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Jeschurun · 1886-04-15 · Heft 15-16 (15.4.1886) · p. 243

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 15-16 (15.4.1886)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1886-04-15
Page
243 (sequence 2)
Language
German
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243 weder aus Anlaß dcö Prozesses noch früher oder später, weder direkt noch, wie ich hiemit ausdrücklich und mit aller Bestimmtheit erkläre, indirekt in irgend welche Berührung gekommen. Niemand hat mir für mein Buch auch nur einen Pfennig versprochen oder gegeben — mit Ausnahme meines Verlegers, dem ich bei der Ucbergabe des Manuskriptes sagte, er möge mein schriftstellerischcS Honorar selbst bestimmen, da eS mir viel weniger auf dieses als auf die möglichste Verbreitung des Buches ankomme. Ich stellte daher keine andere Bedingung als eine anständige Ausstattung und einen billigen Verkaufspreis. Dieser, wie ich hoffe, deutlichen und unzweideutigen Erklärung habe ich nichts beiznfügcn, als daß jeder aufmerksame Leser meines Buches ohnedies erkennen wird, daß ich eine streng objektive und unparteiische historisch kritische Studie, aber durchaus keine Apologie geschrieben habe. Ich stelle zum Schlüsse an die Ncdaklioncn aller achtbaren Blätter die Bitte, in! Interesse der Wahrheit diese Erklärung zu vcrösfentlichen. Wien, 5. April l886. Di׳. Josef 5k o p p. f. Wien, 9. April. Das ist unsere Zierde, die Blüthc unserer Jugend, das unsere Zukunst! Schrncrzlich empfinden wir die Thatsachc, daß gerade die gebildete Jugend dem rohen Treiben des Antisemitismus huldigt. Dem antisemitischen Abgeordneten Türk wurde von Seiten der Wiener Studentenschaft eine Deputation gesandt, um ihn wegen seiner Ausfälle im Reichstage gegen die jüdischen Professoren zu beglückwünschen. — Hier wäre cs wirtlich am Platze, wenn die übrige andersdenkende Studentenschaft gegen solche Herab- Würdigung der Vnrschenchre-energisch Front mndjtc. :i: Marmarckö-SzigeL, April. Der ״N.j.P. Z." wird geschrieben: In dem benachbarten Orte Nagy- Vaezkoy wurde gegen die jüdischen Einwohner, Bernhard Daub und Salamon Lob Daub, ein Dynamitattentat verübt. Das Haus des ersteren ist fast gänzlich zertrümmert, das des letzteren wurde nur wenig beschädigt. Die Thäter sind 11: bekannt. *;.* Pest, 11. April. Bekanntlich hat der durch seine exlremreformistischen Ideen in Ruf gekommene Stereny, den man hier gemeiniglich den ״verrückten Stercny" nennt, die Absicht, als Nesormator des nngarischen Jndenthums ein neues Neformjudenthum zu gründen, und ist diescrhalb beim Kultusminister Herrn von Trüfort um die Genehmigung einer Gemeinde eingekommen. Nun hat das ungarische Kultusministerium über dieses Treiben zwei Gutachten cingcholt, das eine von der Pester Netigionsgcmciudc, welche bekanntlich unter Leitung ihrer beiden Rabbiner Di׳. Samuel Kohn und Dr. Meier Kays erling auf dem Boden der Reform steht, das andere von dem Pester Nabbinerscminar, welches noch mehr der Reform sich znwcnoct, als das bei Ihnen in Deutschland bekanntere Breslauer Seminar. — Dabei haben sich nun die Religionsgemcinde und das! t Nabbincrseminar in der schlimmsten Weise gegenseitig j■ blamirt. Das Gutachten der Neligionsgcineinde nun lautete dahin, daß eine neue Ncformgcmeinde dcS Stereny deshalb übcrslüjsig wäre, weil ja sie selbst (die Religionsgemcinde) ans dem Boden der Reform bereits stünde, und die projcktirte Gemeinde Stereny'S sich von der Religionsgemcinde nur durch unwesentliche, unbedeutende ״Formsachen" unterscheide, in Wirklichkcit (lifo ganz dasselbe sei wie diese. Damit hatte also die Pester Ncligionsgcmeinde die Gemeinde Stereny'S i sich selbst prinzipiell gleichgestellt, und sic als überflüssig bezeichnet, da die gleiche Gemeinde als Ncligionsgeincindc bereits bestünde. — Nun kommt dazu das Gutachten des Nabbiner-ScminarS, welches sich dahin ansspricht, daß die Stcreny'schcReform den Boden des Indenthnms gänzlich verlassen hätte, — wer also zu dieser Reform sich bekenne, gehöre nicht mehr zur Gemeinschaft des Jndenthums; deshalb möge der Knllnsminister die Genehmigung zur Gründung dieser Reform versagen. Also hat das reformistische Rabbinerscminar zu Pest damit selbst die roformistische Pester Religionsgemcinde verdammt — wenn auch nicht beabsichtigt — da ja die Ncligionsgemcinde die Stcreny'schc Reform fast gänzlich ״bis ans einige unbedeutende ׳Formsachen" mit sich selbst idcntisizirt hat. Das hat auch ״der verrückte" Stercuy, wie er hier genannt wird, dem Kultusminister gegenüber geäußert, indem er sagte, daß seine Reform nur dann unterdrückt werde könne, wenn auch die Religionsgemeinde zu Pest aufgehoben würde. Und darin hat Stereny, der übrigens durchaus nicht ״verrückt" zu sein scheint, sondern im.Ganzen vernünftiger als die Ansstellcr der beiden Gutachten, ganz Recht. Und daher gab auch Herr von Tröfort einem Vorstandsmitgliede der Religionsgemcinde, der sich nach dem Stande der Dinge in einer Audienz erkundigen wollte, den wohlgemeinten Rath, schleunigst nach Hanse zu gehen und den Widersprich zwischen dem Gutachten des Rabbinerscnunars und der Religionsgemcinde verschwinden zu lassen, da sonst die Geschichte gegen die NekigionSgemeinde eine gefährliche Spitze habe. Natürlich ist das Verhältnis; zwischen der Gemeinde und dem Seminar ein sehr gespanntes, und in orthodoxen Kreisen wird viel über die amüsante Geschichte gelacht, wie cm Reform- Institut das andere so sehr ״hineingerannt״ hat. A. Prcstbnrg, N. April. Nachdem die hiesige orthodoxe Gemeinde gegen die Entscheidung der hiesigen Stadtbchörde, daß die hiesige jüdische Matrikcnsührung!׳ allein der kleinen Kongreßgcmcindc zngewiesen werden j sollte, Protest eingelegt hatte, gelangte an die hiesige j Stadlgcmeinde ein Erlaß dcö Kultusministers, wonach! beiden hiesigen jüdischen Gemeinden das Recht zur > Führung selbständiger Matriken zugesprochen wird.

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