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Jeschurun · 1886-06-03 · Heft 22 (3.6.1886) · p. 342

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 22 (3.6.1886)
Article
Ein Rezept für Judenmissionäre und solche, die es werden wollen
Date
1886-06-03
Page
342 (sequence 2)
Language
German
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342 gehen. Natürlich ist der Kaufmann mit dieser Art Bezahlung nicht zufrieden. Schultz aber zeigt ihm, wie die Juden Gott ebenso betrügen mit dem Borlescn der Opfcrgesetze. Nun fragt der Kaufmann, tief beschäint, nach dem rechten Mittet, Gott die Schuld zu bezahlen, und Schultz verweist ihn auf das Leiden und den Tod des Ics. 53 geschilderten Knechtes Gottes, der sein Leben für die Sünder geopfert hat. In Fürth fragt ihn einst ein Jude, ob er etwas zu handeln habe. Schultz antwortet: ״Ja, ein kostbarcS SchabbeSkleid." Darauf geht er mit in das Judenhaus, wohin noch andere Juden folgen; hier holt, er anS seinem Bündel das alte Testament, schlägt in Jesaia das 61. Kapitel auf und liest die Worte vor: ״Ich freue mich im HErrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Nock der Gerechtigkeit gekleidet." Daran knüpft sich dann eine stundenlange Unterredung.— Bei einem Besuch des jüdischen TobtenackerS in derselben Stadt sagt Schultz zu den! Tobtengrober: ״Weiset mir doch unter allen diesen Leichensteinen einen einzigen, darauf geschrieben steht: Hier liegt der ungerechte N. N." Er antwortet: ״Eö ist keiner da." Da weist ihn Schultz auf das Wort des Herrn zum Propheten Sacharja (Kapitel 5): ״Das ist der Fluch, welcher auSgeht über das ganze Land, denn alle Diebe werden nach diesem Briefe fromm gesprochen und alle Meineidigen werden nach diesem Briefe fromm gesprochen." ״Das ist also der große Brief," sagt Schultz״ ׳In dem Leben sind eure Leute außer dem herrschenden Unglauben Wucherer, Hurer, gewinnsüchtige Diebe u. s. w., nach dem Tod aber schreibt ihr auf die Leichcnstcine: ״Hier ruht der oder die gerechte, heilige N. N." In Halberstadt fragt ihn ein Jude, ob er etwas zu handeln habe. Er sagt zu dem Juden: ״Ihr wollt noch handeln, ihr seid doch ganz bankerott?" Zufällig stimmt dies bei diesem Inden auch für die äußeren Verhältnisse. Aber Schultz wandte eS bald anders. Er sagt zu ihm: ״Das Verkaufen habt ihr wohl gelernt, aber das Einkäufen ohne Geld und umsonst, von dem Jesaiaö spricht, habt ihr nicht verstanden." Verwundert fragte der Jude: ״Was haben wir denn verkauft?" Schultz antwortet: ״Der eine Sohn eures Vaters Isaak, nämlich der Esau, verkaufte seine Erstgeburt um ein Linsengericht, die Söhne Jakobs verkauften ihren Bruder Joseph an die Midianiter um 20 Silberlinge; hernach verkauften eure Vorfahren die Armen um ein paar Schuhe (AmoS 8, 6). Euer letzter Handel aber, durch den ihr hauptsächlich bankerott geworden seid, ist die Verkaufung des Messias um 30 Silberlinge (Sach. 11,12)." Mit der Antwort: ״Ihr seid verrückt," rannte der Jude davon. Die gleiche Antwort erhielt Schultz noch von manchem Halbcrstädter Juden, mit dem er dasselbe Gespräch führte. Aber spater sind öfters Juden anö Halberstadt zu ihm gekommen, um nach der Wahrheit zu forschen. Wenn cs die Umstände erforderten, fehlte eS ihm auch nicht an scharfen Worten. Ein Jude klagt im Gasthof darüber, daß seine Magd ihm ihre Schuld nicht bezahlen könne. Schultz verweist ihn auf sein Recht und die Macht, die Bezahlung zu fordern, doch der Jude meint: ״Was Hilst eS mir, ich bekomme doch nichts." Schultz sagt darauf: ״Wenn aber Jemand der Magd nicht nu.r so viel geben könnte, daß sie ihre Schuld zu tilgen vermöchte, sondern auch noch großen Ucbcrschuß hätte, und die Magd ^weigerte sich', cs anzunchmen, wäre sie nicht wcrth, daß sie für immer in den Schaldthnrm gesetzt würde'?" Der Jude merkte nicht, wo Schultz hinaus wollte. Dieser wiederholte 11)111 daö Beispiel in jüdischer Sprache und erklärte eS dann selbst: ״Gott hat dem Menschen in der Schöpfung Heiligkeit und Gerechtigkeit verliehen; wir haben sie nicht mehr; mit Recht aber fordert er, waö sein ist. Wir können es ihm nicht erstatten. Da hatte er aus Gnaden eine Versöhnung gestiftet; die alte Schuld ist durch dieselbe getilgt ttnd ein großer Ucberschuß noch geblieben: Gerechtigkeit und Heiligkeit für das ganze menschliche Geschlecht; cö kommt nur darauf an, die dargebotcncn Gaben anznnchmcn." Der Jude erwidert darauf, er sei ein Amorcz, d. h er sei kein Gelehrter, verstehe solche Dinge nicht. Schultz aber entgegnet: ״Versteht ihr unter einem Amorez einen irdisch gefilmten Menschen, so könnt ihr freilich nicht zn Gott kommen, wenn ihr den himinlischcn Sinn, der euch angeboten wird, nicht annehmt! Versteht ihr darunter einen ttnwissenden Menschen, welcher den Weg zum Himmel nicht weiß, so ist cs auch übel; denn, wer kann zu dem Jerusalem droben kommen, wenn er den Weg nicht weiß! Aber noch schlimmer ist'S wenn ihr nicht wissen wollt, sondern euch mit eurer Unwissenheit begnügt." Wir sind wirklich begierig die Juden kennen zu lernen, die so einfältig sind, um sich durch solch albernes Geschwätz ködern zu lassen. Ein solch dummer Kauz föuntc sich für Geld sehen lassen. Wir glauben jedoch, daß eS gar keilten gicbt, der auf diesen Leim gegangen ist. Die Herren thüten wirklich besser, ihre Zeit und ihr Geld auf nützlichere Sachen zu verwenden, als auf die Beglückung der Juden burd) solche Praktiken. Wir empfehlen ihnen, den Herren Antisemiten Liebe und Gerechtigkeit zn predigen, das dürfte ihnen doch näher liegen.

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