Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1886)
- Article
- Verein "Esra"
- Date
- 1886-05-13
- Page
- 294 (sequence 2)
- Language
- German
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294 war, daß ernste und wohlhabende Leute, die namhafte Jahresbeiträge hätten zahlen können, vom Verein überhaupt sich fern hielten und fast nur arme Leute mit dem minimalsten Jahresbeitrag von 50 dem ״Esra" beitraten. — Die sehr geringe Betheiligung der ärmeren Stande einigermaßen wieder ausznaleichcn, ließen die Stifter des Verein« sich durch den ersten bescheidenen Erfolg zu einer weitern Nachahmung der deutschen ReichSfechtschulcn zur Herausgabe eines eigenen VereinSorganS verleiten, das zweimal monatlich in einer Auflage von 500—1000 Exemplaren erscheinend, die VercinSinteressen vertreten, zwischen den überall zerstreuten Mitgliedern desselben ein geistiges Band Herstellen und für die Kolonisation Palästinas durch Juden Propaganda machen sollte. Die letzten zwei bis drei Seiten jeder Nummer waren zur Veröffentlichung von Mitgliederlisten, sowie für ausführliche Berichte über sämmtliche interne Vereinsangelegenheiten rcservirt; aber auch dieses Unternehmen hatte im Ganzen dem Verein keine dauernde Vortheile gebracht, wie überhaupt die Prinzipien der Fcchtschulcn sich für unfern Verein als wenig geeignet erwiesen haben! Der geringe Wirkungskreis, auf den ein speziell jüdischer Verein, bei der geringen Zahl unserer Glaubensgenossen, sich beschränken muß, sowie die Schwierigkeit, unter den über dem ganzen Erdboden zerstreuten, verschiedene Zungen redenden und durch eine lange Verfolgung gegen Alles, was die Grenze der lokalen Wohlthätigkeit überschreitet, ziemlich apathisch(?) gewordenen Glaubensgenossen einen allgemeinen Verein von größerer Tragweite zu organisiren, schließt jede Analogie mit einem nichtjüdischen Verein, besonders aber mit den deutschen ReichSsechtschulen, von vornherein aus. Zn diesen Schwierigkeiten, welche ein jeder weitverzweigte jüdische Verein zu überwinden hat, trat bei uns noch der sehr geringe Jahresbeitrag von nur .50 hinzu, der dem jungen Verein wohl viele Mitglieder eingebracht, auch eine sehr große Korrespondenz verursacht, den eigeutlichen Zweck des Vereins dagegen nur wenig gefördert hat. DaS Unterzeichnete Zentralkomitee, welches in der Generalversammlung vom 2. Februar 1885 neu gewählt worden ist, ging deshalb gleich nach seiner Konstituirung daran, den. Verein im obigen Sinne zu rckonstruiren. Die Herausgabe des VereinSorganS wurde eingestellt, der Humor aus den Statuten ent-- fernt und der Jahresbeitrag aus eine Mark erhöht. Mit der Neugestaltung des Vereins beschäftigt, konnte das Zentralkomitee für die Verbreitung desselben im vorigen Jahre wenig oder säst gar nichts thun, und erst mit der Ende Januar d. I. erfolgten behördlichen Genehmigung des neu revidirtcn Statuts begann dasselbe nach außen eine rührige Thatigkeit zu entfalten. — Unter einem geregelten Geschäftsgänge besteht der Verein demnach nnr zwölf Monate, und obgleich seine Entwickelung lange noch nicht abgeschlossen ist, so darf man doch schon jetzt behaupten, daß die Periode der Versuche im Allgemeinen vorüber ist. Es hängt nunmehr von unseren Glaubensgenossen selbst ab, ob der Verein seine Aufgabe erfüllen und im Stande sein wird, den jüdischen Einwohnern des heiligen Landes zur ökonomischen Selbständigkeit zu verhelfen und damit der aus die Noth unserer dortigen Glaubensgenossen ewig spekulircnden Mission gründlich und für immer das Handwerk zu legen. Wir wenden uns daher an alle jüdischen Männer und Frauen, welche für unser Volk eine schönere Zukunft noch erhoffen, mit der Bitte, dem Verein ״ESra" beizutreten, überall für ihn Mitglieder zu werben und diese Mitglieder in wohl organisirte Lokalkomitces cinzurcihcn, welche im Verein mit dem Zentralkomitee in Berlin das erwähnte Ziel zu er־: reichen suchen. — Acht Kolonien sind in Palästina schon errichtet, und die auf denselben angcsiedcltcn Glaubensgenossen haben durch ihr Gedeihen den unzweideutige!, Beweis geliefert, daß unser Volk das edle Handwerk seiner Väter noch nicht ganz verlernt hat und auch. mit Pflugschaar und Sense noch gut umzugehen weiß! Der erste Versuch ist gelungen, lassen wir es nicht dabei bleiben. Nähere Auskunft crtheilt: Herr M. DrieSner in Berlin, Klosterstraße 50; Herr I. Kalmus in Berlin, Magdeburgerstraße 32; sowie das Bureau des ״Eöra", Spandaucrstraße 63." Wandelungen. von Friedrich Rott. (Nachdruck 1K־vbotc11.) (Fortsetzung.) Die treuen Diener erschracken, als sie ihre Herrin erblickten, sic fürchteten, auch sie werde zusammenbrechen. Doch Frau von Merten, sonst so schwach, so unselbständig, zeigte in dieser bangen Stunde eine Nutze, eine Besonnenheit, die ihre Umgebung staunen machte. Die eine Hand feft auf die kranke Brust gedrückt, stützte sie mit der andern das Haupt ihres Kindes und mit schwacher, doch entschiedener Stimme erthcilte sie ihre Bcsehle. Während sie den alten Jean zum Arzt sandte, hieß sie die Andern frisches Wasser und stärkende Essenzen bringen und begann nun selbst Wiederbelebungsversuche. Doch eö währte lange, bevor Bella ein Lebenszeichen von sich gab. Der Arzt erschien. ES war ein alter italienischer Professor; besorgt schüttelte er das greise Haupt, als er seine Patientin als Pflegerin fand. Noch bevor er