Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 15-16 (15.4.1886)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1886-04-15
- Page
- 241 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2932754-2933154-2933170--21689-2965282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mohel 1× ep/1006163
OCR text
JUS IS u. LS 241 Jeschuruu. Deutschland. •& Hannover, 9. April. Der StiftSgelehrte Dr. M. Olitzki Hierselbst ist zum Rabbiner in Köthen gewählt worden. Wir sind überzeugt, daß derselbe, ein Schüler des Herrn Rabbiner I)r. Hildesheimer, in die Fußstapfcn seines würdigen Vorgängers, des Herrn Rabbiner Rosenthal, treten und es sich angelegen sein lassen wird, den Geist achter, aufrichtiger Frömmigkeit in seiner Gemeinde zu pflegen und zu fordern, und. wir hegen den innigen Wunsch, daß es ihm gelingen möge. 0. Berlin, 8. April. Die jüngste Mittheilung in Ihrer Zeitung ״aus Petersburg", in welcher die Meldung des ״Journal de St. PeterSbourg", daß die Erschwerungen für den Reiseverkehr der Juden in Rußland lediglich den Zweck haben, den Uebertritt der vermögenslosen Juden über die russische Grenze zu verhindern, angezweifelt wird, wird durch eine dem ״B. B.-C." von kompetenter Seite zugehcnde Nachricht bestätigt. Es heißt darin, daß das hiesige Generalkonsnlat bei der Visirung von Pässen angewiesen sei, die Ermittelung der Religion vorzunchmcn und für den Fall, daß sein Visum für den Paß eines Juden in Anspruch genommen wird, dieses Visum in jedem Falle zu verweigern, wenn nicht der Betreffende im Besitz einer direkten Ertaubniß von Seiten der russischen Zentralbehörde in Petersburg für die Reise nach Nußland sich befindet. A. M. Wttttstorf, 10. April. Eine Feier, wie sie wohl selten begangen wird, vereinigte am letzten Sonnabend unsere Gemeinde. Herr Michael Goldschmidt, einer unserer achtbarsten und ältesten Gemeinde- Mitglieder, hatte mit dem heutigen Tage fünfzig Jahre lang das heilige Amt eines Mohel versehen. Die Gemc'mde hatte große Vorbereitungen getroffen, um dein 77 Jahre alten, alleinstehenden Manne, der sich besondercr Erdengüter nicht zu erfreuen Hut, durch reiche Geschenke und Festlichkeiten diesen Tag zu einem recht freudigen zu gestalten. Am Freitag Nachmittag wurden ihm die Geschenke der Gemeinde, dcö FrauenvcrcinS und der einzelnen Mitglieder vom Komitee überreicht. Die Freude über diese Alifmcrksamkeit und Thcilnahmc benahmen dem Greise die Fähigkeit zum Sprechen. Am Sonnabendmorgcn brachte ihm ein vom Lehrer Schocps geleitetes Doppelquartctt ein Ständchen. Durch einen für diesen Tag eingerichteten Chorgesang gewann auch der Gottesdienst an Feierlichkeit. Nach demselben fand in der Wohnung des Herrn Lcvy ein Festessen statt, zu welchem die ganze Gemeinde, Männer, Frauen und Kinder, erschienen waren. Nachdem Herr Borsicher Löwensteiu dem Jubilar die freudige Mittheilung über Verleihung des N2N-Titelö Seitens des Landrabbiner Herrn Dr. Gronemann gemacht hatte, hielt Herr Lehrer SchoepS eine. längere Ansprache an den Jubilar, in der er ihm den Dank für seine Verdienste um das Judenthum in herzlichen Worten ausdrückte. Herr Lehrer Spanier aus Neustadt, der zur Feier hierher gekommen war, ließ den Jubilar in geistreicher Rede hochlebcn. Weitere Toaste folgten auf Herrn Landrabbiner Dr. Gronemann von Herrn SchoepS, aus die Damen, auf die vielen Gratulanten, die in Depeschen und Briefen ihre Glückivünsche mitgctheilt hatten. Besondere Freude machten dem Jubilar zwei Bilder, die Herr Photograph Ahron augefertigt und die ihn im Walten seines Amtes darstellen. Möge der wackere Herr noch lange in rüstiger Kraft unter uns walten! p. Ans Schaumbrirg-Lippe," 11. April. Gestatten Sie mir, geehrter Herr Redakteur, einige Bemerkungen zu dem in der vorigen Nummer des ״Jeschuruu" mitgetheilten Leuß'schen Prozesse. Die alte Klage über die ״Vcrheercr und Zerstörer", welche aus unserer eigenen Mitte gegen das Judcnthum aufstehen, findet leider auch in diesem Falle ihre uns beschämende Bestätigung. Leuß konnte sich auf einen Artikel der ״Philippsohu'schen Zeitung des Judcnthumö" berufen, in welchem das ״Kol-Nidre" herabgewürdigt worden ist. Wie lange wird für diese Klage immer neuer Anlaß gegeben werden?? Sehr schmerzlich muß uns auch die Begründung des Urtheils treffen, daß nämlich die öffentliche Aeußcrung des Verdachtes, daß die Juden für salschc Eide sich Dispens zu erholen zu können vermeinen, nicht als eine Beschimpfung anzusehen ist, gegen welche der Arm des Gesetzes Schutz zu bieten vermag. Wir fühlen uns durch eine solche allgemeine Verdächtigung allerdings beschimpft und in unserer Ehre gekränkt, und wir sind dem Herrn Staatsauwalt Deppe sehr dankbar, daß er an öffentlicher Gerichtsstättc wenigstens für die hicrlandischen Juden das Zeugniß abgelegt hat, daß eS in nnserm Fürstenthumc keine Juden gebe, die es mit dem Eide leichter nemhen als die Christen. > X Frankfurt a. M., 9. April. Das soeben ausgcgebcne Programm der Schulanstalten der Israelitischen Neligionsgcscllschast enthält folgende bemerkenSwcrthe Daten. Es srequcntirten am l. Februar d. I. die Anstalten: 203 Knaben in der Realschule; 84 Knaben in der Vorschule; 200 Mädchen in der höheren Töchterschule. Unter den Schülern befindet sich auch ein Evangelischer. Das Lehrerkollegium zählt 23 Lehrer und 7 Lehrerinnen. Das Zeugniß für die Berechtigung zur Ableistung des einjährigen Militärdienstes erlangten im Jahre 1885 11 Schüler. Das lebhafte Interesse, welches die Gemeinde an der Schule nimmt, bethätigte sich auch im vergangenen Jahre wiederum durch reiche