Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1886)
- Article
- Eine Orgel-Frage
- Date
- 1886-06-08
- Page
- 359 (sequence 2)
- Language
- German
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359 noch dazu im ״Jeschurun"! Verzeihe jedoch; nicht wie Du und ich über diese« kirchliche Instrument in jüdischen Bethäusern denken, ist hier die Frage, ich meine nur: welcher Auffassung erfreut es sich Seitens der jüdischen, oder richtiger unjüdischen Reformhciligen? Daß ein Geiger und Konsorten mit dieser Entstellung unseres Gottesdienstes eine Pflichtthat zu vollbringen vermeinten, das dürfen wir ja annehmen, lief doch das ganze Denken und Streben jener Männer darauf hinaus, das Judenthum zu untergraben, aber unsere zeitgenössischen, durch das brillante Fiasko der Reformbestrebungen etwas abgckühltcn Epigonen jener Stürmer, die je nach Bedürfniß bald konservativ angehaucht, bald reformistisch angeweht schillern, wie stellen diese Herren sich zu dieser Orgel-Frage? ES soll ja wohl vorkommen, daß so ein ״Rabbiner" seinem Vorstande, der die Orgel einführcn will, gegenüber das non possumus proklamier, aberdings nur so lange, als der Vorstand es beschließen will; hat er es aber beschlossen, dann verschwinden, wie mit einem Zanberschlage, die geistlichen Gewissensbcschwerden — ob der Herr Rabbiner sich auch so fügen würde, wenn es sich um Abschaffung seines Salärs handelte? —und gar erhebend tönt das ״L'cho Daudi" mit Orgelbegleitung den ehrwürdigen Ohren. Vorerst nur ״L'cho Daudi", das ״Sch'ma Jisroel" kommt erst später, nach einem halben oder ganzen Jahre oder noch später, an die Reihe, — wofür hätten die.Herren sonst Prinzipien, die erst überwunden werden müssen? Und da man heutzutage nicht hört, daß irgendwo auf Initiative des geistlichen Hirten eine Orgel eingeführt wird, — bei gleich hohem Salär sollen sie sogar orgelloscn Gemeinden den Vorzug geben, — so wäre man füglich berechtigt, die Eingangs dieser Zeilen gestellte Frage mit רשות zu beantworten. Das würde aber nicht stimmen. Denn die ״Magdeburger .,Wochenschrift", das Organ der ganzen, halben, drittel und sonstigen Bruch-Reformer, will eine Zusammenstellung der Gemeinden liefern, in deren Synagogen die Orgel eingeführt ist, also muß die Orgel doch wohl NM sein? und zwar eine so große NM, daß man zu Preis und Ruhm der betreffenden Gemeinden מפרסם שמם ברבים sein will? Und ich bin mit den Schwierigkeiten, die sich der Beantwortung meiner Frage entgegenstellen, noch nicht zu Ende. Der Redakteur dieser selbigen ״Wochenschrift" ist nämlich auch Rabbiner — wer lacht da? — ja, ja. Rabiner, und in der Synagoge seiner Gemeinde befindet sich eine Orgel, und bezüglich dieser Orgel hat cr^ wie schwarz auf weiß zu lesen, sich gerühmt, daß er ihre Benutzung abgeschafft.-Wie reimt sich das züsannnen?? Zwar dürfte dieser Selbstruhm mit der Wahrheit auf gespanntem Fuße verkehren, denn, soviel mir bekannt, hat Herr Dr. Güdemann, der Vorgänger des bewußten Rabbiners, die Außcrdienststellung der Magdeburger Synagogcu-Orgel veranlaßt, aber desto greller wird dann nur der Widerspruch, — also, Graf Oerinbur — U. A. w. g. oder auch nicht. Milndelungen. von Friedrich R o t t. (Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) ״Nun ja, freilich bei mir, . aber nur durch Sie. Wenn ich vorigen Winter nach Hause kam, da sah eS doch ganz anders hier aus. Nicht wahr, Friedrich? — Die alte Katheriue that freilich ihr Bestes, aber — mein Kind, ich will Ihnen keine Komplimente machen, aber wo Sie sind, ist Licht und Wärme, auch wenn der Ofen kalt ist und die Gasflammen dunkel brennen." ״Und Sie wollten mir keine Komplimente machen," erwiderte sie lachend. ״Warten Sie, ich will den Ernst Ihrer Worte gleich auf die Probe stellen, soll ich?" und dabei schrob sie, noch immer lachend, die GaSflammen herunter. ״Nicht doch, nicht doch!" rief der Sanitätsrath, ״wir wollen zu Tische gehen, und im Dunkeln könnte ich am Ende doch den. Mund verfehlen." ״Ich glaubte, meine Augen würden Ihnen leuchten," scherzte sie. Walther war recht von Herzen froh, sie so heiter zu sehen, seine Befürchtungen in Betreff der Briefe hatten ihn also doch getäuscht. Im Laufe des Abends konnte er sich jedoch nicht enthalten, sie darüber zu befragen. ״Sie haben hellte transatlantische Nachrichten erhalten, Fräulein, darf man fragen, ob dieselben erfrenlicher Art?" Eine leichte Veränderung ward in ihrem ausdruckSvollcn Zügen sichtbar, das heitere Lächeln wich. ״Ich hatte bereits die Absicht, Sie davon, in Kcnntniß zu setzen, Herr Doktor, da Sie doch so freundlich sind, sich meiner Angelegenheit anzunehmen. Der Inhalt ist freilich vollständig irrelevant, doch könnte vielleicht das Postzeichen auf die richtige Fährte leiten." Sie übergab ihm die Briefe, und während er las, plauderte sie unbefangen mit seinem Vater. Der erste, an Frau von Merten gerichtete Brief lautete: ״Adele! Wenn diese Zeilen in Deine Hände gelangen, dann bin ich bereits gerächt, das Vermögen, um dessentwillen Du einst hochmüthig die Bewerbung meines Sohnes zurückwiesest, Deine Tochter wird es nimmer besitzen. Erinnerst Du