Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 15-16 (15.4.1886)
- Article
- Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
- Date
- 1886-04-15
- Page
- 242 (sequence 2)
- Language
- German
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242 Zuwendungen für dieselbe. Es wurden nicht weniger als 7 Freiplätze durch Ueberwcisnng von je 2600 gestiftet, wodurch eine Vermehrung des Kapitalfonds um 18 200-/5. stattfand. Die Wittwen- und Waisenlasse empfing an Geschenken 2378 0/6; die Schreibmatcrialienkosje solche von zusammen 465 J6; die Preisver 1 hcilungskasse empfing eine Zuwendung von 10A.; der Pcnsionssonds solche von 1508 J6; die Zuschußkasse erhielt Schenlungcn im Betrage von 310 0/6, die Schulgeldkasse solche mit 548 u.‘ der Reservefonds desgleichen von 60 J&; die Talmud- Thora-Kasse wurde mit Spenden von zusammen 803 <,/6 bedacht und die lausende Schulkassc empfing Zuwcndüngen im Betrage von 13 075 JL Im Ganzen wurden demzufolge der Schule Geschenke von zusamiucn 38057 M. gemacht. Welcher vcrhültuißmäßig kleine Kreis leistet Achnliches in hochherzigster Weise für seine Schule? ES. Frankfurt a. M 15. April. Es dürste auffallend erscheinen, daß die Konstituirung der ״Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" noch nicht erfolgt ist, obgleich diese Bereinigung zahlreiche Beitrittserklärungen ans allen Theilen Deutschlands und selbst aus dem Auslände zu verzeichnen hat. Die Ursache lag darin, daß der erste Anreger zur Gründung derselben, Herr Rabbiner Hirsch unwohl war, und das provisorische Komitee wohl nicht niit Unrecht glaubte, nicht ohne denselben weiter Vorgehen zu sollen. Dieses Unwohlsein ist jetzt G. s. D. gehoben und hat Herr Rabbiner Hirsch einen Statutenentwarf ausgearbeitct, der nunmehr dem provisorischen Komitee zur Berathung vorliegt. Dieser Entwurf zeigt, daß die Bedenken, die von mancher Seite an den allerdingS etwas allgemein gehaltenen Ausruf geknüpft wurden, unbegründet sind, daß die Vereinigung weit entfernt, Zwietracht und Kampf in die Gcmeiridcn bringen zu wollen, solche Bestrebungen ausdrücklich auSschließt, daß dieselbe nur das unterstützen und fördern will, wo das Bcdürsniß erkannt ist und nur die Mittel zur Ausführung schien. Der Slatutcncntwnrf wird, nachdem er vom provisorischen Komitee unter Hinzuziehung befreundeter Nabbiucn eingehend berathcn worden, einer zu berufenden atlgcmeincn Vcreinsversammlcmg vorgclegt werden. Diese Versammlung wird das Statut vesiuitw scststellen, und dann soll in derselben die Kon stiinirung deS Vereins und die Wahl der Verwaltung stattsindcu. Voraussichtlich wird diese Versammlung kurz nach N22 berufen werden. Oesterreich-Ungarn. G. Wien, '7. April. Bon dem Abgeordneten Di׳. Joses Kopp wird die folgende EELrung vccösscntlicht. Von versönlichcn Freunden und wohlwollenden Parteigenossen wurde ich wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß verschiedene Blätter, die ich nicht lese oder auch nicht kenne, aus Anlaß meines Buches ״Zur Judenfragc" eine abenteuerliche Geschichte erzählen, die, von kleinen Varianten abgesehen, darauf hinanslänft, ich Hütte dieses Buch im Aufträge der Alliance Israölite geschrieben und sei von ihr mit einer ganz exorbitanten Summe entlohnt worden. In! politischen stampfe alt geworden, bin ich gegen Angriffe aller Art ziemlich abgestumpft und huldige mit Vorliebe dem guten dentschen Sprichwort: ״Wer sein Haus baut an der Straße, muß die Leute reden lassen." Ich verhielt mich daher ablehnend gegen freundliche Aufforderungen, die erwähnte Fabel zu berichtigen, umsomehr, als ich cö für eine Au-!uaßlichkeit und moderne Unart halte, eine persönliche Angelegenheit vor dem großen Publikum zu erörtern. Wenn ich diesen! Grundsätze endlich doch untren werde, so bewegt mich hierzu ein besonderer Grund. Es ist ganz in der Ordnung, daß der Advokat für seine rcchtöfrenndliche Vertretung bezahlt wird, so wie jeder Andere, der in seinem Berufe arbeitet. Die Höhe der Entlohnung wird durch Ilebereinkommen oder Nichtcrsprnch bestimmt, und selbst eine glänzende Honorirnng könnte nur geineiner Neid bemängeln. Anders ist es, wenn der Advokat als Schriftsteller anftritt und, wie ich es in dem Vorworte gelhan habe, den! Publikum erklärt, er habe niit aller ihm zu Gebote stehenden Kraft, mit redlichem Eifer nach Wahrheit gesucht und lege nun dem Publikum das Resultat dieser Mühen vor. Wer öffentlich so spricht und insgehcim doch nur der bestellte und bezahlte Schriftcnverfasser einer Partei ist, der belügt und betrügt das Publikum, der entweiht seine Feder in schmachvoller Weise und verdient weder Achtung noch Glauben. In dieser Erwägung also, um Zeugniß abznlcgcn für die Glaubwürdigkeit meines Buches, welches keine Zeile enthält, von deren Wahrheit ich nicht durchdrungen wäre, trete ich jener albernen Fabel entgegen. Schon im Verlaufe des Prozesses sprachen allerlei Anzeichen dafür, daß Rohling es auf die gerichtliche Entscheidung nicht werde ankommen lassen, um nicht in ösfentlichcr Verhandlung entlarvt zu werden. Ich trug mich daher schon im Laufe des Prozesses mit dem Gedanken, im Falle der Einstellung des VersahreuS die Ergebnisse der Untersuchung zu pnblizircn. Kurz vor der mündlichen Schlußverhandlnng, also zu einer Zeit, da ich schon das ganze Material gesichtet und studirt hatte, erhielt ich die gerichtliche Verständigung von der Klagsabstchung, und am selben Tage begann ich mein Buch zu schreiben. Ich faßte also diesen Plan ohne jedwede fremde Anregung und habe bei der ganzen Arbeit Rath, Mithilfe und Unterstützung materieller ober anderer Art von Riemandem begehrt oder erhalten. Mit der Alliance Jsra6lite bin ich