austrat und es in Fürth dahin brachte, daß alle Talmud-jünger, die sid) nicht mir den profanen Wissenschaften beschäftigten, die Stadt verlassen mußten; nur dem Verblichenen ist es durd) Lift gelungen, nod) längere Zeit sid) ausznhaltcn, bis auch er auf Anrathen seines theurcn Lehrers die Stadt verließ und nach Frankfurt a. M., die and) damals schon עיר ואם בישראל war, zu dein berühmten Rabbi Sal. Trier ציל; sich begab. In den ad)t Jahren, die er daselbst verweilte, erwarb er sid) einen großen Sd)atz von Kenntnissen. Dem Grundsatz "יפה תורה עם ררן אדין huldigend, erlernte er das Uhrmochergeschäft, allein dies wollte seinem großen Geiste nicht Zusagen, der nur für ]ש״ס ופוסקי thätig sein wollte. Ungefähr vor dreißig Jahren wurde er. als סר' הוראה nad) Heidiugsfeld berufen, und bekleidete diese Stelle bis zn seinem Dahinscheiden im Aller von 77 Jahren, geliebt und geehrt von Allen, die ihn kannten. Bcschcidcuhcit und Frömmigkeit zählten vorzüglich zn den vielen Tugenden, die der Verblichene besaß. Er hinterläßt eine seiner Tugenden ebenbürtige Wittwe, mit welcher er in glücklicher Ehe gelebt, zwei Söhne und drei Töd)ter, die er ebenfalls in seinem Geiste erzog. Wenn auch sein Name weit über seinen Wirkungskreis noch lange in gutem Andenken erhalten bleibt, so vcrdient dieser אישי צדיק ונאסן auch in diesem gcsd)ätzten Blatte der Mit- und Nachwelt aufbewahrt zu bleiben. Ul Würzburg, 5. Juni. Soeben erscheint das erste Verzcichniß, einen Bogen stark, der bei Herrn Distriktsrabbiner Bamberger in Folge dessen AufrnfS für die Abgebrannten in Stry cingegangene Spenden, von wcld)cn bis jetzt cf(>. 4879,75 an Herrn Ign. L. Schreiber in Drohobycz, als Präses des Vereins ״Machsike Hadaß", abgcgangen sind. F. ׳Aus Süddeutfchland, 6. Juni. In Nr. 23 der ״Israel. Wochenschrift" befindet sid) eine Korrespenden; aus Frankcnthal in der Pfalz über die daselbst am Sabbath בחקותי in der Synagoge stattgehabte Konfirmation von acht Mädchen. Dieselbe wurde durch Herrn Bezirksrabbincr Di׳. Salvenbi zu Dürkheim vollzogen. Es wird in der gcdad)tcn Korrespondenz die Feier dieser Konfirmation ausführlich beschrieben, und heißt cs u. A.: ״Unter einem Orgel-Präludium, trefflich allsgeführt vom Chvrdirigcnten an der hiesigen Synagoge, Herrn Schadewitz, betraten die ad)t Konfirmau den, weiß gekleidet, geführt von Herrn Bezirksrabbiner I)r. Salvandi und dem Ncligionslehrer und Kautor, Herrn Singer, den Tempel׳," und ferner: ״Besonders stimmungsvoll und ticfcrgreifcnd wirkte die nunmehr bei gedämpfter Orgelbegleitnng folgende Einsegnung der ad)t Mädchen durd) den Herrn Rabbiner u. s. w. Id), und sicherlich sehr viele mit mir, waren im hohen Grade erstaunt und schmerz!id) überrascht, aus dieser Korrespondenz;11 erfahren, daß Herr Di׳. Salvcndi, welchen id) für einen streng orthodoxen Rabbiner hielt lmd der and; in weiten Kreisen als solcher gilt, unter Orgelbegleitnng kousirmirt. Zicnlt sid) dieses für einen Mann, der den Ruf eines gcsctzcStrcuen Rabbiners für sid) in Anspruch nimmt? (Anmerkung d. Red. Gewiß nid)t! Die Konfirmation ist an und für sid) eine nicht zn billigende Neuerung lind die Anwendung der Orgel in der Synagoge durchaus rcligionsgcsetzlich verboten. Der Nabbiller, welcher durch seine Gegen-- wart das Orgelspicl in der Synagoge sanktionirt, handelt sehr Unrecht.) O e st e r r e i ch - U n g a r n. es Wien, 4. Juni. Die öfters bestrafte, von Wien ausgcwieseue elegante Taschcndiebin Johanna Scherian, kehrte im Oktober v. I. aus Münd)en, von wo sic and) nad) Abbüßung einer ncnnmonatlichen Gesängnißstrafe ansgcwiesen wurde, wieder nad) Wien zlirück. In der Garderobe der Hofoper verübte sie eine Reihe von Taschendiebstählen und wurde schließlid) wieder verhaftet. Am 31. Mai d. I. wurde sie vor einem Erkcnntniß-Senate wegen Tasd)cudicbstahls, Falschmeldung und verbotener Rückkehr angcklagt. Der Gerichtshof erkannte sie schuldig und verurthcilte sie zu achtzehn Monaten schweren Kerkers. Frau Johanna Scherian ist die würdige Ehehälfte des antisemitischen

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