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Jeschurun · 1886-05-06 · Heft 18 (6.5.1886) · p. 283

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 18 (6.5.1886)
Article
Österreich-Ungarn : Krakau [Nachricht]
Date
1886-05-06
Page
283 (sequence 2)
Language
German
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283 Dieser nichts bedeutenden und nichts erklärenden Ausfüge des Zeugen Telesz kann um so weniger eine Wichtigkeit beigelegt werden, da nach den Aussagen der Sachverständigen ein Schrei im Keller der Ritter draußen unhörbar sei. Der Zeuge RadowSki gab an, daß er, als er im Februar 1885 dem jetzt verstorbenen Jan TeleSz. eine Schustcrarbeit übergab, von diesem (Telesz) gehört habe, daß Telesz zur Zeit dcS Verschwindens der Mnich ״Nachts gesehen habe, wie Inden aus dem Keller der Ritter einen in eine Decke gehüllten Gegenstand sortschafsten. Gegen diese Aussage streitet ein starker Zweifel, denn Telesz, fünfmal als Zeuge vcrnommen und beeidet, wußte davon nichts zu erzählen, er erwähnte davon weder seiner Frau, noch seinem Sohne, noch seinen! Nachbar Gubcrski, mit dem er in großer Freundschaft lebte. Da nun durch die zum drittenmale durchgcsührte Verhandlung, die oben in der Kassations- Entscheidung vom 25. Februar 1865 erhobenen Zweifel nicht beseitigt wurden, und da diese Zweifel gegen die Nichtigkeit des letzten Urthcils sprechen, sieht sich daher der Kassalionshof mit Zustimmung des Gcncral-Prokurators, im.Sinne des §. 362 Strafprozeß-Ordnung veranlaßt, das Verdikt der Gcschworncn aufzuheben und MoseS und Gitte! Ritter frcizusprechen. * Arad, Ende April. Die ״N. I. P. Ztg.״ bringt in Bezug auf die Stcrcny'sche Trauung, daß den! der Reform angehörigen Rabbiner Dr. Rosenberger von dem Vater der Frau 200 Gulden für die Vollziehung der Trauung geboten worden wäre: derselbe hätte solche aber entschieden zurückgcwiesen. .18. Ans Lüdmlgarn. Zwei durch ihre ernstreligiöse Lebensweise und Mildthätigkeit hochgeachtete Mitglieder der israelitischen Gemeinde zu Fünfkirchen, die Großhändler Herr Joachim Schapriuger und Adolf Engel, wurden durch Allerhöchste Entschließung vom 29. März in Anerkennung ihrer auf dem Gebiete des vaterländischen Gewerbes und Handels erworbenen hervorragenden Verdienste in den taxfreien Adclstand erhoben, welche Würde auch auf ihre gesetzlichen Erben übergeht. Herr Schapriuger erhielt auch das Prädikat von Jlchepringi. Herr Engel schenkte vor mehreren Jahren der dortigen Gemeinde ein ansehnliches Kapital zur Errichtung einer Talm.id-Thora-Schule. SP. Ans Ungarn, Nissan. ES schläft und schlummert nicht unser Herr Kultus׳ und Unterrichts- Minister. Mit jeder Mondeswende erleuchtet er mit einem Iudcncrlasse die Finsteruiß, die im Judenthum herrscht. Ja, wir besitzen schon Judcncrlässe zweiten Ranges, die sich nämlich aus andere Judenerlässe deziehen. Jüngst erst verordnete der Minister, daß in den Mittelschulen nur Nabbinerssöhnc und Rabbinats- Kandidaten vom Schreiben am Samstag zu dispensircn seien. Nun dürste der Herr Minister die Wahrnehnmng gemacht haben, daß einige Direktoren, von toleranten Gefühlen geleitet, cS nicht so skrupulös mit'dem Erlasse nehmen. Und Herr v. Trcfort ist ein energischer Mann. Ein neuerer Erlaß ordnet an, daß der zu Dispensircndc mit beglaubigten Zeugnissen nachzuweisen habe, daß er auch wirklich Nabbiucrsohn und Rabbinats- Kandidat sei, und nur religiöse Gefühle ihn abhalten, am Samstag zu schreiben. Ein schöner Beweis der väterlichen Fürsorge unseres Ministers! Eine schöne Interpretation der Gleichberechtigung! Ist dies nicht die in liberale Formen gegossene Intoleranz selbst?! Giebt cs eine größere Verletzung des religiösen Gefühles, wenn nur einem verschwindend kleinen Theile der Schüler gestattet wird, einem der heiligen Gebote seines Glaubens nachzukonlmcu? Es stünde nach all dem zn erwarten, daß diese in das religiöse jüdische Leben so tief einschneidenden Erlässe alle orthodoxen Kreise in lebhafte Aufregung versetzen sollten, daß von berufener Seite energische Schritte dagegen unternommen, oder Worte der Aufklärung an kompetenter Stelle erfolgen sollten. Nichts von alledem! Mit stoischer Ruhe und bewunderungSwürdiger Resignation lassen unsere Leiter Alles über sich ergehen, vielleicht, damit sich vertröstend, daß wir in Gallith seien. Oder will man in leitenden Kreisen, da wir nun einmal deren haben, sich in die Ansicht hineintänschm, daß jeder Schüler der Mittelschulen mit dem Jadenthume ohnehin gebrochen habe? Will man die Augen verschließen vor dem wohllhuendcn Umschwünge, der sich immer mehr geltend macht, und nicht sehen, daß in den Mittelschulen schon beträchtlich viele fromme jüdische Schüler zu finden und auch in den Hallen der Universitätcn Jünglinge anzutrcffeu sind, die mit Leib und Seele ächte Juden sind?! Wir wollen dies nicht annehmen. Giebt uuS doch die Errichtung der Handelsschule zu Preßburg von Seiten der orthodoxen Gemeinde daselbst ein beredtes Zeugniß dafür, daß man in leitenden Kreisen der Orthodoxie anderer Meinung ist. Wir schreiben diese Taktlosigkeit eher dem JudiffercutismuS und dem Umstande zu, daß Niemand die Initiative ergreifen will. Und wieder erhellt die Nothwendigkcit der baldigen Abhaltung einer Rabbincrversammlung; wieder zeigt es sich, wie viele Fragen der Lösung durch sie warten, und wie segensreich sie wirken könnte. Aber trotz aller Anregungen und Borberathungen will die Schwcrgeburt der אסיפה nicht zu Stande kommen. Und so bleibt uns nichts als den Allmächtigen anzuflehen, daß er die regierenden Kreise unseres Landes anderes Sinnes werden lassen möge. Holland. Rotterdam, 29. April. Vor ungefähr fünf Wochen hätte ich Ihnen eine ganz interessante Korrespondcnz senden können, von einem großartig angelegten

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