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Jeschurun · 1886-04-08 · Heft 14 (8.4.1886) · p. 220

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 14 (8.4.1886)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1886-04-08
Page
220 (sequence 2)
Language
German
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220 daraus nicht umhin, sich nach allen Seiten mnzuschauen, ob man cS auch gesehen, daß ihm Jemand — die Hand gedrückt ha!." Uebrigens haben die Antisemiten überhaupt nur einen einzigen Kandidaten durchgebracht, und zwar im Bezirke Mariahilf, welcher auch den ersten antisemitischen.Abgeordneten Wiens, den Di׳. Pattai, in den Reichstag entsendet hat. h. Wien, 0. April. Mit welchen Mitteln das autiscnlitische Hctzgewerbc betrieben wird, davon zeugt das Folgende. Der Abgeordnete Türk hatte cs im Reichstage beklagt, daß durch die große Anzahl jüdischer Professoren die Wiener Universität in ihrem Ansehen benachtheiligi werde. So habe beispielsweise der Professor Spitzer ein ungeeignetes Attest einem gewissen Orliee ansgestellt. Obgleich in der nächsten Sitzung bemerkt, gar merkwürdige Leute. Da sitzen sie und grübeln und grübeln, wie sic den bösen Juden eins versetzen können. Aber, o heiliger Spiritus, vergeblich. Ihr Geist kann sich nicht aufschwingen zu einem erhabenen Gedanken, und jammervoll würden unsere wackeren ungarischen Antisemiten ihr Leben verbringen, ohne ein einziges antisemitisches Stückchen zum Besten gegeben zu 'haben, wenn nicht — und das ist der Lichtstrahl in dem bodenlosen, finstern, leeren Abgründe ihres schwachen Gehirns — von anderer Seite, von auswärts ihnen Gelegenheit geboten wäre, sich hier und da ein bischen ״Antisemitisches" zu borgen. Da ist jetzt Jstoczi in Pest auf einen brillanten Gedanken des Di׳. Pattai in Wien gekommen. Letzterer hat nämlich, wie bekannt, in Wien einen Gesetzcscntwnrf ein Abgeordneter ein Schreiben des Herrn' Professor Spitzer verlas, in welchem er diese ihn belastende Thatsache in Abrede nimmt, verharrte Herr Türk bei seiner Behauptung. Nun veröffentlicht Professor Spitzer folgeudc Erklärung iu der ״Neuen Freien Presse": ״Herr Redakteur! hat dem Herrn Abgeordneten Türk heute nicht beliebt, die Verleumdung zurückzuzichcn, welche er gegen mich vorgcbracht hat; dafür hat ec sich auf ein Journal berufen, welches er ebenso wenig zu produziren iu der Lage war, als das Attest für Orliee, das er mir andichtet. Herr Türk steht unter dem Schutze der Abgeordncten-Jmmunitat; ich bin also außer Stande, ihn zum Beweise seiner Behauptungen zu verhalten. Indem ich daher sein Vorgehen der allgemeinen BeuNheiluug auheimgcbc, bitte ich Sie, nur die Erklärung cutgcgenzuuchmeu, daß nur nie eine Publikation Orlicc's zu Gesichte 'gekommen ist, in welcher eine Berufung auf mich enthalten war. Ich hätte iu diesem Falle keinen Moment gezögert, gegen diesen Mißbrauch meines Namens öffentlich Protest zu erheben und eventuell die uöthigcu Schritte zur Ab-- stcllung desselben einzulciten. Genehmigen Sic, Herr . Redakteur, die Versicherung meiner Hochachtung, mit! der ich zeichne als Ihr ergebener Professor Simon Spitzer." j A. Prcsibnrst, 1. April. Die Vercinslcituug! des hiesigen israelitischen. Frauenvcreius veröffentlicht! ihren Rechuuugsausweis über das Jahr!685. Nach demselben erhielten arme und sieche Frauen regelmäßige Unterstützungen im Betrage von 300 fl., kranke Frauen und Wöchnerinnen solche iu Summa von 237.40 fl. Außerdem wurden Arme während der Trancrwochc unterstützt und bei gefährlichen Krankheiten mit der nöthigcn Aufwartung versehen. Möge das Licbcswerk der edlen Frauen unserer Gemeinde stets den wärmsten Sympathien begegnen, so daß sie in den Stand gesetzt werden, dasselbe immer mehr zu erweitern. *||* Pest, 31. März. Die ungarischen Antisemiten sind, wie ein hiesiges jüdisches Blatt richtig unterbreitet wegen Besteuerung der Börsengeschäfte, weil doch die meisten Börsianer Inden seien. — Jetzt angelt sich Jstoczi diesen herrlichen Gedanken und macht dekannt, daß er dasselbe in Pest thnn!volle. Eine sehr patriotische, segensreiche Veranlassung ist cs in der That, ״da ja die meisten Börsianer Juden sind." Don)׳ soit qui mal y pense! Frankrei ch. *:}:* Paris. Bein! Verkauf verschiedener Werthobjekte auS der Hinterlassenschaft des jüngst vcrstvrdenen Herrn Anton Königswartcr sind auch unter! Anderen 35 Konsistorialobligationcu der Pariser Tempel, j von denen jedes Stück mit 300 Franken cingezahlt! war, zusammen für einen Frank zum Verkauf gestellt.! Man muß trotz dieser Thatsachc in der Benrtheilung I der Finanzwirthschaft der KonsistonalVerwaltung vor-! sichtig sein. Man durfte höchstens in der bescheidenen! Weise, wie nach den Worten der heutigen Sidroh, selbst ein Talmud Chochom, der einen Schaden an seinem Hanse entdeckte, mit den Worten כנגע נראה לי בבית, vor den Priester zur Benrtheilung des Falles treten durste und nicht mit dem apodiktischen Anssprnche נגע נראה לי בבית fragen, ob vielleicht etwas SchabhafteS in! Gcineiudebau sich vorfände. In jedem Falle dursten, da die ersten Finanzkapazitätcn der Welt dem , hiesigen Konsistorium an gehören, etwaige Schäden leicht \ ansznbesscrn sein. Was übrigens das Recht der lieber-; wachnng der Wo!M)ätigkeitsaustalten, sowie die Korn- . pctcnz zur Gründung und Erhaltung derselben und der Schulen betrifft, jo hat der Staatsrath in seiner! letzten Generalversammlung diese Vollmachten bestritten , und darauf bestanden, daß dieselben den Konsistorien i entzogen werden müßten. In derselben Sitzung hat! der Staatsrath die Rothschild'schen Stiftungen Rue PicpnS, das Waisenhaus, das Krankenhaus, das Asyl! für die Unheilbaren, und die für alle Kranken der

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