Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1886)
- Article
- Frankreich : Paris [Nachricht]
- Date
- 1886-04-08
- Page
- 221 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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221 Stadlgegend ohne Unterschied der Konfession, als ein ״Etablissement öffentlichen Nutzens״ anerkannt., Man unterschätzt hier zu Laude übrigens die Wirksamkeit der Juden für daS Gemeinwohl nicht, und wir wollen nur wünschen, daß in allen Ländern, auch in den Gegenden dcS Antisemitismus, daS Judenthum bald überall als ein <-tabIi88em6nt, d’utilit6!)iiblique anerkannt werde. England. §§§ London, April. Die ״Jcws' Emigration Soeiety" theilt in ihren! jüngsten Berichte mit, daß im Jahre 1885 250 Personen befördert seien und zwar: 45 nach Australien und Neu- Seeland, 3 nach dem Kap, 202 nach den Vereinigten Staaten und Kanada. Durchschnittlich betrügt der Fahrpreis für diese AuS- Wanderer 2 Pfd. itnb 10 Schill. Seit dem Bestehen der Gesellschaft sind im ganzen 6327 Personen befördert worden. Die VereinSlcitung freut sich mittheilcn zu können, daß nach dem eingelaufeneu Berichte jene 250 Personen wohlbehalten in ihrer neuen Hcimath angelaugt sind und daselbst Arbeit gefunden haben. In Folge der Zustände auf dem Kontinente nimmt aber die Zahl der nach London konuneuden Bedürftigen zu, so daß die bisherigen Mittel der Gesellschaft zu deren Beförderung nicht auSreicheu. Man bittet also um reichliche Zuwendungen. Die Einrichtung eines Asyls zuut vorläufigen Aufenthalt der frempen Emigranten erweist sich als segensreich, nur leider fehlen auch hier die erforderlichen Mittel, um dieses wohlthätigc Werk dem Bedürfnisse entsprechend auSzuübcn. ES ist deshalb unabweislich die Pflicht der Gcsammthcit, dein täglich sich mehrenden Nothstand eifriger als bisher entgegenzutreten. Nußland. Nuniäuicn und Deutschland verinehrcu das Kontingent der hier anlangenden Armen in erschreckendem Maße, und wie nun einmal die kontinentalen Verhältnisse liegen, ist leider kaum die Hoffnung vorhanden, daß die Ursachen dieser Ein- Wanderung in Bälde durch eine wahrhaft weise und wahrhaft humane und gerechte Behandlung unserer Glaubensbrüder in jenen Staaten beseitigt werden. Im Gegentheil; der Einlvanderzug dürfte sich leider nur allzu sehr vergrößern. WaS thun? Großbrittanuien weift keinem Menfcheukinde, welches zu ihm sich vor Verfolgung und Bedrückung fliehet, die Thür. Aber der englische Jude hat die allernächste heilige Bruder- Pflicht, sich der armen flüchtigen GlaubeuSbrüdcr anzunehmen, und er widmet auch gern ihnen nicht nur ein billiges Interesse, sondern auch eine opferwillige Haitd. אשדי משביל אל דל■ wie aber weise helfen? Das Land bietet nicht genug ErwcbSgucllen für die Armen alle. Auswanderung, Befördern der aus dem Öfter. Flüchtenden nach dem fernen Westen?'? Aber es drängt von Anierika fortwährend die Kunde, daß auch 'dort nur einem geringen Thcile der jüdischen Emigration eS gelungen ist, sich eine wirkliche Heimstätte zu begründen, daß aber viele elendiglich zu Grunde gehen und viele nach Europa zurückkehrcn, eutblöst von Allem, die Verzweiflung im Herzen, den TodeSkeim in der Brust. Was aber dann? הבר לבם דבר ועצה הלם, nicht allein an die Londoner und englischen Juden ergeht der Ruf הנה בלבם פגי ישראל• sondern an alle, alle Israeliten. Nathet und thatet! Berathet gc!neinsam und schaffet gemeinsam, es ist eine allgemeine Angelegenheit deS gesammteu HauscS Israel. Ihr deutschen, französischen, dänischen, österreichischen, italienischen Juden, Ihr englischen, amerikanischen, holländischen, türkischen, austratischen Juden, — Euch allen liegt die gleiche Pflicht ob. Nathet als Brüder, thatet als Brüder. Verfallet aber nicht wiederum in den verhängnißoollcn Fehler, Eure Weisheit und Bruderliebe darin zu erschöpfen, die armen Flüchtlinge immer nur weiter zu senden, daß sie buchstäblich zu ״irrenden Juden" werden, die nirgend ein Heim auf Erden finden. Man sollte überall wo seitens der Negierung einer Niederlassung Fremder kein unüberwindliches Hinderniß bereitet wird, die Flüchtigen in nicht zu großen Parzellen vcrtheilen, so daß sie sich vcrtheilen und die einzelnen Oerter, Provinzen und Länder ihnen hülfrciche Hand leisten uitu die ,מצוד erfüllen können והי עמך. Diejenigen Orte, Provinzen und Länder aber, wo keine Niederlassuug stattfindet, sollten reichlich spenden und zwar regelmäßig und andauernd, sollten nicht glauben, ihrer Bruderpflicht ledig zu sein, da sic doch den armen Brüdern eine Fahrkarte und einen Zehrpfennig einmal gereicht haben. DaS ist meine Meinung vou der Sache. Aber eS ist ein schweres Werk, daß nur vom בל ביה ישראל vollführt werden kann, und darum nochtnalö die Mahnung au alle Juden הגה בלבם בני ישראל ״ .הבו לבם דבר ועצה הלםIhr seid doch alle Juden, wohlan, so schaffet.und rathet in dieser die Gcsammtheit betreffenden Sache!" Rußland. .. g. Petersburg, 3. April. Die Beschrünknugcn. welche den ErwerbSziveigcn der Inden anferlegt inerben, schädigen in empfindlicher Weise das Land selbst und schmälern die Einnahmen deS Staats. Diejcnigen, welche mit diesen drakonischen Maßregeln die Inden allein zu treffen vermeinen, wüthen demgemäß gegen ihr eigenes Interesse. Greifen wir beispielsweise die Beschränkung deS Ausschanks auS der slattlichen Reihe der AnSnah,nSgcsetze, unter ivclchen die Juden leiden, heraus. Wird weniger Branntwein getrunken? Keineswegs. Wohl aber hat die Lizenzeinnahme erhcblich abgenommen, weil dem nun -einmal vorhan-