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Jeschurun · 1886-04-29 · Heft 16-17 (29.4.1886) · p. 270

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 16-17 (29.4.1886)
Article
Rußland : Petersburg [Nachricht]
Date
1886-04-29
Page
270 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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270 lagen im Ganzen 847 589 Mann, darunter 43 830 Juden. Zur Einstellung angenommen wurden 225 879 Mann oder 26 Prozent, darunter 8723 Juden, von denen sich aber schließlich 2349 oder 5 Prozent nicht stellten, während sich unter den nicht zur Loosung erschieucnen 29 333 Mann ebenfalls 17 6l4 Juden, also fast 40 Prozent aller Gestellungspflichtigen befanden. Bei den anderen Wehrpflichtigen betrug dieses Manko iuSgcfammt nur 1,5 Prozent. Im Mohilew'schen Gouvernement stellten sich von den zur Loosung einberufenen Juden 98,5 Prozent nicht. Diese Neigung nimmt immer noch zu, so daß als schließliches Resultat von den Heerespflichtigen Juden nur 19,9 Prozent, von den anderen Gestellungspflichtigen aber 27,5 Prozent 1885 zur Einstellung gelangten. — Wir wissen nicht, ans welcher Quelle das ״Militärische Wochenblatt" diese Angaben geschöpft hat, und mochten darum dieselben mit einigem Bedenken ansnehmen," insbesondere Angesichts der traurigen Ereignisse der letzten Jahre. Wie viel Juden haben nicht bei den verschiedenen Hatzen ihr Leben verloren? Wie Viele sind nicht aus Rußland verjagt? Da scheint denn doch die Annahme nicht ganz unberechtigt zu sein, daß solche in den betreffenden Listen überhaupt nicht gestrichen sind. Anders kann man unseres Erachtens bei nur einigermaßen ruhiger Ueberlcgung dieses kolossale Manko nicht erklären. * Balta, März. Wie der ״Pcstcr Lloyd" schreibt, hat sich in dem an der galizischen Grenze, im Gouvernement Podolien gelegenen russischen Städtchen Balta am פורים folgender schreckliche Vorfall zngetragcn. Der Fußboden in der dortigen Synagoge brach unter den zahlreichen Betenden, welche fast ausschließlich auS Frauen bestanden, zusammen. Hunderte von Besuchern der Synagoge stürzten in den tiefen Keller hinab und wurden schwer verletzt. Mehr als sechzig Frauen wurden sehr schwer beschädigt und mußten in besinnungSlosem Zustande vom Platze getragen werden. N u m änie n. * Man weiß, heißt cs im letzten Monatsbericht der ״All. Jsr. Un.," daß der AüSwcisungScrlaß, welcher die rumänische Negierung am I6./29. Oktober 1885 gegen eine gewisse Anzahl rumänischer, israe!itisch<׳r Journalisten verkündete, sich auf den Artikel 1 des 1881er Gesetzes, über die Fremden, stützte. Nach der ״Jndovendance roumaine" vom 21. Febrnar/5. März, hätten der Senator Marzeöco und sieben seiner Kollegen am 20. Februar/4. März dem Senat eine Eingabe vorgelegt, welche di?. Abschaffung dieses Gesetzes bezweckt: Anbei der Text dieser Vorlage: ״In Anbetracht, daß das Gesetz vom 7. April 1884, welches die Bezeichnung trägt: Gesetz bezüglich der Fremden, nur aus dem einzigen und hauptsächlichen Zweck vorgeschlagcn wurde. Rumänien vor gewisse« Ideen, welche die ganze Menschheit vcrurtheilt, zu beschützen; in Anbetracht, daß dieses Gesetz — weit entfernt davon, im vorgesehenen Falle mit Weisheit angewendet worden zu sein, in der Praxis zu unverzeihlicher administrativer Willkür geführt hat; in Anbetracht, daß dieses Gesetz nicht auf Leute rumänischer Abkunft Bezug haben konnte oder wollte, seien sie auch Unterthan einer fremden Macht; in Anbetracht, daß nach dem Buchstaben und dem Artikel 9 der Verfassung die Rumänen der anderen Staaten, weit entfernt in die Kategorie der gewöhnlichen Fremdem gerechnet zu werden, von der Natur und jure sanguinis die Eigenschaft als Rumämen besitzen, von Rechtswegen und als unbestreibare Thatsache; daß die Konstitutionen nicht einmal die Naturalisation von ihnen gefordert, sondern ihnen das Recht zuertheilt de plano die Ausübung der politischen Rechte durch ein Votum des gesetzgebenden Körpers zu erlangen; aus diesen Gründen, und um der Eigenmächtigkeit der exekutiven Gewalt Einhalt zu thun, da dieselbe vorkommendcn Falls dieses Gesetz in unmenschlicher Weise anwenden könnte, schlagen die Unterzeichneten die Abschaffung des GesetzeS vom 7. April 1881 ״über die Fremden" vor." Dieses Projekt hat besonders die Ausweisung der Rumänen auS Transylvanien im Auge, die kurz vor Ausweisung der israelitischen Journalisten stattgcfunden hat. Diese Rumänen sind es, die von rumänischer Abkunft sind, obgleich sie Unterthanen einer fremden Macht. Die Abschaffung des Gesetzes hätte znm wenigsten das Resultat, die Vertreibung der rumänischen Israeliten zu erschweren oder unmöglich zu machen, selbst im Falle sie nicht naturalisirt wären. ...z. Br! karrst, 15. April. Vor kurzem sind aus Niamz 25 jüdische Familien nach C Ypern ansgewandert. Sie hatten sich vorher an einen gewissen Herrn Michael Friedmann, welcher zuerst der Chef der russischen Kolonisten war, gewendet, um sich über die Bodenverhältnisse re. Cypcrns zu erkundigen. Herr Friedmann hatte ihnen die Auswanderung nach Cypern durchaus cntpsohlcn und sie also veranlaßt, dorthin zu gehen, Die Auswanderer hatten das wenige Geld, das sie besaßen, zu einer gemeinsamen Kasse zusammeugerhan. Als sic in Cypern waren, ging ihre Baarschaft bald zu Ende, so daß sie jetzt iu der bittersten Noth sind. Sie erlassen daher zu dem Zwecke in Nr. 609 des hier erscheinenden, im .,Jargon" geschriebenen jüdischen Blattes ״Hajoetz" von Cypern anö einen Ausruf, um Hülfe von ihren rumänischen Glaubensgenossen zu erflehen. — ES geht hier das sehr beunruhigende

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