Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 20 (20.5.1886)
- Article
- Rußland : Odessa [Nachricht]
- Date
- 1886-05-20
- Page
- 318 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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31S wurden. Da von der tausendköpsigen Menge im Ganzen etwa 20 der HauptanstifLer dcr Exzesse verhaftet wurden, so wurde mit denselben kurzer Prozeß gemacht, indem sie gruppenweise je nach den! Revier, in welchem sie ergriffen wurden, beim betreffenden Friedensrichter zur Verantwortung gezogen wurden. Die Prozesse fanden gestern und vorgestern statt, und zwar bei den Richtern des neunten und fünften Reviers, vor welchen gegen fünfzehn Personen unter der Anklage dcr Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung sowie dcr Aufreizung zum Plündern der Inden uulcr starker militärischer Bewachung erschienen waren. Wie nun ans den Vcr- Handlungen dieser Prozesse hervorgeht, war der Exzeß auf dem VoköbelustigungSplatze ״Knlikowo Pole" entstanden, woselbst sich mehrere Leute daraus ein Vcrgnttgen niachten, Juden zu mißhandeln. Da ein Jude stark geschlagen wurde, so erschienen sofort Polizei und Kosaken, welche die Menge auseinanderzujagen begannen. Die angeheiterten Russen widersetzten sich der Polizei und setzten die Mißhandlung der Juden in Gegenwart dcr Kosaken fort, welche schließlich in die Menge Hineinritten und dieselbe vom Kampfplätze vcrjagten. Die in die Flucht getriebenen Feicrtagsbummler zerstreuten sich gleichzeitig nach!nehrcrcn uinlicgenden Straßen, und während sie unter dem Rufe: ״Hnrrah! Haut die Inden!" fast sämmtliche Fensterscheiben auch nicht jüdischer Häuser cinschlugen, versuchten mehrere HaupträdelSfnhrer einige jüdische Tabakläden zu plündern, wobei sie jedoch noch rechtzeitig von den sie verfolgenden Kosaken und Militär-Pratrouillen ergriffen wurden. Fast süinmtliche Angeklagten leugneten ihre Schuld ab und behaupteten, nur zufällig unter die Menge gcrathen und irrthümlichcrwcisc arretirt worden zu sein. Ungeachtet dessen wurden alle Angeklagten der ihnen zur Last gelegten Vergehen schuldig erkannt und zu je zwei Wochen bis drei Monaten Arrests vernrthcilt. lieber die so schnelle Verurtheikung der Unruhestifter herrscht allgemeine Befriedigung, und ist dcr Umstand besonders anerkennenswert!), daß unser Stadtgouverucnr unvcrznglich nach Erhalt dcr Nachricht vom Ausbruch der Exzesse sämmtliche Militärtruppen (mehr als 20,000 Mann) die Stadt besetzen ließ. Bulgarien. * Das Zentralkomitee dcr ״All. 3fr Univ." hat ans Samacosf folgende Nachrichten erhalten: Seit dem FriedcnSabschtusse sind die jüdischen Reservisten in ihre Familien znrückgekehrt; einer derselben hat einen Kontrakt unterschrieben, um auch ferner in der Armee zu dienen. Ein Anderer ist auf dem Schlachtfeldc gestorben; man hofft, daß die Munizipalität zu Samacosf seiner Wittwe eine kleine Pension gewahren wird. Bis jetzt hat dieselbe von der Stadt einige Hülse in Naturalien erhalten. Den Bewohnern zu Sarnacofs ist mitgcthcilt worden, daß in Zukunft die Prozesse zwischen Inden und Nicht Inden nicht mehr, wie bisher, auch an Samstagen Vorkommen dürften. Diese Thatsache verdient hcrvorgehobcn zu werden; sie beweist von Neuem, daß die bulgarischen Behörden die Israeliten mit großem Wohlwollen behandeln. Marokko. * Das Zeniralkomitec der ״All. Jsr. Univ." hat folgende Mitthcilnngen über verschiedene Vorgänge im Innern Marokkos erhalten: Vor drei Monaten fand man zwischen Bni-Sadcnc und Bni-Iazgha, zwei Niederlassnngcn eine Tagereise von Fez entfernt, die Leiche eines jungen Mannes, Jona Benaim, 20 Jahre alt und ans Fez gebürtig; Raub war der Anlaß zum Mord. Einige Tage darauf verbreitete sich die Nachricht von der Ermordung noch drei anderer Juden aus Fez. Diese Nachricht verursachte unter den Juden von Fez eine große und schmerzliche Aufregung. Man hofft jedoch noch immer, daß die drei verschwundenen Israeliten lebendig wieder gesunden werden. Ein weiterer Mord ist in Debdu an dem Juden Eliahn bcn Harun Hamnk, 22 Jahre alt, geschehen. Derselbe war damit beschäftigt, in seinem Hause Geld zu zählen, als ein Araber bei ihm eindrang, ihn vermittelst eines DolchstoßcS umbrachte und sich des Geldes bemächtigte, in Gegenwart der Verwandten und Nachbarcn des Opfers. Der Schuldige verbleibt weiter in Debdu, ohne von dcr Gerechtigkeit heimgcsncht zu werden. Im Uebrigen sind die Juden von Debdu allerhand Nergeleien und Mißhandlungen von Seiten dcr Beamten auögesetzt, und eine große Anzahl jüdischer Familien wandert nach Algier aus. Ostindien. * In Brittisch-Indien befinden sich unter einer Gesammtcinwohnerschaft von 253.082,505) Seelen nach neuester Zählung etwa 12000 Inden neben 100 Millionen Hindu und Buddhisten, 50 Millionen Mohamcdancrn,!,600,000 Christen und 65000 Parsis. Murmle Immgcn. Bon Samuel Bcrthold Rosner. ('All« '.llcchtc Vorschauen.) (Fortsetzung.) So fliegt die Schaukel mit ihr, sich unrege!- mäßig hin und herwcrfend, in die grausige Tieft ■unb aus der andern Seite wieder zur Himmels höhe. PankrazinS grinste und fletschte die Zähne vor höllischem Behagen. Er rieb sich die Hände und schielte mit einem Auge der aufsteigenden Schaukel nach und nahm