Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1886)
- Article
- Im Kolosseum
- Date
- 1886-04-08
- Page
- 217 (sequence 1)
- Language
- German
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M14. Jeschnrnn. 217 Im Kolosseum. Von Jedidjah. In heißer Gluth strahlt Roma'S Sonne nieder, Und keuchend stöhnt die Brust in schwerer Last. Den Riesenbau des TituS anfzuführcu Krnnum sich der Sklave ohne Ruh' und Rast. Dem Römcrvolk zur Lust wächst das Theater, Bon sehu'gen Armen mächtig aufgebaut, Die Quadern sägt man ohne Lehm und Märtet, Zu schwindelhafter Höh' das Auge schaut. Und grausam schwingt der Römer seine Peitsche, Er treibt den Sklaven an, der ächzt und stöhnt, Die Arbeit ist ihm ungewohnt gewesen, — Wo ist die Rettung, die er sich ersehnt? Ach, Männer siud's aus Jud.ah's edlem Stamme, Die kriegsgefangcn Nom zu Sklaven macht, Des Kolosseums Riesenwerk zu schaffen Sittd aus den Kerkern sie hierher gebracht. In fiusterm Ernst, kaum noch die Thraueu meisternd, Keucht dort ein Greis aus fürstlichem Geschlecht, Ja, seine edle Hand ist nicht geschaffen Für Sklavenarbeit, als der Römer Knecht. Schon sinkt er hin aus die durchglühten Steine. Sein Auge bricht, die Hand ermattet sinkt, Da reißt der Römer wild ihn in die Höhe Die Peitsche nach dem edlen Haupt er schwingt. Und schwer getrosten sinkt der Edle nieder, — Da zuckt es blitzeoschnell — ein Schlag — ein Schrei — Der Römer stürzt, von einem Stein getrosten — Bon allen Seiten strömt man wild herbei. —׳ Hoch aufgerichtet, noch die Hand erhoben Steht stolz ein Sklave da, ein Hcldenbild, Er hat den frechen Römer hingeschmcltcrt, Mit einem Streiche auf das Steiugefild. Denn, ach, der edle Sohn des edlen Greises Schaut er den Schmerz des thcnrcn Batcrs an, Er, der bis jetzt ein Knabe noch gewesen, Jetzt plötzlich hehr und kühn ein stolzer Mann. Der,׳Römer lebt, — der Greis, er ist geschieden Bon dieser Welt in die Unsterblichkeit. — Der Jüngling wird gefesselt fortgefnhret, Zum Tode ist er freudig gern bereit. Bolleudet ist der Vau, mit hoher Feier Wird er geweiht, so Titus cs bestimmt — Und dicht sich drängend stürmen wild die Römer, 1 Das Bolk die höchsten Sitze jetzt erklimmt. — ן Vcsond'rcn Reiz ja wird der Tag heut' bieten,! Denn die das Riesenwerk selbst aufgebaut, : Sic sollen heut' als erste hier beginnen,: - Wo man ztlr Lust den blnt'gen Tod ja schaut. f Es lärmt die Menge, wie des Meeres Brausen Durchlönt das Schreien, Lachen laut das Haus — Da wird's in der Arena schon lebendig, Die Kämpfer schreiten ernst und bleich:heraus. Und Streich auf Streich saust durch die Luft, es sinken Den Sand, mit ihrem Blute röthend, jene dort, Die mit den eignen Händen sich, gegraben Das eigne Grab an der Vernichtung Qrt. -! Doch Wcchsctvollcs will die Menge schauen, Und wieder ist der Kampfplatz leer und frei, Da öffnet sich die Thür, in wilden Sätzen Stürzt brüllend auf den Sand ein Bcrbcrlen. Und von der andren Seite naht sich langsam Ein einz'ger Kämpfer, kühn und stolz zu schaun — Ein Heldcujüngling aus dem Heldenstamme, Er zittert nicht, ihn überfällt nicht Grau'n. Der Sohn des cMcu Greises ist es wieder, Der kühn den Römer damals hiugcstreckt -״ Nur mit dem Schwert bewaffnet sicht er muthig, Das Auge blitzt, — das Volk die Hälse reckt. Schon setzt der Löwe brüllend an zu in Sprunge Da tönt ein Schrei grell durch die Todesruh' — Und von den höchsten Stufen eilt hernieder Ein bleiches Mädchen auf den Jüngling zn. Sic wirft sich vor ihn — fest umarmt stehn beide -- Die Schwester ist cs, die den Bruder fand -- Auch sic als Sklavin kriegsgefangen schmachtet — Vereint stehn beide auf dem blnt'gen Saud. Die Menge tobt entsetzt der Löwe brüllet — Ein Satz — ein wilder Schrei — es fließet roth — Das Blut des edlen Paares färbt die Stätte — Das einz'gc Glück ist da — ihr früher Tod. Vorbei der Schmerz, vorbei der schwere Kummer Für Iudah's vielgeprüften Hcldensproß — Die Sonne saut, bestrahlet roth erglühend Die Stelle, wo das Blut der Edlen stoß. Korrcspvlidcttzcu Md Rlichrichtcii. D e u t s ch l a n d. * Hannover, •4. April. Das in Wien er- ( scheinende jüdische Blatt ״Qcsterreichische Wochenschrift" k warnt in seiner Nr. 14 d. I. alle Israeliten vor dem