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Jeschurun · 1886-06-03 · Heft 22 (3.6.1886) · p. 349

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 22 (3.6.1886)
Article
Österreich-Ungarn : aus Ungarn [Nachricht]
Date
1886-06-03
Page
349 (sequence 2)
Language
German
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349 voller, wie der Christ und Antisemit Simonyi/' Wir möchten nur diesem Ritter von der traurigen Gestalt sagen, daß, wenn schon ein Apostat, der verworfen, und charakterlos genug ist. gegen seine eigenen Brüder zu kämpfen, im Charakter den antisemitischen Abgeordneten Simonyi überragt, geschweige denn ein achter Jude. Nachdem der Verfasser noch andere Antisemiten Revue passiven läßt, behauptet er, daß die ungarischen Antisemiten vcrjndet seien und ihnen alle Fehler der Juden anhaften. Wir stimmen diesem AuSsprnche insoferne bei, als die Antisemiten in den gegen uns geschlenderten Verlcumdüngen nur ihr eigenes Sündenregister vorgetragen haben. Wo dies nicht der Fall ist,' entstammt der Antisemitismus einer verschrobenen DenknngSwcise. Möge die Zeit nicht ferne sein, in welcher die ganze WcU dies erkenne. Holland. ש Amsterdam, 30. Mai. Ans Groningen wird die ausfallende Thatsache berichtet, daß das dortige Departement der ״Maatschappy tot Nut van't Algemccn" unseren hiesigen, aus humanitärem Gebiete sehr hervorragenden Glaubensgenossen, Herrn A. & Wert heim, znm Mitgliede des Zcntralvorstandes gewählt habe. Ich nenne diese Wahl eine auffallende, weil, wie ich Ihnen seiner Zeit berichtete, bei der Statutenrevision im vorigen Jahre trotz starker Opposition die speziell christliche Basis der Gesellschaft auf's Neue proklamirt wurde. Art. 1 lautet nämlich: ״Zweck der Gesellschaft ist: Nach den Prinzipien der christlichen Religion Bolksglück zu verbreiten u. s. w." Und wenn auch damals die Bertrcter von Groningen mit zur Opposition gehörten, welche für Streichung der Worte ״nach den Prinzipien der christlichen Religion" kämpften, so war die Mehrheit der Generalversammlung doch anderen Sinnes, und wie kann man nun einen Inden in die Zentralleitung einer Gesellschaft wählen, die ״nach den Prinzipien der christlichen Religion" ihre Ziele erstrebt? Und andererseitS: kann Herr Wertheim eine solche Wahl annchmen? Wir sollten meinen, die Beantwortung - dieser Frage läge auf der Hand. England. & London, 30. Mai. Ans der Rede, welche der Herzog von Argyll am vergangenen Montag in dem Oberhause in Betreff der Schwägerin-Bill hielt, dürften für Ihre Leser die folgenden Sätze von Interesse sein: ״Wir haben, Gott sei Dank, die alte Abneigung gegen die Inden vollständig überwunden, welche eine Schmach für die mittelalterliche Christenheit gewesen; wir sind empört, in neuerer Zeit in anderen europäischen Staaten fast eine Wiedcrannahme derselben zu gewahren. Wir haben Juden den Eintritt in beide Häuser dcS Parlaments gewährt. Sie sind geachtete Glieder unserer Gesellschaft und werden, was manche Christen nicht thun, deit höchsten Anforderungen der Bürger- und Humanität-- pflichten gerecht. Er müsse aber zu seinem Bedauern bemerken, daß das Gefühl der Mißachtung doch noch nicht ganz geschwunden sei. Von der religiösen Antipathie sind wir jetzt bei der philosophischen Mißachtung angclangt. Man sagt, warum sollten wir wegen dieser Angelegenheit den Juden folgen, welche doch nur ein kleines, unbedeutendes Volk im äußersten Westen Asiens gewesen? Er sei erstaunt, daß man also spreche, als ob man jetzt erst entdeckt hätte, daß die Juden als Staat sehr unbedeutend gewesen. Wie? Was sagen denn ihre eigenen Gesetzbücher? ,Gott hat Euch seine Liebe nicht zugewendet, nicht Euch erwählt, weil Ihr zahlreicher als andere Völker seid? Ihre Gesetzgeber haben ihre winzige Zahl und Unbedeutendheit wiederholt hervorgehoben, um daraus die Folgerung zu ziehen, daß eine höhere Macht ihr Beistand sei, eine andere Erklärung für ihre außerordentliche Geschichte sei ausgeschlossen. Gerade von den LordS, welche das Erblichkcitsprinzip gewiß anerkennen, könnten die Juden besondere Achtung verlangen. WaS sind denn deren Ansprüche auf Adel im Vergleich mit der Abstammung der Juden? Jene seien stolz, auf die normannische Eroberung oder die Angelsachsen zurückgehen zu können — Zeiten von gestern im Vergleich zu dem Alter der Inden. Er verstehe nicht, wie man von den Juden herabwürdigend sprechen könne. Wie wunderbar sei ihre Erhaltung als besonderes Volk. Man sagt, sie seien durch natürliche Ursachen erhalten worden. Dem möge also sein, aber für das Zusammenwirken so vieler natürlicher Ursachen zu ihrer Erhaltung als besonderes Volk müßten übernatürliche Ursachen angenommen werden. Wenn ein Philosoph ohne Kenntniß der christlichen Lehren und ohne Glauben an den Zusammen- Hang der jüdischen und christlichen Kirche plötzlich auf die Welt, käme, so müsse er, falls e,r die Geschichte erforsche, zu dem Schlüsse gelangen, daß, wenn eS einen Gott im Himme! gebe und wenn die GotteSstimme jemals״ zn Menschen ans Erden gesprochen, solches nur durch die Juden habe geschehen können." — Wo findet sich nochmal eine Versammlung so erlauchtcr Männer wie das englische Hans der Lords, und in welchem Lande findet sich wohl eine ähnliche politische Körperschaft, in welcher also über Juden gesprachen wird? Rußland. * Es werden wiederum viele Schadenfeuer gemeldet, unter welchen namentlich die jüdische Bevölkerung zn leiden hat, und zwar ans Kurow (Gouvernement Lublin); Nodsonow, wo 135 Wohnhäuser und die Synagoge ein Raub der Flammen wurden; Skloiv, wo etwa 500 Häuser niederbranntcn; Ushpale u. A.

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