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Jeschurun · 1886-05-06 · Heft 18 (6.5.1886) · p. 286

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 18 (6.5.1886)
Article
Rußland [Nachricht]
Date
1886-05-06
Page
286 (sequence 2)
Language
German
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und Durchsuchung hatten begreiflicher Weise großes ' Aufsehen gemacht und das Volk aufgeregt, welches sich aber jetzt beruhigte. — Auch aus Jcdinicz und Kowno wird über ähnliche falsche Gerüchte von geschlachteten. Christenkindcrn berichtet. E. Odessa, 30- April. Am Abend des siebten Pcßachtages ward ein großes Indcnmassaker geplant, aber Dank der Energie und Umsicht der Behörden kaum im Entstehen uni erdrückt. Vor dem Bahnhofe auf dem Kulikowofclde hatten starke Zusammenrottungen des Pöbels stattgefuuden. Man mißhandelte einige Juden und stürmte unter wüstem Geschrei in die Straßen. Das Militär war aber schnell bei der Hand und suchte die Menge zu zersprengen. Der Versuch, sich durch Stcinwürfe zu widersctzcn, wurde vereitelt. Es' kamen mehrere Verwundungen vor. Die Stadt wurde von Militärkolonncn besetzt und durch einzelne Abthcilungen fortwährend durchpatronillirt. So kamen wir im Allgenreinen mit dem Schrecken davon ' und sind der Polizei- und Militärverwaltung zu hohem Danke verpflichtet. R. Scöcrstopol, 28. April. Der Tag der Freude und der Feier ist zn einem Tage des Schreckens und der Bedrangniß geworden. Am Sonntage standen die Feinde gegen uns auf, unnützes Gesinde! und beutegierige Horden plünderten die Häuser der Juden und mißhandelten Männer, Frauen und Kinder. Wir׳ riefen um Hülfe, aber sic kam nicht alsobald. Erst als daö Rauben und die Mißhandlungen im Gange waren, erschien die bewaffnete Macht und schritt mit dem Säbel auf die Räuber ein. Dabei wurden Viele verwundet. Viele verhaftet und die Ruhe kehrte zurück. Aegypten. ** Die Reform ist ungemein geschäftig, überall hin ihre Arme anSzubreitcn. Wenn sie biolang nur versteckte Versuche gemacht hat. sich den Orient zu erobern, so wissen die mit den Verhältnissen Vertrauten doch diese Bcniühnngcn, welche unter der nnvcrfanglichcn Maöke von bildnngSfrcundlichen Bestrebungen austreten, wohl nach ihrer wahren Bedeutung zu würdigen. Der also Vertraute gicbt es aber im Oriente sehr wenige, wie ich auch der Ansicht bin, daß Viele im Abendlandc sich Täuschungen darüber hingeben. Wenn jedoch offen das Banner der Reform entfaltet wird, dann schaarcn sich die wahren Freunde des Jndcnthums zusammen zur Abwehr der drohenden Gefahr. In Alexandrien und Kairo, wo viele eriropäische Juden Handelsniederlassungen gegründet, hat sich nun eine solche offene Propaganda für dir Reform entfaltet, welche bei der eigentlichen jüdischen Bevölkerung aber auf heftigen Widerstand gestoßen ist. Man hat sich zn entschiedenen Maßregeln gegen diese Reformbestrebnngen entschlossen und. plant in cinflnßreichen Kreisen die Einsetzung einer obersten Zentralbehörde für die ägyptischen Juden, um denselben für alle Zukunft vorzubcugcn. Man denkt dabei an die Stellung des Chacham Baschi in Konstantinopel, vergißt aber die Strömungen, welche sich in Aegypten durch den französischen Einfluß leichter geltend machen können, alsam Bosporus. Das betont auch eine in hebräischer Sprache erschienene Flugschrift, die in sehr verständiger Weise die יראים ושלבזים vor der Kreirung einer solchen jüdischen Zentralbehörde warnt und au dem Beispiel der französischen Konsistorialverfasstlug zeigt, welche Gefahren dem Judcnthume durch eine solche erwachsen können. Wir müssen selber aus der Hut sein, wir dürfen das Wächteramt für das Heiligthum nicht durch Stellvertreter anSnben lassen. Wer ist denn Bürge dafür, daß nicht in Zukunft einmal die Zentralbehörde mit ihrem obersten ^andesrabbiner in die Hand der Reform gerät!)? Dann aber sind wir ärger daran als heute, wo wir freie Männer sind und der Gefahr selbst entgegentreten können. — Der Verfasser der Flugschrift hat offenbar Recht. Man lasse sich nicht von dem Momente hinrcißcn. Man weise die Reform zurück, aber schaffe sich nicht eine allmächtige Rcligionsbehörde. Erklunlte Immgkn. Von Samuel Verth old N osner. "׳ " ' (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Einen Moment gaukelte ihr sogar eine angenehme Illusion vor, sie stehe vor einem der ehrwürdigen alten Gelehrten, mit schneeweißem Haar, gebückter Gestalt und mit dem milden Märtyrermulitz, welches ihr immer ein so andächtiges Gefühl einflößt, daß sie am liebsten hingehcn und ihm die welke Hand küssen möchte..... Und sie hört die Worte Rafaels: ״Wenn Sie das doch cinnial wirklich thun wollten, Fräulein." Aber sic kam noch rechtzeitig zur Besinnung. Eine Weile schritten alle Drei schweigend neben einander. Plötzlich packte Franz mit der linken Hand Ella an ihren dicken, blonden Zöpfen, mit der Rechten faßte er sie am Kinn und drehte ihr Angesicht zu sich empor. ״Sag, Du kleiner Kobold," sprach er lächelnd, ״was ist'S mit dem götterricchenden Studenten?" In ihrem Antlitz, welches ein Gcniisch von Milch und Blut war, gewann plötzlich das Blut die Ober- Hand, welches es mit einer rosigen Welle übcrgoß; ihre sanften Tanbenangen nahmen einen schrecklich dräuenden Ausdruck an und schleuderten solche vernich- Lenden Blitze, wie etwa CronoS, wenn ihm einmal die Geschichte drunten gar zu bunt wurde. ״Aber das grenzt ja an Unverschämtheit," schnaubte die niedliche

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