Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 20 (20.5.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : Lemberg [Nachricht]
- Date
- 1886-05-20
- Page
- 317 (sequence 1)
- Language
- German
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317 Schutthaufen. Sämmtliche Gotteshäuser בתי מדרשים לבית הבנפת הגדולה und niete בבדי תודה sind niedergebrannt. Biele, die bis vor dem Brande zu den Wohlhabendsten zählten, sind Bettler geworden, cs mangelt ihnen an der nöthigsten Kleidung, um den Veit auch nur nothdürstig zu bedecken, an Brot, um den Hunger zu stillen, an einer Stätte, um ihr unglückliches Haupt nicdcrzttlcgen. Es ist herzzerreißend, die Noth und das Elend dieser Unglücklichen auznschcn. wie sie nackt und hungernd, obdachlos und brotlos hcrnnurren. Glaubensgenossen! Der jüdische Wohlthätigkeitssinn, das jüdische Herz hat sich stets anss Glänzendste bewährt, wo cs galt, die Noth unserer Stammesgenosscn zu lindern. Wir appcliren daher auch jetzt an Euer jüdisches Herz und bitten unsere Glaubensgenossen um rasche Hülseleistung. Möge sich Keiner entziehen, sein Schcrflein zu diesem Liebeswerkc bcizutragen אחד המרבה ואחד הממעיט. Wir hoffen, daß unser Appell bei unseren Glaubens- und Stammesgenosscn ein kräftiges Echo in ihren mitleidsvollen Herzen finden wird, und sic werden sich,' wie immer, so auch jetzt, als wahre רחמנים וגומלי הסדים bewähren. ושברם יהיה בפול מן השמים. Weinberg im Monate Ijar 50-10. Der jüd. orthod. Verein ״Machsikc Hadas für Galizien und Bukowina. Der Präsident: Ign. L. Schreiber. Spenden wolle man cnijcHbcii an die Nedaltion dieses Blattes oder an Herrn Jg. V.']Sch r e i be r, Gutsbesitzer Drohobyez, Galizien." Holland. -0- Amsterdam, 10׳. Mai. Der hiesige ״Weldadighcidsfonds", errichtet auf Initiative unseres hochverehrten Herrn Oberrabbincr Dr. Dünner, hielt vorige Woche die zehnte jährliche Generalversammlung ab. Bei dieser Gelegenheit wurde vom Sekretär eine tlcbersicht der Geschichte dieses Vereins gegeben, der wir Folgendcs entnehmen. Der Zweck des Vereins ist: l) armen jüdischen Familien durch Ankauf eines kleinen Geschäfts und 2) durch Gewährung unverzinslicher Vorschüsse cutgcgcuznkommcn, und damit der Herrsehenden Armuth einigermaßen zu steuern. Daß der Verein seinen Zwecken, soweit die Mittel reichen, in vollem Maße entspricht, beweisen folgende Zahlen. Im ersten Jahre seines Bestehens betrugen die Gcsammtcinuahmcn 4500 fl. — in diesem Jahre 14 000 fl. — In! ersten Jahre wurden für den Zweck ml 1) 50011 fl., im verflossenen Jahre 11 000 ff. ausgegcben. In den zehn Jahren zusammen wurden 3100 Familien mit in Summa 03 000 fl. unterstützt. Ans der Anleihekasse ad 2) wurden im Ganzen 18 00 Personen mit 101000 fl. geholfen, und zwar im crftui Jahre 22 Perfönen mit 750 fl., int letzten 319 Personen mit 13 000fl. Anßerdcnl wurden in dringenden Fällen nothlcidcude ' Familien mit den nothwendigen Lebensbedürfnissen und : Hansha 1 tungsgcgcnständen versehen. Möge der Verein! durch kräftige Hülfe in den Stand gesetzt werden, : allen an ihn hcrantreiendcn Anforderungen entsprechen! zu können. — Das hiesige israelitische Mädchen- Waisenhaus begeht dieser Tage das Fest seines fünfnndzwonzigjährigcn Bestehens. Als würdige Feier dieses Jubiläums beabsichtigt der Vorstand, von diesem Tage an fünf Waisen mehr, als bisher der Fall, anfzunehmcn. Eine derartige Jnbiläninsfeicr verdient wirklich Ancrkcmmng. -0- Amsterdam, 10. Mai. Obwohl Amsterdam an הברות keinen Mangel hat, verdient cs doch Erwähnnng, daß einige junge Leute dieser Tage zur Gründung eines Vereins znsammcnlrateu. Der Verein, מקור היים genannt, bezweckt durch Thanrohlerncn, Halten allgemeiner Vorträge und gesellige Zusammenkünste ein Band zwischen den frommen jüdischen jungen Leuten zu knüpfen. Bis jetzt zählt der Verein circa 30 Mitglieder. Der Anfang ist zwar klein; wir hoffen jedoch, daß ans denselben der BibclvcrS An- Wendung finden möge -- והיה ראשיתך מצער ואחריתך ישגה מאוד. Rußland. * 2T>nrsrhar1,! 2. Mai. Am vergangenen Sonntag wurde hier, wie ״Hazcphira" berichtet, einer der frömmsten und ausgezeichnetsten Männer zu Grabe getragen, welcher unter dem Namen Rabbi Jisrac! Ehoßid oder im Jargon ״der fromme Nebbc Jißroel," allgemein befaimt war. Er war der Hclscr und Tröster der Armnth. Mau sah ihn nie anders als mit einer Sammelbüchse, mit welcher er täglich Warschau von einem Ende zum andern durchwanderte, um die Mittel zusammenzubringen, die vielen Armen der jüdischen Gemeinde zu unterstützen. Er erreichte ein AlLer von siebcnundsiebzig Jahren. Tausende geleiteten ihn zur Nnhcstütte, Trauer und Wehklagen herrschte in den Straßen. Als der Leiclienzug in der Gonziastraße angclangt war. spannte das Volk die Pferde des Leichenwagens ans, um den Sarg, welcher die Hülle des verehrten und geliebten Mannes barg, selbst bis zum Grabe zu fahren. * Odessa, lieber die Exzesse in Odessa und deren gerichtliche Ahndung, von welcher wir bereits unseren Lesern antcntischc Berichte gegeben haben, wird der Wiener ״N. fr. P." das Folgende geschrieben: Wie ich ihnen bereits geschrieben, wurde von einigen Strolchen am Abend des zweiten Ostcrtagcs der Versuch gemacht, eine Jnvenhetze in großem Maßstabc zu inszcniren, deren Charakter aber sofort emc ernste Gefahr für die allgemeine Sicherheit der Stadt vorausschen ließ, so daß die cmsgcbrochcncn Unruhen durch energisches Einschreiten des allarmirtcn Militärs säst im Keime erstickt