Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1886)
- Article
- Erkannte Irrungen
- Date
- 1886-05-06
- Page
- 287 (sequence 2)
- Language
- German
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287 kleine Megäre, ״warum frage ich Dich nicht, was es mit der gefallsüchtigen Kokette ist?" ״Pariert gut!" lachte Franz aufgeräumt und beklopfte seinem zürnenden Schwesterlein die Wange. Madame Colmar hätte dieses Thema lieber nnberührt gelassen, es widerstrebte ihrer Würde, zu verrathcn, daß sie es für möglich Halle, ihr Kind könne in irgend einer unliebsamen Beziehung zu dem jüdischen Studenten stehen. Nachdem aber Franz nun einmal den Fehler begangen hatte, den Gegenstand aufs Tapet zu bringen, hielt auch sie mit den verhaltenen Borstelluugen nicht länger zurück. ״Du bereitest mir ernsten Verdruß, Clla, mit Deiner sonderbaren, kindischen Ausführung," sagte sie streng. ״Du solltest doch bedenken, daß Du kein Kind mehr bist. Dieses muthwillige, gedankenlose Sichgehenlassen schickt sich sehr ,schlecht zu Deinen Jahren und muß einem Jeden sehr ungünstige Begriffe von Deiner Gesellschaftsfähigkeit beibringen. Du mußt eine größere Reserve annehmen, besonders in Gesellschaft solcher Leute." ״Wenn sie nicht würdig sind, daß wir mit ihnen verkehren/' warf Ella kurz und trotzig hin, ״warum suchen wir sie denn ans?" ״Heilige Ludmilla! — cs ist gar nicht mehr zum Anshalten mit diesen! unbändigen Wildling. Ein Kalmück könnte nicht unzivilisirtcr und barer jedes konventionellen Taktes sein? Die Platzt mit Allem heraus, was ihr auf die Zunge kommt." Auch diese hingeworfene Frage war so ein nnqnalifizirbares, mutywilligeS und gedankenloses Sichgehenlassen, und die .gestrenge Frau Mania wäre in keiner geringen Verlegenheit gewesen, wenn sie dieselbe nach bestem Wissen und Gewissen hätte beantworten müssen. Oder konnte sie ihr etwa gestehen, daß die Fricde'S Geschöpfe einer niedrigeren Rangstufe seien, daß man aber mit ihnen dennoch ein scheinbar freundschastlicheS Verhältniß unterhält, weil sie ein prächtiges Hans führen, weil cs nirgends einen eleganteren Salon, glänzendere Soireen, imposantere Bälle giebt? Weil es ferner die Opportunität gebietet, mit einem so einsluß- und geldreichen, mit einen! so reich begabten Menschen, wie Doktor Friede, der einem gar viel nützen und schaden kann, ans gutem Fuße zu stehen? Daß der äußere Verkehr aber mit der inneren Schätzung dieser Leute nichts zu thnn habe; daß man auf ihren L-oircen, Bällen, in ihrem Salon, wo man ja genug ebenbürtige Elemente antrifft, sich ganz gut amüsiren, und zu gleicher Zeit sie hinterrücks geringschätzen, bereden, ignoriren, verspotten, sich ihrer schämen., kann; daß das Vergnügen, sich in dem Glanze des großen ReichthnmS dieser unterwürfigen, willfährigen Leute׳ zu sonnen, das Opfer werth ist, sich zu ihnen herab zu lassen; daß es nirgends leichter ist, glorisizirt zu werden, und das ist so angenehm, als in dem Kreise dieser zugleich eitlen, aufgeblähten und devoten Menschen, welchen nichts so sehr imponirt, als ein Taufschein? Daß man die Leute ans der Gasse kollegial begrüßen, ihnen kordial die Hand reichen kann, ohne aber bei Alledem auch nur einen Moment ans den Augen zu verlieren, daß — ei nun, daß die ganze schätzbare Sippschaft ein weiter moralischer, intellektueller und meinetwegen auch physischer Abstand von den wirklichcn, wahren und ächten ״Zehntausend" trennt?.... Durste sie ihr diese Antwort geben? (Forts, folgt.) Inserate werden die äspaltige Petitzeile QC H lA>P' LK1 ׳A> M Für den Inhalt derselben übernimmt die oder deren Raum mit 25 Psg. berechnet. f}' | T T T Redaktion keinerlei Verantwortung. Jnsertionö. und Abonnements-Annahme für Frankfurt a. Dt. auch bei Herrn I. Kausfmann daselbst, ohne Preiserhöhung Ln Franko׳Anfragen sub. Nr. (522־ ernj ju beten. in ÖE55HSE5H5HSiE5H5E5E51E53 Weingroßhandlung Klausenburg in Ungarn. Nur reine Weine. Religiöse .Zuverlässigkeit von anerkannten rabbrnatlichen Autoritäten verbürgt.