Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1886)
- Article
- Deutschland : Hamburg [Nachricht]
- Date
- 1886-04-01
- Page
- 203 (sequence 2)
- Language
- German
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203 gelegen heit führt, niemals die Achtung versagen, sollten deren Aussprüche und Anordnungen rcspcktiren, nicht daran mäkeln und sich ihr widersctzcn. Sic sollten nicht vergessen, dag sic damit die Autorität des Indenthnms in den Augen ihrer Kinder untergraben und die Existenz unseres altehrwürdigcn Gemeinwesens in Frage stellen. Es ist in dieser Hinsicht vielfach gefehlt worden. Dem Einsichtigen genügen diese Andeutungen. Vielleicht komme ich mit Ihrer Erlaubniß später einmal eingehender auf dieses wichtige Thema zurück. Heute habe ich nur aussprcchcn wollen, was die Megilla- Vorlesung bei mir in Bezug aus diesen. Gegenstand angeregt hat. dem Negiermuzsbezirk Kassel, im Mürz. Wie wir von befreundeter Seite erfahren, hat Herr Seminarlchrer Schwarzschild in Köln vor einiger Zeit das NcktoratSexamen bestanden. Diese Thatsache ist um so mehr anzuerkennen und der Veröffentlichung in einem viel gelesenen jüdischen Blatte werth, da das Kölner Seminar leider keine staatliche Anstalt ist, von deren Lehrern mithin auch nicht die den königlichen Scminarlchrern vorgeschriebcnen Prüfungen gefordert werden können. Möge Herr Schwarzschild, dessen Kenntnisse (besonders in den naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern) von seinen Schülern stets gebührend anerkannt wurden, noch recht lange segensreich und schasfensfrcudig in seinein Bcrnse wirken und noch recht viele Schüler in-die Praxis, ״des Lebens grünen Baum", cinführen. — Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß außer Herrn Schwarzschild noch zwei pro lectomtu geprüfte Lehrer am Seminare Fachunterricht crthcilen, sowie daß überhaupt das Lchrerkollegiunt (Direktor Dr. Plato und sechs Lehrer) ans vorzüglich bewährten Kräften zusammengesetzt ist. — Diesem Umstände insbesondere ist wohl auch der günstige Aussall der letzten AbgangSprüfungen an verschiedenen rheinischen Seminarien zuzuschreiben, an denen sich vierzehn Kölner Seminaristen bcthciligten, die sämmtlich bestanden. (Siehe auch ״Iefchnrun" Nr. 34 v. I.) — Mögen diese Mittheilungcu dazu beitragen, das Interesse für das ausgezeichnete Kölner Seminar zu wecken, namentlich auch in unserem Hcsfcnlandc, das der genannten Anstalt für die Allsbildung vieler seiner Söhne doch zu großem Danke verpflichtet sein müßte. Zu den bisherigen zahlreichen Freunden 1111b Gönnern des Seminars müßten noch viel neue mit erheblichen Beiträgen und außergewöhnlichen Geldzuwendungen hinzntrcten, damit diese Musteranstalt immer umfassender, das gesteckte Ziel erreiche: להחזיר העטרה ליושנה. Hl Fürth (Bayern). März. Die Gabriel Riesscr'sche Stipendien-Stistuiig hat nach dem eben veröffentlichten Rechenschaftsbericht im vorigen Rechnungsjahre April 1884,85 an 21 Studircnde Stipendien im Gesummtbetrage von oft 3796,15 verliehen, und zwar an: 5 Juristen Jt 1192,29; an 9 Mediziner oft 1748,28; an 1 Polhtechniker dt 242,43 und an 6 Seminaristen Jt 613,15.; -t- Ulm, 28. März. Am Geburtstage Sr. Majestät des Königs Karl von Württemberg hielt Herr Isaak Sternberg er hier in seiner Privatsynagoge einen feierlichen Gottesdienst ab. Er sandte die dabei vorgetragencu Gcbetsstückc an S. Majestät den König lind erhielt von deniselben ein attcrhnldvollstes Dankschreiben, welches folgendermaßen lautet: ״Kabinet Sr. Majestät des Königs von Württemberg. Die unterzeichnete Stelle ist beauftragt, dem Herrn Stcrnbcrger für die Sr. Majestät dem König dlirch die Einsendung eines von ihm aus Anlaß des allerhöchsten Geburts- Festes in seinem PrivatgotteSdicnste gesprochenen Gebets bethätigte Ansulerksanikeit und Ergebenheit den gnädigsten Dank Sr. Majestät auSzudrücken. Stuttgart den 14. Mürz 1886, Kabinet des Königs i. V. Legations- Rath Hermann." O e st e r r e i ch - U n g a r u. * * Pest, 15. März. Nach einem heftigen Wahlkämpfe wurde gestern in Zala-Egerszcg der Kandidat der Antisemiten, der Journalist Emil Szemnecz mit eitler Majorität von 76 Stimmen zum Neichstags-Abgeordneten gewählt. — Also darum mußte!nan erst den arnien Illdeil die Fenster einwerfen. (S. Nr. 1 2. S. 188.) * Krakau, März. Die ״Neue jüd. Pest. Ztg." schreibt: Dem ״Wiener Isr." wird von hier Folgendes gemeldet: Moses Ritter ist ein stattlicher Manu, der hoch in den fünfziger Jahren steht und recht ״intelligent" aussieht. Er sagte mir Folgendes: ״Ich habe alle Leiden der letzten vier Jahre mit vollkommener Ruhe über iliich ergehen lassen und dieselben als harte Prüfung betrachtet, welche Gott über mich verhängt hatte! Als ich das Todesurtheil zum ersten Male vcrnahm, war ich wohl nicdcrgcschmettert, bald aber faßte ich Muth. Die beiden anderen TodeSurthcile haben die öffeiltliche Meinung vielleicht mehr, als mich selbst berührt! Ich hatte mit der Welt abgeschlossen und war gefaßt, על קידוש השט ZN sterben, denn daß meine Unschuld cimnal, lind sei eS and) lange nach meiner Hinrichtung, an den Tag ko )innen werde, davon lvar! ich so fest überzeugt, wie Sie bestimmt wissen, duß jetzt Tag ist! — Was mich schmerzte, war vorzüglich, daß auch meine arme Frau so schwer leiden .mußte. — Ich begebe mich von Rzcszow direkt nach Lntc.za, tim dort meine ״Habe" zu veräußern. In diesem Orte will ich j nicht bleiben; das Bauernvolk wird ja seinen Wahn, daß | ich einen ״rituellen Mord" an der Mn ich begangen habe,! schwerlich anfgeben!" Weiter erzählte Ritter, daß cr! den Juden der Stadt Krakau, welche ihn während der