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Jeschurun · 1886-04-29 · Heft 16-17 (29.4.1886) · p. 257

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 16-17 (29.4.1886)
Article
An die Juden Rumäniens
Date
1886-04-29
Page
257 (sequence 1)
Language
German
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M16 >1.17. 257 Feschnrn«. An die Juden Mmnäniens Von Jedidjah. Wieder sind vorbei die Tage Der Erinn'rnng jener Zeilen, Wo die Stunde naht' zur Freiheit Nach dem schweren Sklavenjoche. Schon verklungen sind die Lieder, Sind die Weisen uns'rer Väter, Die zum Lobgesang erschallten. Preisend unfern höchsten Schutzhort. Noch der Nachhall leise bebet In uns fort, bis wiederbringet Uns der Lenz den Tag der Freude, Der Erlösung ans Mizrajim. Auch in euch, ihr armen Brüder, Von Barbaren schwer geknechtet, Hatten, hoffnungsvoll erhebend. Froher Freiheit Himmelsiöne. Wenn die Tyrannei euch drücket, Wenn der Frohnherr schwingt die Peitsche, Wenn des Lebens süße Hoffnung Eure Kinder hingeschlachtet — Wenn das Blut der Wunden strömend Noth der Moldau Wasser färben, Wenn die Walachei erbebet Bon dem Angstschrei der Gequälten — Wenn von HauS und Hof vertrieben Ihr nlnherirrt, arm, verlassen. Fremde unter Fremden wandernd, Euer Fuß nicht Ruhe findet — Wisset, auch in euch, ihr Brüder, Lebt die Zuversicht auf Jenen, Der die Väter einst erlöset Aus der Knechtschaft ehrucr Fessel. Wieder kehren Freiheitstage. Wo das Ziel uns rosig leuchtet, ' Wo die Stunde naht der Freiheit Nach dem schweren Sklavenjoche. Doch bis dahin traget, traget DaS Geschick des GottcSvolkcs, Eure Kraft die GottcSlehre, . Euer Hei! des Herrn Verheißung. Dann ertönet bald die Freude, Die Posaune ruft zur Freiheit, Frei von Fesseln ziehn wir Alle Froh vereint zum Gottcsberge. ZMer, die Juden und die Auarchie. (Schluß.) Der ReichStagsabgeordnete Stöcker hat mit der auf offener Parlamentstribüne ausgesprochenen Verdächtigung einer ganzen Klasse vollberechtigter deutscher Staatsangehörigen — mag er nun die deutschen Juden als einen zum deutschen Volke gehörigen Stamm oder als eine vom deutschen Staate anerkannte ReligionSgemeiuschaft betrachten wollen —, als ob gerade sie ״der Uebcrspannung des EigenthumsbegrisfeS" fröhnten und gerade ihr ״Kapitalismus" besonders staatsgefährlicher Art wäre und gerade ״die Millionäre und Milliardäre" der Juden ״ungesunde Erscheinungen für das öffentliche Leben" bildeten, weshalb er als Vaterlandsfreund einen so heftigen Kampf gegen die Juden zu führen sich gemüßigt fühlte, — Herr Stöcker, sagen wir, hat damit die Verpflichtung übernommen, den unwiderlegbaren, erschöpfenden Nachweis für diese seine Behauptungen zu fuhren, welchen im Reichstage zu erbringen er verabsäumt hat. Wr können uns auf die einfache Verneinung beschränken, er muß beweisen, was er behauptet; 61 Inemndlt probatio, qui dielt, non qui negat ist feststehender Grundsatz. Wenn cS nicht durchaus sicher wäre, daß dem Abgeordneten Stöcker diese Aeußerungen in der siebenundsiebzigsten Plenarsitzung des deutschen Reichstags am 30. März entstammen, so könnte man wahrlich geneigt sein, sie einem Sozialdemokraten zuznschreiben. Erblickt Stöcker in der That in dem Kapital eine Gefahr für die Gesellschaft, die Kultur und das StaatSwohl? Und wenn dem also wäre, würde er gewillt fein, zur Beseitigung dieser Gefahr die Unglückliehen Erwerber deS Kapitals, ״die Millionäre und Milliardäre" als solche zu bekämpfen und sie aus der Gesellschaft zu verdrängen? Würde er zur Befeindung und Unterdrückung der Kapitalbesitzer die Massen entflammen wollen? Würde er gesonnen sein, den Kampf gegen den Kapitalismus — und das ist ja wohl die Macht, welche der Besitz verleiht — aufzunehmen, so träte er in die Reihen der Männer, welche die Grundlage der gegenwärtigen Gesellschaft vernichten und den Staat in seiner gegenwärtigen Gestaltung vernichtcn wollen. Dann müßte auch ihm iit letzter Konsequcnz der Besitz zum Verbrechen werden und jeder Besitzer als Feind der Gesellschaft erscheinen, dann würde auch er an der'Untergrabung des sittlichen BewußtscinS im Menschen Mitwirken, dann würde auch er neidischen Auges auf Diejenigen Hinschauen, welche in dem Mitbcwerb des Verkehrs größere Erfolge aufzuweisen haben, dann würde auch er dazu beitragen, j daß Mißgunst und Feindschaft die Menschen gegen

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