Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1886)
- Article
- Rußland : Petersburg [Nachricht]
- Date
- 1886-04-08
- Page
- 222 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2933154-2933169--21639-2965173- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Minsk 1× ep/1000754
OCR text
222 denen Braun twcinbedürfn iß auf anderen Wegen als durch da§ öffentliche AuSschenkcn von konzessionirtcii 5r rügen! Befriedigung verschafft wird, und zwar derartig, daß der Staatskasse die Gefälle entzogen werden. Es würde ja recht erfreulich sein, wenn der Branntweingenuß mit der Abnahme der Schenken ebenfalls adnehmen würde. Wer glaubt aber solches? Meint Jemand im Ernst, daß z. B. in Volhynicn weniger Branntwein getrunken wird, seitdem die Zahl der Schenken von 3068 dcS JahrcS 1882 auf 2362 des Jahrcö 1885 hernntergegangcn ist? Daher stammt auch die ungeheure Steigerung der Bestrafungen wegen unerlaubten Verkaufs von geistigen Getränken. Man sicht also, daß die Juden schädigen das StaatSintcressc schädigen heißt. ..v. Petersburg, 2. April. Gegenüber den beunruhigenden Gerüchten der letzten Tage in Betreff dcS Eintrittes von Israeliten in das russische Gebiet, berichtet daS ״Journal de St. Petersburg", daß diese Gerüchte, wonach jüdischen und sonstigen Ausländern der Uebertritt nach Rußland verweigert worden, über׳ trieben seien. Es habe sich wahrscheinlich um Personen gehandelt, welche von Existcnzmitteln entblößt waren. Ob dem in der That so ist, vermag ich nicht zu entscheidet!. Wie stimtnt diese Miltheilung des ״Journal de St. Petersburg" mit der Thatsache, daß der russische Konsul in Danzig bekannt gegeben hat, daß jeder deutsche Jude, welcher nach Rußland reisen will, zuvor die Erlaubuiß des russischen Ministeriums nachzusnchcn hat? Minsk. Ein jüdischer Gymnasiast wurde von einem Mitschüler ״Jude" geschimpft. Sehr verständig erwiderte er darauf: Du meinst tuich zu schimpfen? Da irrst du dich. Im Munde eines Christen kann ״Jude" kein Schimpfwort sein, denn der Stifter dcS EhristcuthumS war doch auch ein Jude. Diese wichtige Sache kaut vor die Lehrcrkonfercnz. Nun, welche Strafe empfing der christliche Schüler, welcher jedenfalls die Absicht gehabt, einem Mitschüler eine Kränkung zuzufügcu? Gar keine. Aber der jüdische Jüngling wurde hart und zwar mit' totaler Nelegirung bestraft, so daß er an keinem Gymnasium Aufnahme findet. Warum? — Ja, warum??! N u tu a u t c 1t. ...z. Bukarest, 20. März ES fehlt uns hier im gelobten Nuntänicn weiter nichts, als daß cm Gesetz erlassen wird etwa folgenden Wortlautes: Wer einen Juden iTinovuci, erhält eine Belohnung. Dieser Tage ist ein jüdischer Sensal Namens Eiscnberg von einem im schlimutsten Leumunde stehenden Individuum ermordet. Beide fuhren von dein Orte Tergariste nach einem benachbarten Dorfe, wo sic im Hause des Ortsrichters abstiegcn. Dort wurde Eisenberg von dem Nuntänen erschossen. --- Da Eiscnberg ja nur ein Jude war, jo wurde natürlich der Mörder sogleich aus der Haft entlassen, und zwar auf seine sehr merkwürdige Verthcidignng hin. Er sagte nämlich: ״Eiscnberg hat mich gebeten, das Gewehr zn Prokuren; er sagte mir, ich möge nur, da das Gewehr nicht geladen sei, gegen sein Herz zielen! Ich habe also blos seinen Wunsch erfüllt!" — ES geht doch nichts über Gerechtigkeit. * Jassy, im März. Dem ״Hamagid" wird Folgendes berichtet: Am!6. März begegneten einige Studenten einem Juden, Herrn Salomon Biber, ans der Straße-. Kaum wurden sie seiner ansichtig, als ein Ucbermüthiger unter ihnen ausricf: ״Seht, wie ich diesen Juden treffe!" Dabei hatte er einen Revolver hcrvorgczogcn und schoß zwei Mal ans den arglos seines Weges Gehende!!. Zuin Glück traf er nur dessen Kleider ohne ihn z!l verwunden. Eine Menschenmenge hatte sich rasch versammelt und hinderte den Studenten am ferneren Schießen. Er wurde vor den Komissar gebracht und erwiderte auf Befragen: er habe nur nach einem Vogel zielen!vollen' Darauf wurde er freigelassen! Amerika. * Newyork, März. Die ״Ncwyorker Handelszettung" vom 20. März schreibt: Die ״Israelitische Einig! antcn-Schutzgesellschaft" hat am letzten Montag ihre Thätigkeit in 21V. 10 Battery Place begonnen. Der Sekretär der Gesellschaft ist von 0 Uhr Vormittags bis 3 Uhr Nachmittags täglich, mit Ausnahme von Sonnabend und Sonntag, im Bureau anwesend, während ein Agent derselben in Castle Garden stationirt ist, um als Dolmetscher zu fuugircn und den jüdischen Einwanderern mit Rath und That an die Hand zu gehen. Da cS der Gesellschaft an Geldmitteln, gebricht, wird sie Einwanderern keine pekuniäre Unterstützung gewähren, sondern dies anch fernerhin den jüdischen HülsSgescllschäften überlassen. Erltannte |t׳n!np. Aon 0amuct Ber 1 hold 310)11 er. (:’Ule :>iechle 1u>rbeimIten.( (Fortsetzung.) ״Und wenn er dann, fuhr Rafael fort, endlich für kurze Zeit seine unheimliche Werkstatt verläßt, und mit den leuchtenden Körnern, die er der partifchcn Nacht entrissen, unter die anderen Menschen tritt, dann schaudern Alle zurück von der bleichen,' verkrüppelten Lottergestalt, und nianchc Miene kann wohl gar nicht widerstehen, sich zu einem satirischen Lächeln zu ver-