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Jeschurun · 1886-05-20 · Heft 20 (20.5.1886) · p. 315

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 20 (20.5.1886)
Article
Deutschland : Altona [Nachricht]
Date
1886-05-20
Page
315 (sequence 2)
Language
German
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315 der der nunmehr aufgelösten Portugiesisch-Israelitischen Gemeinde früher gehörigen Synagoge, Herr A. I. Möller hierseibst, dieselbe der Klausverwaltung bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Mit dem Wiederaufbau der genannten Häuser wird zugleich der Neubau eines zweiten Haupteingangs zu der über zweihundert Jahre alten Hanptsynagoge unserer Gemeinde verbunden, und verspricht so der ganze neuaufzuführende Gebäudekomplex eine architektonische Zierde unserer Stadt zu werden. Am vergangenen Mittwoch den 5. d. M. fand in den! alten Sitzungssaale die letzte gemeinschaftliche Sitzung der Israelitischen Gemeinde statt. Am Schlüsse derselben nahm der Präses der Gemeinde, Herr Justizrath Hey mann, in einer bewegten Rede von den alten liebgewonnkncn Räumen Abschied. Wir schließen diesen Bericht mit dem Wunsche, daß auch ferner in den neu zu errichtenden Gemeindehäusern die Verwaltung unserer Gcnteindc von den Vorstehern und der Gcmeindevertretung in Eintracht wie bisher geführt werden wird und daun auch das Wort des Psatmisten an uns in Erfüllung gehen möge: ומעשה ידינו כוננה עלינו ומעשה ידינו כוננהו. H. Wöllstein, Prov. Posen, 12. Mai. Vorgestern ]ift Herr Rabbinats-Kandidat L. Höxter aus Berlin einstimmig zum Rabbiner und Lehrer unserer Gemeinde gewählt. Dem jungen Rabbiner eröffnet sich hier ein großes Arbeitsfeld. Hoffen wir, daß cS ihm gelingen wird, להחזיר עמדה ליושנה; und so rufen wir ihm schon jetzt ein herzliches ברוך הבא entgegen. M Nogasen, int Mai. Von der Festlichkeit, welche beim Eintreffen unseres neuen Rabbiners, Herrn Nosenthai, vor sich ging, berichtet folgendes Programm zur Amtseinführung Sr. Hochchrwurden des Rabbiners Herrn Noseuthal. Nogasen den 5. Mai!866. Empfang am Bahnhof Nogasen durch das Fest-Komitee. Um 6 Uhr Nachmittags versammeln sich in GoSliner's Hotel die eingeladcnen Behörden; die Gemcindcvorsicher und Repräsentanten; die Vorsteher resp. Vorstcherinncnsämmtlichcr hiesiger israelitischen Vereine; der Vorstand und die Lehrer der israelitischen Elementarschule, sowie die KultuSbcamten. Beim Eintritt des Rabbiners in das Empfangszimmer ist Vorstellung der erschieueneu Gäste. Amtseinführung: Ansprache und Uebergabe der BcstallungSurkunde. Die Versammlung bcgicbt sich in geordnetem Zuge nach der Synagoge, woselbst die Gemcindemitglicdcr festlich versammelt sind. Chorgesang. Mincha Gebet. Antrittsrede. Maariwgebet. Schlnßgesang. Diesem Programm entsprechend, vollzog sich auch die sehr weihevolle und herzlichcEinführung unseres würdigen Rabbiners, welcher sich im Sturme die Liebe und Verehrung sämmtlicher Gemeindcmktglieder erworben hatte. Die Antrittsrede fand einen freudigen Wiederhall in aller Herzen. Sie zeichnete sich durch ebensoviel Innigkeit wie GeisteSreichthum und Form- Vollendung aus. Das Festbankett, welches des Abends zu Ehren des Herrn Rabbiners siattfand, wurde durch die Gegenwart unseres Herrn Bürgermeisters Meise und sonstiger Honoratioren verherrlicht. Die Wirksamkeit des Herrn Rabbiner Nosenthal wird, so Gott will, eine gesegnete werden. Die Gemeinde weiß sich mit ihm eins und seine Vergangenheit verbürgt den Ernst und die Weisheit, welche in der Gegenwart mehr als sonst für eine gedeihliche Amtsführung von Nöthen ist. Oesterreich-Ungarn. G. Wien, 14. Mai. Stöcker, der Berliner Antistmitenführer, Simonyi, der Kämpe des Preßbnrger Judenhasses, werden demnächst uns mit ihrem Besuche beglücken. Freue Dich, Kaiscrstadt, und jubele ob der hohen Ehre, die Dir zu Theil wird! Bauet Ehrenpforten, Wiener, schmücket Eure Häuser zum würdigen Empfang der hohen Gäste! Also lautet ungefähr die Ansprache, welche der Präsident des antisemitischen österreichischen Neformvereins dieser Tage an die Vereinsgenossen richtete. Und sie fand lebhaften Beifall und Händeklatschen, diese frohe Botschaft. Nun, wir wollen abwarten, was diese Herren uns zu bringen haben. Namentlich sind wir auf Herrn Stöcker, den ״illustrcn Gesinnungsgenossen ans Berlin", wie ihn Herr Mehringer nennt, sehr gespannt. -— Der Dichter Rosegger wird von den Antisemiten wegen seiner nicht ganz unfreundlichen Gesinnung gegen die Juden arg verfolgt. Man wirft ihm vor, er sei von Juden bestochen u. s. w. Herr Rosegger erläßt eine längere Auseinandersetzung darüber in hiesigen Zeitungen. * Wiener-Ncmtttdt, 14. Mai. Gestern Abend hielten die Antisemiten unter der Flagge der neugegründeten Ortsgruppe des BöhmerwaldbundeS eine Festkneipe, die sich zu einer wahren Orgie gestaltete. Sie hatten sich zu derselben zwei antisemitische Abgeordnete ans Wien verschrieben, welche mit einem Anhänge von Parteigenossen um 9 Uhr Abends aukamcn und von den Turnern unter Vorantragung der Fahne in die Stadt geleitet wurden. Den Redestrom eröffnet(» drei Universitäts-Hörer, welche bei der letzten Versammlang unserer SchnlvereinSgruppe vergebens Skandal zu machen versucht haben und die nun ihre Revanche nehmen wollten. Sie zogen gegen den Schulverein und die Juden loS, indem sie ihre mit Schimpfworten gewürzten Reden der Versammlung vorlasen und drohten damit, daß sie noch nicht alle ihre Mittel zur Durchs setzung ihres Programms erschöpft hätten. Dann sprachen noch ein Mitglied des Deutschen TurnvercrcinS in Wien, der die hiesigen Turner zur Gründung eines deutschen Turngaues anjsorderte, denn der Ostmark-Turngau

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