Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 21 (27.5.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : Zurawno [Nachricht]
- Date
- 1886-05-27
- Page
- 332 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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332 לע ist heimgegangen, ist versammelt worden zu seinen Vätern und seinen Genossen, dm Gerechten und Frommen, deren würdiger Bruder in Geist, Gesinnung und That er gewesen, so lange er auf Erden unter uns gewandelt. Wollte ich schildern, was dieser איש צדק ותמים gewirkt und gestrebt, wollte ich sein Lebensbild entwerfen, die Denkmäler alle nennen, welche er seiner Tugend auf der ganzen Bahn errichtet, die er hieniedeu durchzogen, so würde der knappe Raum einer Zeitungsspalte nicht genügen Doch zn Ehren des Angedenken dieses herrlichen Mannes und zur Nachahmung seines hohen Beispiels nur ein Paar flüchtige Skizzenstriche. Glückliche äußere Verhältnisse gestatteten ihm, sein ganzes Leben der תודת und der Ausübung von מעשים מומים zu widmen. Seit seiner frühesten Jugend verbrachte er regelmäßig die Hälfte des Tages, bis l Uhr Nachmittags, int Gebet und Thorastudium. בגי הורה ועגים waren die steten Genossen seines Hauses. Jahraus jahrein speisten täglich 10 bis 15 bedürftige Gelehrte an seiner Tafel. Seine Wohlthütigkeit kannte keine Schranken. Er gehörte zu den seltensten *?משכילים א דל. Er hatte eine unverzinsliche Darlehenskasse aus cigeuen Mitteln errichtet, aus welcher regelmäßig etwa sechzig würdige Familienväter größere Beträge zur ratenweisen Rückzahlung empfingen, welche sie für die Betreibung ihres Geschäfts oder Gewerbes bedursten. Darum starb er nicht nur seiner Familie ab, sondern Tausende weinen an seiner Bahre. An dem Tage seiner Bestattung waren alle Geschäfte der Stadt geschlossen, und ans weiter Entfernung strömten Hunderte zusammen, um seiner irdischen Hülle zur letzten Ruhestätte daö Geleite zu geben. ת׳נ׳צ׳ב׳ה. England. d London, 23. Mai. Eine eigenthümliche Idee wird hier geplant: eine englisch-jüdische Ausstellung. An der Spitze des Komitees sind die Herren: Dr. H. Adler, F. D. Mocatta, Di׳. Ascher, Dr. Friedländer, H. Moutagu, S. Moutagu u. A. getreten. Man will alle Arten von alten Urkunden, Briefen, Stahlstichen, Büchern, Perachoth, Ornamenten re. re. darin aufnehmen. April 1887 ist zur'Eröffnung der Ausstellung in Aussicht genommen. Nutz l and. * Warschau, 14. Mai. Nach einer der ״Polit. Corr." zugehcnden Meldung haben die in Salanow (nahe der Grenze) ansässigen österreichischen Inden seitens der russischen Behörden die Verständigung erhalten, daß sie sich auf eine demnächst zn gewärtigende Ausweisung bereit machen müßten, weil Salanow in dem 50 Werst breiten Grenzrayon liegt und innerhalb dieses Rayons fremden Juden der Aufenthalt gesetzlich verboten ist. Die mit.Ausweisung bedrohten Juden' wendeten sich an die österreichisch-ungarische Botschaft in Petersburg mit der Bitte um Verwendung, worauf ihnen der Bescheid zugckommen ist, daß das Verbot der Ansiedelung in: Grenzrayon in Rußland zu Recht besteht, daher es gegen die eventuelle Ausweisung kein Rechtsmittel giebt. Gleichzeitig wurde ihnen jedoch bemerkt, daß die russischen Geucralgouvcrneure befugt sind, in einzelnen speziellen Fällen Begünstigungen zn gewähren, welche jedoch nicht die Gestattung eines dauerhaften Aufenthaltes, sondern nur die zur Ab- Wickelung der Geschäfte erforderliche Fristerstreckung detreffen können. Lodz> Mai. Nach dem Berichte der Administration des hiesigen jüdischen Krankenhauses wurden im vergangenen Jahre 428 Kranke ausgenommen und davon 307 als geheilt entlassen; 44 starben. Die mit dem Krankcnhausc verbundene, allen Kranken ohne Unterschied der Konfession zugängigc Poliklinik wurde von 15 485 Personen in Anspruch genommen. i Libau, Mai. Der ״Libauische Anzeiger" berichtet, daß nach einer höheren Weisung mit der AuS- Weisung fremder Juden aus Libau inncgehaltcn werden soll. Den Neuankoinmenden soll aber der Aufenthalt gewehrt werden. - Brest-Litowsk, Mai. Handel und Wandel liegt darnieder, und außer der allgemeinen Noth haben wir noch das besondere Elend zu tragen, welches uns aufgebürdet wird, weil wir Inden sind. Der Boden, der unsere und die Wiege unserer Urgroßväter getragen, versagt uns die Bedingungen unserer Existenz. Wir müssen ein neues Land aufsuchen, welches unseren Armen Obdach und Nahrung gewährt. In den jüngsten Tagen sind über hundert Personen von hier abgcreist, fleißige Handwerker, die am Hungertuche nagten, um jenseits des Meeres, in Amerika, eine neue Heimath sich zu gründen. Möge es ihnen gelingen. Sie haben nichts nrehr zu verlieren, als das nackte Leben, — Gott sei mit ihnen! * Minkowitz (Podolien). Der ״Hazephira" wird von hier geschrieben: Welche Wirkungen die neuen Verordnungen auf die Verhältnisse der Juden ansüben, davon nur ein kleines Beispiel. In dem nahen Orte Pristiliwke wohnt seit dreißig Jahren ein jüdischer Schenkwirt!). In Folge der neuen Gesetze sah er sich genöthigt, für sein Gewerbe eine Konzession auf den Namen eines christlichen Einwohners zu erwerben. Wenige Tage, nachdem er solche erhalten hatte, wurde er gezwungen, den Ort zu verlassen und mußte, seine ganze Habe znrücklassend, in die Ferne wandern. Rumänien. * Jassy, 18. Mai. Die Auswanderung der Juden nach 'Amerika nimmt hier täglich größere Dunen--