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Jeschurun · 1886-04-15 · Heft 15-16 (15.4.1886) · p. 245

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 15-16 (15.4.1886)
Article
Amerika : New York [Nachricht]
Date
1886-04-15
Page
245 (sequence 2)
Language
German
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245 ächte jüdische Frömmigkeit eine Stätte findet. Und darum erträgt er willig alle Entbehrung. Der nackte Boden ist sein Lager und sein Hans, bis cs ihm möglich geworden, ein Zelt für sich und seinen kleinen Pichstand zu errichten. Nach einigen Monaten vermag er sich eine hölzerne Hütte zu bauen, und bald entsteht eine kleine Ansiedelung, wo vor Kurzem noch Alles öde mW wüst gewesen. Die Kolonisten der אגודת עובדי אדמה sind bis jetzt ausnahmslos ernst religiöse Leute, welche ohne Zweifel dem Judeuthum ihre Treue und ihren Gehorsam bewahren werden. Sie haben einen Schachet mitgenommen und sich mit einer Scfcr-Thora versehen. Ihr erstes Werk in der Kolonie ist die Herstellung einer מקות כשרה. Wenn meine Hoffnungen nicht gänzlich enttäuscht werden, so wird innerhalb eines Zeitraums von 5 bis 6 Jahren ein ansehnlicher Landstrich in Kansas mit blühenden jüdischen Kolonien besetzt sein, in welchen ein glückliches Landvolk in ernst jüdischer Gesinnung und That sich eines zufriedenen Daseins erfreut. — Herr Morris Wechsler, dem wir für diese Mittheilungen sehr dankbar sind, stellt uns einen ausführlichcn Bericht über das Kolonisationswerk in Anssicht und schließt mit der trost- und hoffnungsvollen Hindcntnng, das; in Newyork doch das gcsetzeslreuc Judeuthum täglich festeren Boden faßt. Er schreibt uns, daß die Zahl von wahrhaft frommen Inden sich mehrt, die ihre alte Heimath verlassen, um in Amerika Ruhe und Unterkunft zu finden. Sie schließen sich enger an einander an, und die Zeit dürfte uid)t mehr fern sein, daß die Newyorker יראים ושלמים einen anerkannten גדול בישראל von Europa berufen können und werden, nin ihn an die Spitze einer nach Zehntausenden -zählenden jüdischen Gemcinschaft zu stellen, auf daß jüdisches Leben und Wissenschaft in der westlichen Hemisphäre in verjüngter Kraft sich entfalte und Oft und West tnit einander wetteifern in der Bethätigung des alten Sinaischwurs: 'בל אשר דבר ד נעשה ונשמע. N. Chieago, 28. März. Unsere Pittsbnrger Ncformheldcn haben Snkknrs empfangen und zwar vom fernen Osten her. Ein gewisser Israel Sack in Petersburg koinmt ihnen zu Hülfe und übertrumpft noch ihre Plattform an — soll ich sagen Frivolität oder Wahnwitz? Der russische Reformator erklärt auch die Unsterblichkeit der Seele für Narrethei. dringt auf gänzliche Abschaffung des Jom-Kippnr, Rosch-Haschana, natürlich auch der 4 Fasttage. In der Synagoge soll nicht mehr gebetet werden, das ist Sache des Jndividnams, sondern es soll der Gottesdienst nur ans der Rezitirnng des Schema, Predigt, Gesang und Verlesung einiger der Reform genehmer Bibelstcllcn. Der Cincinnatier Reformführer, Herr Dr. Isaak Wise, an den der russische Reformator sich wendet, reibt sich vergnügt die Hand. Marschirt doch jetzt Pittsbnrg an der Spitze der Judenheit. Sack gchtihm übrigens doch etwas zu weit. Marokko. * Wie der ״Jcwish World" schreibt, erscheint jetzt in Tanger ein neues spanisches Blatt ״El Eco Mauritano", welches ebenso wie das in französischer Sprache erscheinende Blatt ״Reveil du Maroc" den kommerziellen, allgemeinen nnd jüdischen Interessen gewidmet ist. Wie jenes Blatt schreibt, ist Herr Isaak M. Nahon in Tanger mit dem Kreuz der Krone von Italien, einem der höchsten italienischen Orden, dekorirt worden, ähnlich wie sein Vater einige Jahre zuvor. — Die jüdische Gemeinde zu Tetnan hat einen großen Verlust erlitten durch den Tod eines ihrer Großrabbincr, Rabbi Semtob ben Onalid. Die Becrdigung fand unter der Bctheilignng zahlloser Juden nnd Richtjnden statt. ' ~ A u sk r allen * Sidney, Februar. Dem bisherigen Justizminister H. E. Cohen ist von der Königin der Titel ״Hononrable" ertheilt worden. — Hier fand kürzlich eine Versammlung statt., welche die kräftige Förderung der ׳Anglo-Jewish-Association zu Gunsten der Unterstütznng fremder nothlcidender Glaubensgenossen beschloß. Der Vorsitzende, Reverend A. B. Davis, wies in zündenden Worten darauf hin, daß cs heilige Pflicht der unter glücklichen Verhältnissen lebenden australischen Jndenhcit sei, sich der unglücklichen Brüder anzunehmen. ״Wir, die jeglichen Vortheil der Freiheit, einer wohlwollenden Negierung nnd einer geachteten sozialen Stellung genießen, können uns kaum eine Vorstellung bilden von der Unterdrückung und Verfolgung, unter welchen viele unfcrcr Brüder leiden. Wir müssen uns aber mit ihnen verbunden fühlen und eine Institution unterstützen, welche als Devise das Wort ״Echod" sieb erkoren. Eine wahrhafte Begeisterung rief die längere Rede des vorhin erwähnten Honourable Cohen hervor, welcher die Aufgabe der ״Association" dahin zusammenfaßte: den Fluch der politischen und religiösen Tyrannei zu lindern. — Der zu Melbourne erscheinende ״Jewish Herald" bringt einen Aussatz gegen den Gebrauch einer Orgel beim Gottesdienst, in welchem cs unter Andern heißt: ״Es ist cigenthümlich, daß man nach dein Fiasko, welches die Reform auf dem europäischen Kontinent erlitten, noch für die Einführung einer Orgel oder für Abstellung geheiligter Gebräuche eintretcn mag. ES ist doch klar, daß nichts Anderes als eine durchaus ״orthodoxe" Erziehung der Jugend und eine uncrschütterlichc Treue gegen die alten Gesetze Seitens der Erwachsenen zu frischem Leben und zu heiliger Begeisterung für unsere religiösen Institutionen führen können."

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