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Jeschurun · 1886-05-27 · Heft 21 (27.5.1886) · p. 334

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 21 (27.5.1886)
Article
Amerika : New York [Nachricht]
Date
1886-05-27
Page
334 (sequence 2)
Language
German
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334 erachten, den Mantel auf Leiden Schultern zu tragen. DaS Judenthnm Hai von diesen צבועים, die als Seminarleiter orthodox angehaucht, als Rabbiner um der fetten Pfründe willen aber Reformer sind, nichts zu hoffen. Möge man dieses doch offen aussprechen, mögen doch die wirklich יראים, und deren gicbt cö doch noch mehr als man gemeinhin glaubt, erklären: wir haben keinen Antheil an Eucrm Werk. Wir wollen eine Rabbinerschule, in welcher das einzig wahre Juden« thum, das Ihr als das orthodoxe bezeichnet, gelehrt und gepflegt wird, gelehrt und gepflegt von wahrhaft orthodoxen Männern, die in Gesinnung und That in ernster Konsequenz auf orthodoxem Boden stehen und sich nicht zu Ministranten der Reform hergebcn. Wohl regen sich vereinzelte Stimmen, die ein solches offenes Auösprechen verlangen, ob sie aber vielen Anklang finden, das bezweifle ich. Und so wird aus dem geplanten Unternehmen ein neues עמי hervorgchen, welches von den sogenannten Konservativen unrtanzt wird, wie das *?עג in Cincinnati von den Radikalen. 11. Newyork, Mal. Das Organ des Herrn Wise, des Oberpriesters der amerikanischen Reform, und Leiters der Rabbinerschule in Cincinnati, entblödct sich nicht, über das Gebot der ספירה sich lustig zu machen. Die wackere ״Deborah", so nennt sich dieses Organ, schreibt: ״An! Mittwoch den 9. Juni wird dieses Jahr Schabuoth sein. Ihr könnt Euch darauf verlassen und braucht nicht jede Nacht zu zählen" u. s. w. Und das nennt sich Rabbiner! Ein anderer Rabbiner (?) und würdiger Genosse Wisc's, LaudSberg aus Nochester, hielt hier kürzlich eine Rede bei Ge-!egenheil der ״Rabbiner-Konferenz" über Znnz, von dessen Schriften er rühmte, daß sic prophetisch inspirirt wären, wenn cS überhaupt Propheten jemals gegeben habe. Und auch das nennt sich Rabbiner! ErkLMte IrnlsZen. Von Samuel Berthold Nosner. (AUe Rrchle Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Richard Friede schaute Herrn Frankl mit einer so übertrieben starren Verwunderung an, daß man alle Ursache hatte, an der Natürlichkeit dieser Affektäußerung zu zweifeln. Dntin richtete er den Blick sinnend auf den Plafond und, nachdem er die Zahl der Rosetten, welche ihn schmückten, mit statistischer Genauigkeit festgesetzt hatte, schlug er sich mit der flachen Hand auf die Stirne, wie nian bekanntlich zu thun pflegt, wenn der lichtvolle Gedanke Einen! durch den Kopf fährt: ״Was für ein Esel bin ich nur!" ״Ah," sagte Doktor Friede gedehnt, und ein juperioreS Lächeln verklärte seine Züge, ״heute ist Sabbath! — hm — ich begreife kaum, wie ich nur daran vergessen konnte." Dann entnahm er dem Etui für sich selbst eine Zigarre und schnitt ihr mit einem Federmesser gemächlich die Spitze ab. Auf dem Tische standen zweierlei Zündhölzer: die sogenannten schwedischen, welche mit einem solchen Knall cxplodiren, wie ein kleines Gc- Witter, und dann die zakmen Salonrcibhölzchen an- Wachs, welche sich still entzünden und still flackernd zu Ende brennen. Doktor Friede nahm eins von den Erstcren und setzte mit vielem Lärm seine Zigarre in Brand. Als er die ersten Züge aus der Zigarre einsog und dann die blauen, duftigen Nanchflockcn in die Luft blies, strahlte sein Gesicht in einen! so selbstbewußten Stolze, wie Einer, der sich ans einer erhübenen Höhe weiß, von welcher gewisse Leute sich wie Flöhe und Ameisen ausnehmen. ״ES ist wirklich schwer zu verstehen," sagte er, durch den binnen Rauchschleier zu seinem Gegenüber hinnbcrblickcnd, ״wie die Rabbiner, welche doch sonst recht verständige Leute wären, sich so blamiren konnten, das Rauchen am Samstag zu verbieten. Die alten Talmudisten würden kaum eine solche engherzige Anordnung getroffen haben,!venu in ihren Tagen das edle Nanchvergnügcn bekannt gewesen wäre. Ich kenne wirklich keinen großem ,Auneg-ZchabboS°*), als eine gute Zigarre." Den hebräischen Brocken sprach der Herr Doktor mit einem Tone und einer Miene, welche ein Gemisch von frivolem Spott, thörichter Gedankenlosigkeit und widriger Eitelkeit war. Herrn Frankl nberkam ein Gefühl des Ekels; er erhob sich. ״Ich bedaure, Ihnen auf das Gebiet religiöser Dogmcnfragcn nicht folgen zu können," sagte er. ״Ich bin kein Theologe, und auch Sie dürften ans Jurisprudenz sich besser verstehen als ans Theologie. Verzeihen Sie, daß ich durch die Aufforderung, unserem Vereine bcizutrctcn, Ihnen lästig gefallen, vielleicht gar Ihrem Ehrgefühl zu nahe getreten bin. Meine Freunde haben mir von vornherein von diesem Schritt abgeratbcn, ich wollte ihn aber trotzdem nicht unversucht lassen, denn unser Ziel, die christliche Gesellschaft von den ihr lästigen jüdischen Elementen zu säubern und so dem Vorwürfe die Spitze abzubrcchen, daß wir ausdringlich und unverschämt seien, ist nur halb erreicht, so lange eS auch nur Einen giebt, der diesem Vorwürfe scheinbare Berechtigung verleiht. Sie wissen ja, wie man es uns Inden gegenüber macht; der Fehler DcSEinzelnen bringt die ganze Gcsammthcit in Mißkredit." ..Ich könnte," warf Richard Friede mit brüsker, verletzender Schroffheit ein, ״diese Anklage gegen Sie *) Hebräisch so viel wie: ״Sabbathvcrgnügen".

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