Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 16-17 (29.4.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1886-04-29
- Page
- 269 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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269 und volksmirthscbaftlichcn Rücksichten habe leiten lassen, sondern von ״konfessionellem Hasse", von ״antisemitischer Befangenheit", der Reichstag könne einen solchen Stand- Punkt selbstverständlich nicht einnehmen. *||* Pest, 25. April. Der Kultusminister Trefort hat an die Ober-Schnldircktoren folgenden Erlaß gerichtet: ״Ans Grund der Erfahrung, daß viele Gesuche derjenigen jüdischen Schüler, welche, gestützt auf die Verordnung von 1885, um die Diöpcnsirung vom Schreiben und Zeichnen am Samstag bitten, bei der Untcrbreitung nicht immer mit den erforderlichen Belegen versehen sind, weise ich die Ober-Direktorate an, derartige Gesuche von den einzelnen UntcrrichtSanstalten nur dann zum Zweck der Unterbreitung anznnehmen, wenn dieselben mit der Erklärung eines glaubwürdigen Rabbiners und des Direktors versehen sind, daß der Vater des betreffenden Schülers in der That die in der oben erwähnten Verordnung bezeichnete Stellung (als Rabbiner oder RabbinatSverwescr) einnimmt, oder daß der Schüler selbst, um sich für die Nabbinerlaufbahn vorznbereitcn, außer den ordentlichen NcligionSstudien, thatsächlich (talmudischrabbinischen) Privatunterricht genießt. Die Erklärung des Direktors muß sich auch über das Vorleben des bctr. Schülers in der Schule auSsprcchen, namentlich darüber, ob derselbe zu seinem Gesuche thatsächlich durch ״religiöse Motive" oder nur durch ״Neigung zur Nachlässigkeit" veranlaßt wurde. Gelangt ein derartiges Gesuch ohne die erwähnte Erklärung des Rabbiners oder des Direktors an den Oberdirektor des Stndien-Distriktcs, so hat er dasselbe, bevor er cs dem Ministerium unterbreitet, wegen Beschaffnng der mangelnden Belege an die Direktion der bctr. Unterrichtsanstalt sofort zurückzusenden." Jede Bcnlerkung zu diesem Erlaß wäre überflüssig. Wir bedauern nur, daß noch von keiner Seite ein Schritt gcthan ist, um die Aenderuug jener Verordnung zu veranlassen. * Krakau, 22. April. Die hiesige Handelskammer ersuchte, wie die ״N. I. P. Z." bringt, den Minister des Auswärtigen, Grafen Kalnocky, auf telegraphischem Wege, dahin wirken zu wollen, daß der Befehl, wonach einem österreich-ungarischen Juden ein Paß zur Reise nach Rußland nur dann crthcilt werde, wenn hierzu die Bewilligung des russischen Ministers des Aeußern cingcholt würde, beseitigt werden möge, da diese Beschränkung den galizischen Handel sehr empfindlich schädige. * Arad, 19. April. Der .,N. j. P. Z." wird von hier geschrieben: Der ״tollhäuslerische" Sterevy hat in dem hiesigen Bezirk eine Frau getraut, welche von ihrem Manne zwar gerichtlich geschieden wurde, jedoch keinen נט erhalten hatte. Unser (Reform-) Rabbiner Di׳. Rosenberger strengte nun gegen Stereuy eine Klage an, weil dieser in seinem RaLbinatS-Bezirke eine Trauung vornahm. Daß cS sich hierbei um eine אשת איש handelte, darum würde sich unser Reformrabbiner, der das ותחזינה עינינו בשובך לציון, wie auch alle Stellen, die auf ביאת המשיח oder קרבגוח sich beziehen, aus derתפלה streichen ließ,.blutwenig kümmern. Der Kampf unter den beiden Rcformhclden dreht sich also bloß um die paar Gulden Traulohn. (Vergleiche Korrespondenz aus Pest in Nr. 15 u. 16. Fr ankreich. * Paris, 19. April. Die ״Krcuzzeitnng" läßt sich von hier Folgendes schreiben: Einer der Redakteure der ״Monde", Drumont. hat ein Buch ״Da France Juive“ herauSgegebcn, welches ein gewisses Aufsehen erregt. Der Verfasser, ein erbitterter Gegner der Semiten, verlangt unter Anderem die Konfiskation der jüdischen Vermögen zu Gunsten großer Bauunternehmungcn, welche den Arbeitern zu Gute kämen. Da der ״Monde" das offizielle Organ der Nuntiatur ist, so hat der Inhalt des Buches von Drumont in den hiesigen jüdischen Kreisen einige Verstimmung und Unruhe erzeugt. (Anmerkung der Redaktion: Wir werden nicht verfehlen, sobald wir das betrffcudc Buch besitzen werden, unfern geehrten Lesern Näheres darüber mitzntheilen.) Italien. * Mailand. Die AntiguitätSbuchhandlung von U. Hocpli in Mailand versendet ein Zirkular, in welchem dieselbe anzcigt, daß sich in ihrem Besitze ein Manuskript von Jad hachasaka von Rabbi MoscS ben Maimon befindet. Es ist dasselbe Manuskript, welches seiner Zeit der berühmte Philosoph und spanische Finanzminister Jsak Abarbancl für 30 000 Dukaten, als aus MaimonideS' Besitz stammend, gekauft hat. Auf der letzten Seite findet sich nämlich folgende Notiz in hebräischer Sprache: ״Hier in Venezia schreibe ich mit gebrochenem Herzen zur Erinnerung an die gesegnetste Sache. Jsak Abarbancl, der Kleinste unter den Menschen. Gott helfe. Amen." Das Buch scheint dann bei den Wanderungen der Familie verloren gegangen zu sein und wurde erst im Jahre 1548 von dm Enkeln Abarbaucls für 300 Dukaten Gold zurückgekauft. DaS Werk soll, abgesehen davon, noch dadurch sehr wcrthvoll sein, als der Text eine Menge von dedeutenden Abweichungen von den bis jetzt bekannten darbieten soll. Rußland. * Petersburg. Das ״Militärische Wochenblatt" bringt eine russische Nckrutirungsstatistik für 1885, in welcher es u. A. heißt: Der Loosurig unter-