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Jeschurun · 1886-05-13 · Heft 19 (13.5.1886) · p. 301

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 19 (13.5.1886)
Article
Türkei : Konstantinopel [Nachricht]
Date
1886-05-13
Page
301 (sequence 1)
Language
German
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Türkei. Konsiautinopel. Der Chachambaschi, MoseS Levi Effendi, hat Angesichts der erheblichen Belastung! der Gemeinde auf die Auszahlung seines GkhaltS für! das laufende Jahr verzichtet. Er hat mit dieser hoch- * herzigen Handlung seiner Gemeinde ein nachahmungswürdiges Beispiel gewährt, sich der Roth der Armen in ausgedehntestem Maße anzunehmen. UebrigenS dürften schwerlich viele Rabbiner in der Lage sein, in dieser großartigen Weise die Pflicht der!צדקו zu predigen. Rumänien. ...z. Bukarest, 9. Mai. Man hört fortwährend von neuen Verfolgungen und Bedrückungen der Juden. Der Jude ist hierzulande vogelfrei, Beamte und Private lassen darum ihrem Fanatismus freien Lauf. Es ist nur selten bei den Bedrückten Muih zur Klage und bei dem Richter der gute Wille vorhanden, sich des Rechtsgekränkten anzunehmen. In Tekntsch verbietet man einem christlichen Kellner bei einem jüdischen Gastwirthe zu konditioniren, in Podul-Turkulair verjagt man friedliche Spaziergänger, weil sie Juden sind, mit der Flinte. In Jwsitscheni prügeln Bauern die Juden, und man treibt sie an verschiedenen andern Orten von Haus und Hof. Dergleichen ist so sehr an der Tagesordnung, daß es fast nicht mehr Beachtung findet. Amerika. li. Newyork, April. Es giebt keinen heiligen, ehrwürdigen Begriff, welcher nicht mißbraucht wird. Ein ärgerer Mißbrauch kann aber kaum gedacht werden, als das Einbcrufnngsschreiben, welches das aus den Herren Jsaac M. Wise in Cincinnati, Adolph Moses in LouiSvillc, Emil G. Hirsch in Chicago bestehende Komitee zu einer Fortsetzung der famosen Pittsburgcr sogenannten Nabbinerkonfercnz soeben erläßt. Diese drei Herren, welche sich Ehrwürdcn und Rabbiner nennen, geben im Aufträge der vcrflosseueu Pittsburger Versammlung kund und zu wissen, daß am nächsten 26. Juni Ln der Stadt Cincinnati eine neue Konferenz von sogenannten Rabbinern tagen wird. Es würde dazu nichts zu erinnern sein, wenn die Herren Einberuscr den Namen GottcS und Israels dabei außer Spiel ließen. Was haben Gott und Israel mit dieser Versammlung zu Ihnn, welche die von Gott gegebenen Gesetze theilS nmdeutcn und abschaffen will, welche die Mißachtung der göttlichen Gebote, die sic selbst mit Füßen tritt, in weitere Kreise zu tragen beabsichtigt, welche den Namen ״Israel" durch ihr Wirken und Streben verunglimpft?? ״Im Namen Gottes und Israels" wagen es diese Männer, ihre Versammlung anzuzcigen und dazu cinzuladen, eine Bersammlang, die keinen andern Zweck ausgesprochener Maßen hat, als Israel Gott und seinem Gesetze abtrünnig zu machen. Ich weiß sehr wohl, daß die Herren mir entgegnen werden: Du bist ein verblendeter, nngebildcter Orthodoxer aus der finstern polnisch-deutschen Region, Du kennst kein anderes Jndenthum, als da- Jndmthnm des Schulchan-Aruch, Du kannst unser erhabenes Wirken nicht begreifen und unser edles Streben nicht verstehen. Wir sind freie Amerikaner, erleuchtete Bürger der glorreichen Vereinigten Staaten. Wir sind die Träger des Lichtes und der Aufklärung. Wir sind Priester dcS wahren, des amerikanischen Judcnthums, welches keine Kirchcnreligion ist, nichts mit veralteten Untersuchuugen über Koscher und Teresa, über Milchig und Fleischig, über Schaatncß und kleinliche Sabbathgebotsumzüunungcn etwas zu thm, hat. Darauf aber erwidere ich: Euer Treiben ist eitel Humbug. Ihr wollt die Augen des Volks blenden. Ihr benutzt Amt und Wissen zur Verführung des Volks. DaS Judenthum ist ewiges, unverbrüchliches Gesetz GottcS an ganz Israel zu allen Zeiten und in allen Ländern Gott hat nicht für Palästina Pole!, und Deutschland ein besonderes Gesetz gegeben und für Amerika ein anderes. Es giebt nur ein Judenthum. und das ist das Judenthum, wie eS m der schriftlichen und mündlichm Lehre geoffenbart ist. Wer sich hierzu bekennt, der ist Jude, wer es verleugnet, wer da behauptet, Gott habe nicht ebenso wohl ansgesprochen: Du sollst nicht Schaatneß tragen, nicht Milch und Fleisch zusammen genießen, nicht Dich an Austern und Krebsen delcktircn, wie: Du sollst nicht stehlen und morden, — der hat sich von dem Judenthumc und von Gott losgesagt, der verhöhnt Gott und Israel. Und wer gar cs unternimmt, für diesen seinen Abfall Propaganda zu machen, der zählt zu den מחטיאים, zu den Verführern des Volkes. — Geht immerhin nach PiltSbnrg und Cincinnati, aber laßt Gott und Israel unerwähnt. Sprecht cS offen ans, daß ihr euch von Gott und Israel losgesagt habt, — dann haben wir uns um euch nicht zu kümmern. Dann habt ihr euch mit eurem Gewissen und Gott abzufinden. So ihr aber den Namen Gottes und Israels im Munde führt, so haben wir zu erklären: Diese Männer, die sich Rabbiner und Lehrer Israels nennen, sind Deine ärgsten Feinde, jüdisches Amerika, höre nicht auf ihre Stimme, lasse Dich nicht von ihnen zum Abfall verleiten! — Wir legen vor aller Welt Protest dagegen ein, daß die ״Pittsburger" es wagen, im Namen Gottes und Israels nach Cincinnati einzuladen.

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