Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1886)
- Article
- Rußland : Odessa [Nachricht]
- Date
- 1886-04-01
- Page
- 205 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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205 Jahreszeit von' jüdischer Seite Speischäuser errichtet worden, in welchen den Armen ohne Unterschied des Bekenntnisses, jedem sich daselbst Einfindcndcn, entweder ganz ohne Entgelt oder zu einem sehr geringfügigen Preise eine gute kräftige MittagSmahlzcit verabfolgt wird. ES ist an dieser wohlthätigcn Einrichtnng sowohl von jüdischen als nichrjüdischen Bedürftigen in sehr ausgedehnter Weise profitirt worden, und hat diese wahrhafte Humanität das gute Einvernehmen zwischen den Konfessionen befestig!. * Jaltuschka. DaS Loos unserer auf den! flachen Lande wohnenden Brüder ist ein überaus trauriges. Nicht nur, daß die Quellen ihrer Ernährung immer mehr versiegen durch die Ungunst der Zeitvcrhältnissc, sie haben auch fortwährend für ihren 111(ל f und ihr Leben zu fürchten, sie müssen jeden Augenblick darauf gefaßt sein, daß man über sie herfällt und sic auS ihren Wohnsitzen verjagt. So wohnte z. B. in den! Dorfe Meliwez seit einer langen Reihe von Jahren ein Jude, Hirsch Bernstein, ruhig und friedlich mit den übrigen Bauern, bis vor etwa sechs Monaten ein neuer Pope ins Dorf kam, ein Feind der Juden, welcher unermüdlich daraufhin arbeitet, seine Pfarrkindcr gegen den Inden aufzuwiegeln. Er hatte hiermit leider nur allzu sehr Erfolg. ES wurden lügenhafte Gerüchte über den Inden verbreitet, und. endlich der förmliche Beschluß gefaßt, ihn nicht ferner im Dorfe zu dulden. Man erwirkte einen Ausweisungsbefehl gegen den Juden, welcher so schnell auSgcführt wurde, daß dem Aermsten nicht einmal Zeit gelassen .wurde, seine Angelegenheiten zu ordnen und seine AuSstände einzuziehen. Das mühsam und redlich Erworbene, die Frucht langer Jahre, mußte er einbüßen und mit Weib und Kindern schleunigst den Ort verlassen. Er irrt jetzt unslät und flüchtig mit den Scinigcn umher, wie eine verirrte Heerde, und sindet nirgend ein Unterkommen. (Hazcsirah.) * 51ischinew, März. Die ״Frkft. Ztg." meldet: Am! 2. März wurden in Kischinew, wie der ״Rvw. Tel." berichtet, drei der Räuberei schuldige Inden hingerichtet. Der Prozeß dieser drei Personen war am 1<>. Februar vom LNilit ür - Be; i r! sg er ich t verhandelt worden und endete mit der Berurtheilung von Momsha Resiiik, Janlel Lewin und Berlo Gawrilski zum Tode durch den Strang. Die Berurtheilteu richteten an das Ober-Militärgericht eine Kassationsklagc, wieder ihr Erwarten wurde sie jedoch abgcwiescn. - Dieses Derfahren ist um so anssälliger, als sonst Mörder und Räuber in Rußland nie hingerichtet, sondern nach Sibirien verschickt werden. Ein Todesurtbeil muß aber vom Kaiser bestätigt werden — und dadurch wird der vorliegende Fall noch merkwürdiger. — Wir bemerken, ׳ daß die drei ״Juden" Mitglieder der von Rabbinowisch j gegründeten Jndcn-Christen-Sekte sind.! Rumänien. * Jassy, März. AnS der zweiten rumänischen Hauptstadt Jassy werden, wie. die ״N. j. P. Ztg." schreibt, nach 30 פסה jüdische Familien unter Anführung des bekannten SchriststellerS Or. Lippe nach dem heiligen Lande answandcrn, um in Safcd eine Kolonie zu gründen. Die Leute sind durchaus wohl׳ habend und beanspruchen keine fremde Unterstützung! — Wir bemerken dazu: Es wäre die empfindlichste Strafe für das grausame Rumänien, wenn die wohlhabenden Israeliten anfangcn, dem Lande ihre Kraft zu entziehen. Bielleicht könnte ein solches Vorgehen denn doch schließlich die jndenfeindlichc Negierung zur Besinnung bringen, da sic bis jetzt ja nur gesehen hat, daß die arme jüdische Bevölkerung das Land verläßt. — In zweiter Linie aber halten wir nur so eine segcn brin gen de Kolonisation Palüstina'S für möglich und für nntcrstützungswcrth, wenn nicht, wie bislang nur Arme, Bedürftige das heilige Land kolonisircn wollen und dadurch nur Sorge und Elend in ארץ ישראל vermehren, sondern wenn wohlhabende Kolonisten sich dort nicdcrlasscn. Möge man das oben erwähnte Ereignis; als einen bedeutsamen Anfang dazu betrachten. (O'lüiitiite Imülgeil. Bou 00 11111 fl Berthold 810[ 11 er. (Alle :Hccljtc 1'01־bd)aUcn.) (Fortsetzung.) Rafael zerdrückte die Zeitung in der Hand und warf sie ärgerlich auf den Tisch; dabei stieß er einige! unverständliche Worte hervor, welche Alles eher als | eine Rezitation ans den Psalmen sein mochten, j ״Nicht wahr, diese engherzige Beschränktheit ärgert 1 auch Sie?" I ״Allerdings aber nicht bloS daS allein. Es ist! nicht minder empörend, mit welcher Frechheit die crbärm-! lichslen Tiutenlleckser sich zu Anwälten des Staates; und der Brensch heit aufwerfcn und den geringsten Fehler durch Unverschämtheit und föderalistische Ungerechtigkeit , hundertfach überbieten. Die niedrigsten Gesinnungen! grinsen anö jedem Worte dieses Bürstenabzugs hervor. ' Es mag ja wahr sein, daß die ganze Geschichte mit * diesem Vereine so unglückselig und verdammenSwerth! wie nur möglich ist; die hohe Bestimmung des Menschen-! gcschlechts wird dadurch wahrlich nicht gefördert. Daß! inan aber deshalb gleich ein schlechter Staatsbürger! und Mensch sein muß, ist eine bodenlose Lüge. Und