Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 16-17 (29.4.1886)
- Article
- Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
- Date
- 1886-04-29
- Page
- 266 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2932754-2933154-2933171--21775-2965407- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
266 gemacht haben. Um diese Kinder zu weiterem Flciße anzuspornen, wurden in allen Klassen eine Anzahl Prämien an dir besten Schüler und Schülerinnen vertheilt. Für das mit Ende des Monats beginnende neue Semester sind weitere 50 Kinder angemeldet. ES ist dies der beste Beweis, daß die Schule einem wirklichen Bedürfnisse Abhülfe bringt, und daß ihre Leistungen Anerkennung finden. Bei der mit jedem Jahre sich steigenden Schülerzahl und bei der Beschränktheit der von der Religionsgescllschaft zur Verfügung gestellten Räume, ist cS sehr erfreulich, daß durch das auch in diesen Blättern mitgetheilte Geschenk von J& 100,000. zum Bau eines SchulhauscS Aussicht vorhanden ist, daß diese Schute in nicht zu ferner Zeit in Besitz ge-׳ eignctcr Schullokalitüten kommen wird. Diese Aussicht ist um so näher gerückt, als auch aus weiteren Kreisen über oi6. 20000. für den Bauplatz gespendet wurden, und cS zu hoffen ist, daß auch der weitere Bedarf durch Spenden gedeckt werde. Möge diese Hoffnung sich recht bald verwirklichen. B. Frankfurt a. M., 22. April. Die ״Franks. Ztg." bringt von dem Besitzer einer bedeutenden Fabrik in Süddcutschland folgende Zuschrift: ״Ich hatte die Absicht, vorige Woche von Breslau aus wegen einiger wichtiger Geschäfte auf einige Tage nach Warschau zu reisen, und begab mich deshalb zu dem in Breslau domizilirendcn russischen Konsul, welcher sich auf mein Ersuchen bereit erklärte, meinen Paß sosort mit der vorgeschriebenen Beglaubigung zu versehen. Im Laufe des Gesprächs richtete er die Frage an mich: ״Nicht wahr, Sie sind Katholik?" und als ich ihm dann wahrheits׳ gemäß antwortete: ״Nein, Israelit," erklärte er mir, meinen Paß nicht visircn zu können, da er die bestimmte Vorschrift habe, solche Pässe, welche auf Individuen mosaischer Konfession lauten, nicht zu visiren. Er verblieb trotz aller meiner Vorstellungen und Bitten bei dieser Weigerung, erklärte mir höflich aber entschieden, nicht gegen die ihm gewordene Vorschrift handeln zu können, so leid cS ihm auch thue, und verwies mich schließlich aus ein in Petersburg einzureichendes Gesuch, nach Warschau reisen zu dürfen,׳ was ich selbstverständlich ablehnte, schon deshalb, weil ich wohl einige Tage, nicht aber Monate hätten warten können. Ich war also gezwungen, den beabsichtigt gewesenen Besuch von Warschau zu unterlassen." * Dortmund, 22. April. Gegen Dr. Bernhard Förster ist, wie der ״Volkztg." von hier geschrieben wird, von der dortigen Staatsanwaltschaft ein Steckbrief erlassen worden. Förster wurde wegen einiger Aeußerungen, welche er im vorigen Jahre als antisemitischer Wanderredner Lu einer Versammlung zu Dortmund über die angeblich jüdische Abstammung des Ministers v. Goßler gethan hatte, auf Antrag des Letzteren der verleumderischen Beleidigung angeklagt. Als die Sache vor der Strafkammer verhandelt werden sollte, ließ Förster durch einen antisemitischen Freund mittheilen, daß er vor wenigen Tagen die Rückreise nach Paraguay angctreten habe. Damit konnte sich das Gericht natürlich nicht zufrieden erklären, es ordnete die Untersuchungshaft an, und da dieselbe nicht vollstrcckt werden kann, so ist jetzt der Steckbrief erlassen worden. B. Würzburg, 16. April. Die Verwaltung des ״Israelitischen LehrervereinS für das Königreich Bayern" veröffentlicht diese Woche den Jahresbericht über das sechste Jahr ׳ seines Bestehens. Aus demselben entnehmen wir folgende Daten. ״Seine Majestät der König von Bayern haben vom 25. Dezember 1885 der von dem israelitischen Lehrerverein für das Königreich Bayern mit dem Sitze in Würzburg mit einem Kapitale von 9099 J1L 24 begründeten Wohlthätigkeitsstiftnng unter dem Namen: ״UnterstützungSstiftung des israelitischen LehrervereinS für das Königreich Bayern" die allerhöchste landesherrliche Bestätigung zu ertheilen geruht, was wir bereits seiner Zeit in diesem geschätzten Blatte berichteten. Da der Verein sich die Aufgabe gestellt, nebst gegenseitiger Anregung, auf Schule und Lehrer bildend einzuwirken, zugleich aber auch dienstunfähige, ordentliche Mitglieder und deren Wittweu und Waisen zu unterstützen, so wurde in letzterer Hinsicht in diesem Jahre der Anfang mit der Vertheiluug an vier Wittwen, zwei Doppelwaisen und fünf einfache Waisen gemacht, indem ihnen die Summe von 312.50 zugekommen ist. Der Verein zählte im abgelaufenen Jahre 106 ordentliche und 150 außerordentliche Mitglieder, die nahe an ]200 Ji beisteuerten, außerdem gingen fast ebenso viel an Spenden und Geschenken von Gemeinden und Vereinen bei Feierlichkeiten und verschiedenen Veranlassungen im letzten Jahre ein. Der Vermögensstand weist die ansehnliche Summe von 10 881.65 Jk auf, welche bei der Reichsbank in Berlin deponirt ist. Der Unterstützungöfouds betrug Ende 1885 1077.92 Ji, während die Hauptsumme von 9803.73 0f& als Grundkapital verbleibt. Wenn man erwägt, daß der Verein erst seit sechs Jahren besteht, so kann man mit dem Resultat wohl zufrieden sein, und sicht wiederum, was vereinte Kräfte zu leisten im Stande sind. Den Vereinsmitgliedern wird ferner mitgetheitt, daß der Verein seit seinem Bestehen im verflossenen Jahre die höchste Einnahme hatte. Einzelne Vereinsmitglieder, namentlich jüngere Herren, werden aufgefordcrt, die diesjährige General- Versammlung, welche Dienstag, 29. Juni, in Bamberg abgehalten wird, durch geeignete Vorträge zu erfreuen. Auch werden die Herren Knltußvorstände und die Herren Kollegen, in deren Sitz oder Nachbargemcinden sich Unterstützungsberechtigte befinden, dieselben veranlassen,