Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : Krakau [Nachricht]
- Date
- 1886-04-01
- Page
- 204 (sequence 2)
- Language
- German
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204 Haft, sowie auch nach der Freilassung, materiell unterstutzt haben, ewigen Dank schuldig sei. Gitel Ritter, die um mehrere Jahre jünger ist als ihr Manu, und uiehr ״ländlich" anSsicht, ist in der mehrjährigen Haft fußleidend geworden und hinkt recht merklich. Au jeder Station von Krakau bis RzeSzow kamen viele Juden 311111 Bahnhof, um das Ehepaar Ritter zu begrüßen und ברון מתיר אסורים zu sprechen Es spielten sich viele rührende Szenen ab. Sa. ttZraz, 23. März. Bei der Budget-Debatte im österreichischen 'ReichSrathe wurde wieder einmal ein Stückchen antisemitischen Desserts aufgelischt. Der katholische Geistliche Rai; nämlich sagte: Die Regierung bat in Eilli (Uutcrsteiermark) einen Inden zum Professor ernannt. Welche 'Rechtsverletzung! Kaiser Maximilian L hat im Jahre 3 498 dafür 38000 Gulden erhalten, daß er die Juden aus ganz Steiermark anstrciben ließ! OaS war ein Vertrag, der durch kein Gesetz umgestoßen werden konnte. Nun wohnen trotzdem Juden in Steiermark, und die Regierung wirft und sogar einen jüdischen Professor an den Hals!" 'Natürlich wurden diese Worte mit dem lebhaftesten Beifall von der Antisemitcnbank begrüßt. Der würdige Geistliche erhielt aber eine tüchtige Abfertigung seitens des BarouS Pirket, der mit energischen Worten die schmählichen Angriffe der Antisemiten zurückwieS und unter lebhaftem Beifall seitens der deutschen Partei seine Rede mit den Worten schloß: ״Hinweg mit den antisemitischen Wühlereien, da diese nur die Einheit des Staates untergraben!" Uebrigens hat der antisemitische Redner Raiz außerdem 1tod) eine Sektion erhalten, indem der deutsche Nationalverein für Steiermark in der gestrigen Mitglieder-Versammlung eine Resolution beschloß, worin über das schroffe Hervorkehreu des antisemitischen Stand- Punktes seitens einiger Ortsgruppen des SchulvereinS das Bedauern aitSgedrückt wird. Fr an kr eich. %* Poris, 29. März. Das hiesige israelitische Konsistorium hat eine aus den Söhnen der reichsten Pariser Familien bestehende Kommission eingesetzt, um das Einnahinebudgel der Gemeindekasse für KnltnS und Unterricht zu verbessern und Spenden und Subskriptioucn eutgegcnzuuehmeu. )Nächten doch diese jungen Patrizier sich ein Beispiel au den iin Bissau berufenen Fürsten, den zwölf נשיאים nehmen, und jeden Tag, an welchent sie opferfreudig den Dienst für die Gemeinde verrichten, als ihren besonderen Festtag betrachten. Möchten sie aber auch wie ivahrc Gemeindefürsten vor Alletn dem ReligiouSgcsctze und namentlich der Heilighaltuug des Schab'voß wieder ihre ganze Treue zuwendcn. Nur zu leicht wird es vergessen, daß man sich durch die öffentliche Entweihung des Schabboß ganz außerhalb des JndcnthumS stellt. Mehr als irgend ein anderer Zeitpunkt gestattet der gegenwärtige mnthcnvcckevde Moment ,בין גאולה לנאומו־ die Hoffnung, daß in dem beginitenden Wnndermonat Nissan, dent ראש ההרשים acht jüdisches Leben in Frankreich und in allen israelitischen Kreisen deS klniversumS neu erblühe. In diesem FrühlingSmonate, in welchem noch jetzt alljährlich die Natur sich verjüngt, war ttach Rabbi JehoschuahS Ansicht die Welt geschaffen. Im Nissan sind die Erzväter geboren, und im Nissan ließen sie uns sterbend die größte Erbschaft, die je Menschen angetrctcn. Im Nissan übertrug der Allmächtige Moscheh in der DornbnschSerscheinnng die hohe Sendung der Befreiung Israels ans Mizrajim, im Nissan des darauf folgenden Jahres trat die Befreiung ein, und im Nissan des zweiten Jahres fand der geistige Erlösungsakt der Menschheit, die Errichtung deS Hcikigthnmes, daS Himmel und Erde verbindet, Stall. Nissan ist auch der Monat der AnknnfScrlöjnng, er ist der Ausgangspunkt für bürgerliches lind religiöses Leber! לסלבים לרגלים. Mögen )vir, NM mit dein Dichter zu sprechen, bald den Segen höchster Vollendung in diesem Monat sehen, so wie wir vernommen באשר שיזונו בן ביוד* נהיה ברבנו בשילום בה ר ים הרה. England. *V London, 26. März. Wie verlautet, bcabsichligt Herr Samuel Mvntagn nach einigen Monaten eine "leise nach Rußland zu machen. Der Zweck der Reise soll sein, eine planmäßige Auswanderung der russischen Inden zu veranlassen. — So hochherzig auch der Entschluß des Herrn Mvntagn ist, nicht die Mühen und Strapazen d.r Reise zu scheuen, um unfein bcdrückten russischen Brüdern eine Hülfe im Elend zu schassen, so können wir doch nicht dem Projekte ganz beislintinen. Wir halten cs für unmöglich, eine Bevölkernng von mehreren Millionen Seelen planmäßig answandern zu lassen. Und dann wohin mit ihnen? Nach Amerika? Wir haben ja leider gesehen, welche Erfolge i. a. Mißerfolge man mit der Auswanderung nach Amerika bei den großen russischen Judenverfolgungen erzielt hat. — Für die russischen Juden giebt cs nur eine Hülfe: die russische Regierung muß ihnen volle Emanzipation gewähren, sie zu allen BernfSarten ohne besondere Repressalien zulassen, vor Allem ihnen den Wohnsitz im gesummten russischen Reiche gestatten. Solches kann aber weder Herr Montagu, noch sonst irgend ein Einzelner erreichen. Eine Weltmacht muß Rußland den richtigen Weg zeigen. Alles klebrige ist leider vergeblich. Nutzland. ה. Odessa, im März. ES sind hier zur Lindernng des großen NolhstandeS während der rauhen