Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 15-16 (15.4.1886)
- Article
- Peßach
- Date
- 1886-04-15
- Page
- 233 (sequence 1)
- Language
- German
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M15 u.I«. Jeschnrnn. 233 M e ß a ch. ' '׳ (Nachdruck verdaten.) Du liebliche Fee mit dem goldenen Haar, Dem Aug׳, dem milden blauen. Ich bring' meinen Minnesang dir dar, Du schönste aller Frauen! Wie bcbl mein Herz — wie schwellt mir die Brust Ein schauernd süßeö Sehnen, O, welche Wonne, o, welche Lust! — Ich weine Frendenthränen. So nahest du wieder, Geliebte mein! Ich merk'S all den Veilchendüften, Ich merk's am güldenen Sonnenschein, Der blinkt in blauen Lüsten, Und Morgens auf den Zinnen des Osts An! Banner, dem purpnrstolzen; Am Schützen, der die Schatten des Frost'S Verscheucht mit goldenen Bolzen, Wohl am Zephire, jo mild, so rein, An wieder ergrünten Getänden, Mir mcldtn's die Naben, die bange schrcin. Und nordwärts die Fittige wenden. Du konunst ans einem Wunderland Auf grün bekränztem Throne, Ein Oelzwcig weht in deiner Hand, Dein Haupt schmückt eine Krone. So steigst in sanfter MondeSnacht Du leis' in uns're Mitten, Erhellst mit deiner Schönheit Pracht Israels trübe Hütten. Manu, Weib imb Kind, mit heiligen! Geniüth Dir lauschend im Kreise sitzen. Bei deinen Wundersagen erglüht Die Wange, die Augen blitzen. Es rauscht von Palmen, eS rauscht vom Meer — Es jubelt und seufzt und wimmert — — Es dröhnt und klirrt von Schwert und Speer, Bon Kellen, mit Macht zertrümmert. — — Es quellen Rubinen im Purpurwein, Stil! tönt eine heimliche Leier — — — Es hüllen die trunkenen Sinne ein In rosig wallende Schleier.... Es rauschen die Palmen, es rauscht das Meer Dnttlpf brandend wider die Küste, — Es zieht ein zahllos Äuomcnheer Mit Sang durch die gelbe Wüste. Und über den Wüstcnpilgern schwingt Ein Adler sich im Kreise — Und durch die rosigen Schleier klingt Verschollene Hymnenweise!.... Stettin, 28. März. S. B. Rosen Hain. Die nuuflntfdjeu Men lind die Missemllts. Bukarest, April. Wer den Schaden hat braucht um Spott nicht verlegen zu sein, das allein erfüllt sich nicht nur an den unglücklichen Inden des halb oder roobius ganz barbarischen rumänischen Staats, sondern auch 'um Verleumdung, boshafte Anschuldigung und Entstellungen brauchen'sie hier nicht verlegen zu sein; — ihre freundlichcn, brüderlich gesinnten Mitbürger, eine väterlich fürsorgende Negierung und eine hochrespektable Presse übernehmen hierfür gerne die Sorge. Unser ganzes öffentliches Leben ist eine Farce der europäischen Zivilisation. Wie den Assen der bunte Flitter, so kleidet Barbaren der Apparat abendländischer Kultur. Da hat man auf der nnabweislich nothwendigen Tour durch die gelobten Lande der Bildung Dieses und Jenes wahrgenonnnen, flnggs wird cs bei der Heimkehr nachgeahmt. Aber fragt nur nicht: wie'? Es gehört ja zum guten Ton der Aristokratie Nmnäuiens, die zukünftigen Staatsmänner und höhere Beamte ans ein paar Jahre nach Wien und Paris zu entsenden. Die Alten haben ja auch von dort ihre Weisheit und Bitdnng bezogen, und die Jungen machen es gerade so wie die Alten. Da rasen sic von einer Orgie z!lr anderen, und die Schandstüttcn Europas halten sie für die Hallen einer wahrhaft verfeinteu Sitte. Nebenbei sitzen sie auch in Kaffeehäusern, langweilen sich auch einmal in den Parlamenten und bei Gcrichtsverhandlnngcn, hin und wieder besucht auch Einer oder der Andere die Vorlesung einer Hochschule, und dann, wenn der väterliche Geldsack oder besser der väterliche Kredit erschöpft ist, kehrt inan heim und ist reif für die Negierung; man wird dann sofort gewaltiger Politiker, Beamter und Minister, nur den reichen Schatz seiner rhcuer und mühsam erworbenen Weisheit den! geliebten Batcrlande zu widmen, d. h., gegen das billige Entgelt der bestdotirtestcu Stellen und was damit zusammenhangt. So hat denn Rumänien Alles, was zu den Requisiten des modernen Staats gehört: eine Konstitution, ein Parlament, Tribunale, Gesetze, Ordnungen, Reglements n. s. w., 1t. s. w. — aber Alles acht rumänisch. Nun, diese Verquickung von Zivilisation und Barbarei