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Jeschurun · 1886-04-29 · Heft 16-17 (29.4.1886) · p. 265

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 16-17 (29.4.1886)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1886-04-29
Page
265 (sequence 1)
Language
German
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M 1« u. 17. 265 Jeschurmr Deutschland. C. Berlin, 18. April. Dem ״Bcr!. Tageblatt" entnehme ich Folgendes: ״Das vielbcruscue 0. 0, 0. kann nicht leben und nicht sterben. In der frei- , konservativen ״Post" stört ein früheres Mitglied dcö konservativ-antisemitischen Zentralausschusses dessen wohlverdiente Ruhe, indem er gegen die Herren Irmer und Bellermann zu Felde zieht und dabei folgende nicht uninteressante Enthüllung znm Besten giebt: ״Ich bin dann aus dem C. C. C. ansgetreten, weit Herr Dr. Irmer in seiner Eigenschaft als erster Vorsitzender des konservativen Wahlvcrcius die bekannte Ehrenerklärnng für Stöcker, entgegen den Anschauungen des Parteirathes und entgegen einem ausdrücklichen Beschluß des 0. 0. 0., lediglich einer deutsch-konservativen Anregung folgend, unterschrieben hat." -6- Frankfurt a. M, 16. April. Diese Woche fand hier die Prüfung der Unterrichts an stalten der Israelitischen Religionsgesellschaft in der festlich geschmückten und zur Aula hergerichteten Turnhalle statt und nahm solche einen sehr günstigen Verlauf. Die Prüfung begann Sonntag Morgen um 8 Uhr mit dem Talmndnnterricht und zwar von היי אדם und קצר ש״ע an bis züm selbstständigen Vortrag eines schwierigen Abschnitts ans der ׳רא^. Die Prima führte diese Aufgabe nach kurzer Präparatiou ohne Hülfe des Lehrers mit großem Perständniß durch und zeigte damit, daß die Schule ihren Beruf, ihre Schüler zum selbstständigen Lesen und Erfassen eines Blattes 2רא) zu führen, wohl erfüllt habe. Um 11 3/י Uhr trat an Stelle des Talmuds die Tnrnprüfnng: Es war erfreulich zu bemerken, daß dieselben Schüler, welche vorher ihre Bekanntschaft mit dem Talmnnd in so ausgiebiger Weise gezeigt hatten, sich auch im Tnrncn geschickt er׳ wiesen und damit den Beweis lieferten, daß die Schule neben der Bildung des Geistes und des Herzens auch die Kräftigung des Körpers mit bestem Erfolge anstrcbt. Der Montag und der Dienstag Vormittag waren dann den andern Lehrgegenständen gewidmet und konnte man mit Befriedigung wahrnehtncn, welche guten Fortschritte die Schüler und Schülerinnen ans allen Gebieten des Wissens gemacht haben, und wie die Schule ihre Aufgäbe aufs Beste zu lösen weiß. Die Schule nimmt ihre Zöglinge mit dem zartesten Alter, mit dein Beginne der Schulpflicht, auf und führt sie bis zu dem Verständnisse und der Würdigung, der Meisterwerke unserer Dichterheroen, stattet sic mit der Kenntnis der Realien, der fremden Sprachen, französisch und englisch, auS und führt sie in deren viteratur ein, pflegt aber nicht minder die exakten Wissenschaften, wie auch die Kunst des mündlichen Vortrages und des Gesangs. An! wichtigsten und erfreulichsten ist der echt jüdische Geist, der Lehrer und Schüler durchdrmgt und letzteren wappnet, den Versuchen zu widerstehen, welche im Leben stets an jeden Einzelnen herantrctcn. Diesem Gedanken gab auch ein Schüler beredten Ausdruck, welcher bei dem Dienstag Nachmittag stattgchabten Schlußakte eine eigene Ansprache an seine Lehrer und Mitschüler richtete, die Leistungen der Schule auf allen Gebieten deS Wissens hervorhob, den Lehrern den Dank der Schüler aussprach und die Wärme und Innigkeit seines Vortrags, der sichtlich nur der AnSstnß seiner Gefühle war, den lebhaftesten Eindruck auf die zahlreichen Zuhörer, welche den großen Saal bis auf den letzten Platz füllten, machte. Dieser Schlußakt bestand in Gesängen, die mit großer Präzision vorgctragen wurden, sowie in Vorträgen von Gedichten und Szenen aus Schauspielen. Es sind diese Vorträge nicht allein sehr nützlich für die Aussprache und Betonung, sondern auch für den Anstand und die Ueberwindung der für Klein und Groß gleich störenden Befangenheit. Den Schluß bildete die Rede des Direktors, welcher der Verwaltung und den Lehrern den Dank anssprach und an die Schüler die Ermahnung richtete, auch für die Folge dem Unterrichte alle Aufmerksamkeit vereint mit Fleiß und Eifer zu widmen. Den austrctendm Schülern der Prima, welche l 2 an der Zahl, sämmtlich die Berechtigung für den einjährigen Militärdienst erhielten, legte er ans Herz, die guten Vorsätze, mit welchen sie die Schule verlassen, auch im Leben zu bewahren und zu bethätigen. Die Prüfungstage, welche als Ehrentage für die Schule bezeichnet werden können, haben gezeigt, daß die Schule ihre Aufgabe, unsere Jugend für unsere heilige Religion, i sowie für Geistes- und Herzensbildung für תורה עם דרך ארץ za gewinnen, zu lösen versteht, und daß die Erwartung wohl berechtigt ist, daß der auSgestreute Samen nicht verloren gehe, sondern edle Früchte im Leben tragen werde. Schon jetzt besteht ein großer Theil der Religionsgcsellschaft aus ehemaligen Schülern der Schule. Auch solche Schüler, die sich auswärts niedergelassen haben, nehmen in ihrer neuen Heimath thätigen Anthcil an den Bestrebungen zur Erhaltung der Religion und gereichen ihrer Vaterstadt und ihrer Erziehung zur Ehre. In den Erfolgen der Schule liegt die beste Garantie für den dauernden Fortbestand der Israelitischen Rcligionsgesellschaft, welche, stark durch ihre innere Berechtigung und ihre Leistungen, nicht des Schutzes von Außen bedarf. — Auch die Israelitische Volksschule, welche gegenwärtig von 200 Schülern und Schülerinnen besucht wird, und an welcher drei Klassenlehrer und zwei Klassenlehrcrinnen sowie eine Fachlehrerin in fünf Klassen Lhütig sind, hielt den 14. April in den gleichen Räumen ihre Prüfung und legte Zeugniß dafür ab, daß sie ihre Zöglinge gut fördert, jo daß solche gute Fortschritte

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