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Jeschurun · 1886-05-27 · Heft 21 (27.5.1886) · p. 333

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 21 (27.5.1886)
Article
Rumänien : Jassy [Nachricht]
Date
1886-05-27
Page
333 (sequence 2)
Language
German
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333 fioncn an. Soeben sind wieder hundert Familie via Hamburg abgereist. Demnächst geht neuerdings ein Transport von mehreren hundert Familien, zumeist Handwerkern, dahin ab. -—׳ Jassy, 19. Mai. In Betreff der AuSwan-! dcrnng heißt cs in hiesigen Blättern: Die AuSwanderung der hiesigen Juden hört nicht auf. Samstag sind 15, .Sonntag 30 Familien anögewaudcrt. Dienstag sollen mehr als 100 Familien auswandern. Es ist hierüber zu bemerken, daß der größte Thcil der Emigrantcn ans Handwerkern besteht. Es sind Schuster, Schneider, Tischler u. s. w., die zumeist gänzlich mittellos sind. Daß Handwerker in so großer Anzahl auswandern, hat seinen Grund darin, daß den Leuten versichert worden ist, in Anicrika gute Bezahlung zu erhalten. — Ob sich der rumänische Staat so gut dabei steht, wenn er so vieler tüchtiger und fleißiger Hände sich beraubt, dürfte sehr zu bezweifeln sein. Bulgarien. * NustfÄuck. Ueber ein die Inden beschuldigendes Bubenstück berichtet die Wiener Presse Folgelides: ״Wie alljährlich an vielen Orten zum Osterfeste das Märchen verbreitet wird, die Juden bedurften zu ihren Ostern des Blutes von Nichtjuden, so geschah cs dieses Jahr auch hier in Rustschuck. Der Hergang war folgender: Ein reicher Kaufmann aus Trapezunt kam, wie alljährkich, im Monat April hier an, um mit seinen hiesigen und rumänischen Geschäftsfreunden HandelSangelegenheiten zu ordnen. Er verkehrte auch viel mit jüdischen Wechslern. Plötzlich verschlvand dieser Kaufmann, alle Nachforschungen nach dem verschollenen Kaufmann blieben erfolglos. Da lenkte sich der Verdacht auf einen persischen Hadschemar (Südfrüchtenhändler), mit welchem der verschwundene Kaufmann auch viel verkehrte, und der ihm einen bedeutenden Geldbetrag schuldete. Der Hadschemar wurde verhaftet, allein er betheuerte, er wisse nicht, wo der Kaufmann hingekommcn sei, heuchelte großen Schmerz, daß einer seiner besten Freunde verschwunden und wahrscheinlich von den Inden ermordet wurde, welche sich seines Geldes und seines Blutes bemächtigen wollten. Er that ganz entrüstet, daß man gewagt habe, ihn, den Unschuldigen, zu verhaften, und drohte, beim russischen Konslilate, unter dessen Schutz die hier wohnenden Perser stehen, über seine nugegründetc Verhaftung Beschwerde zu führen. Da keine gravircnden Anzeigen gegen ihn Vorlagen, wurde er entlassen. Am andern Tage fand man im Viertel der Spaniolen, in der Nahe des Tempels, einen Menschcnkopf und zwei Hände, welche Körpertheilc als die des verschwundenen Kaufmanns agnoszirt wurden. Es entstand eine ungeheure Aufregung. Bulgaren und Türken bezcichneten die Inden als die Mörder, da sie das Blut zu rituellem Zwecke gebrauchten. ES wäre gewiß zu Thätlichkeiten gekommen, wäre die Polizei nicht energisch cingeschritten. Aber anstatt die Inden zu verhaften, verhaftete sie abermals den verdächtigen, erst Tags zuvor aus der Haft entlassencn persischen Hadschemar. Diesmal wurde er einem strengen Verhör unterzogen, und er legte bald ein umfassendes Geständniß ab. Er habe den Kaufmann, so erzählte er, zu sich ins HanS geladen, um ihm die Schuld zu bezahlen, habe ihn dann mit Hülfe seines Schwiegersohnes ermordet, da sie vermutheten, er habe wenigstens 300 Lire bei sich, indessen fanden sie nur 96 Lire. Nach seiner Entlassung habe er den Kopf und die Hände des Ermordeten in die Nähe des Tempels gelegt, um den Verdacht auf die Juden zu lenken. Der Körper befinde sich im Keller seines Hauses. Diese Angaben fanden volle Bestätigung. Bei der HauSdurchstrchung fand sich der halbverwcste Rumpf im Keller vor. Die beiden Mörder sind verhaftet und dem russischen Konsulate wurde von der Verhaftung Anzeige gemacht. Auch dem Justizministerium in Sofia, sowie auch in Konstantinopel wurde diese Mordthat telegraphisch angezeigt. Der ermordete Kaufmann hintcrließ in seiner Hcimath zwei Frauen und zwölf Kinder. Amerika. R. Newyork, im Mai. Was uns Noth thut, ist Klarheit des Ziels. Die Errichtung einer höheren Unterrichtsanstalt zur Ausbildung von Lehrern und Rabbinern, wie solche von Herrn Dr. Kohut und Genossen geplant ist, wird nicht zum Heile führen. Schon jetzt wird versucht, den Standpunkt, welches dieses Institut einnehmen soll, möglichst unausgesprochen zu lassen. Man sagt: Amerika ist zu groß, als daß das eine College in Cincinnati genügen könnte, wir wollen deshalb im Osten noch ein solches errichten. Aber Alles in Liebe und Freundschaft, Gott bewahre, nicht im Gegensatz zu der Wise'schcn Anstalt. Die Ncvereuds wollen sich nicht mit ihren Kollegen überwerfen. Prinzipien, so sagt man, sind nur gut, wenn man sie nicht ausspricht. Die sind eine Privatangelegcnhcit. Spricht man sie ans. so entfremdet man sich die Menge. Großes kann aber nur durch gemeinsame materielle Kräfte geschaffen werden, — darum keine Platform, kein Prinzip. Die Herren haben ja auch so Unrecht nicht. Sie können kein Prinzip ausstellen, weil sie keinS haben. Es sind halbe Menschen, sehr klug und diplomatisch und das liebe Ich an erster Stelle berücksichtigend. Was ist der Unterschied zwischen ihnen und den PittSburgern? Wenn man der Sache auf den Grund geht, so wird man wohl kaum einen andern entdecken, als daß die Herren Wise und Genossen offener Farbe bekennen, die Herren Kohut und Genossen aber es für opportun

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