Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1886)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1886-04-01
- Page
- 202 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Insinuation mir zu einer grellen Beleuchtung der traurigen Thatsache, daß die preußische Landeskirche gegenwärtig Prediger von sich ausschlicßt, die im übrigen Deutschland in Segen wirken, dagegen eine Persönlichfeit wie beit Hofprediger Stöcker, der nicht bloS durch die öffentliche Meinung, sondern auch durch das Unheil eine* preußischen Gerichtshofes gekennzeichnet ist, unbeaustandet ihr Unwesen treiben läßt." ...0. Posen, 22. März. Die russischen Grenzbehördeu haben nach Mittheilung des ״Knryer Pozn." die Polizeibehörden benachrichtigt, daß kein Israelit aus Preußen, wenn er auch einen vollkommenen legalen Paß hat, nach Russisch-Polen und Rußland hincingelassen werden soll, wenn er sich nicht um eine besondere Erlaubniß dazu in Petersburg bewirbt. * Hamburg, März. Als Kuriosum thcilcn wir unsern Lesern folgende Annonce aus einem Hamburger Blatt mit: ״Will). Schill, Friseur, Eimsbüttelerstr. 46, Hamburg. Haar-Arbeiter und Perrückeumacher für Damen u. Herren. Haarschneiden, Frisiren 11. Nasirm durch Geübte. Sonnabends geschlossen, von Freitag- Abend bis Sonnabend-Abend. Nachdem ich durch Veröffentlichung der Verlegung meines Ruhe- oder Sonntages auf den Sonnabend manchen unrichtigen Bermnthnngen Raum gegeben habe, so sah ich schon im Voraus, daß ich eine Erklärung den wcrthen Lesern meiner Annonce und meinen Kunden schuldig sei. Diese Erklärung ist aber, weil sic zu. ausführlich gegeben werden mußte, so umfangreich geworden, daß die Spalten der Tagesblättcr dieselbe nicht ganz bringen werden und so wird dieselbe unter dem Titel ״Ursache der Aenderung des Nuhc-Tagcs" in Form einer kleinen Brochnre im Buchhandel erscheinen. Hier möchte ich nur die kurze Notiz abgcbcn, daß mich keine gcschästlichen Motive bewogen, sondern rein religiöse Glaubens- Anschanimgen die Ursache dazu gaben. Ich glaube, daß es ein höheres Wesen über uns giebt, welches wir in unserer Sprache Gott nennen. Da ich glaube, daß dieses Wesen uns durch dazu auserschenc Personen seinen Willen kund gegeben hat, so glaube ich auch, diesem Willen auf das Genaueste Nachkommen zu müssen, und erkannte ich, daß in dem Willen Gottes, ,,Gedenke des Sabbalhtages, daß du ihn heiligest", weder eine Veränderung dieses Gebotes angeorduet noch ein neuer Tag von Gott dazu eingesetzt ist. Dabei bleibt es ja einem Jeden überlassen, nach seinen Anschauungen zu thun, da Gott einem Jeden seinen freien Willen gegeben, so möchte ich auch hiermit nicht falsch verstandeil werden; ich ivill mich nicht klüger dünken, ich will mich nicht überhebeu, sondern einfach bemerken, ich habe cs .so erkannt und gebe die Gründe in meiner Brochnre an, und nachdem man etwas erkannt hat, ist man nach Gottes Willen verpflichtet zu thun. Die Ansfassung, ich würde wohl Israelit werden, finde ich sehr nahe liegend, da man den Sonnabend stets, aber mit Unrecht, den jüdischen Sabbath nennt; Gott hat ihn bei seiner Gesetzgebung auch uns mit übergeben; ob der jetzige Sonnabend noch der richtige ist, habe ich auch in meiner Brochnre nach Gründen gemäß erörtert." Weiterhin verwahrt sich der Inserent dagegen, daß er etwa die Absicht habe, Jude zu werden. Er sei vielmehr gläubiger Christ. אמתי. Hamburg, שושן פורים. Wenn das Purimfest uns cinerscits den Schutz und den Beistand Gottes zeigt, welcher Israel in das Exil begleitet, so lehrt cs uns andererseits aber auch, daß wir zu jeder Zeit die Autoritäten zu achten haben, welche nach dem Gesetze Gottes zur Leitung und Führung der בני הגולה berufen sind. Die Juden des babylonisch-persischen Exils sind zu den Zeiten Hainaus nur dadurch der Rettung würdig und theilhaftig geworden, daß sie der Anordnung Mardochais und seines בית דין willig Folge geleistet. Die Einsetzung des Purim in den jüdischen Fcstzyklns geschah ebenfalls auf Anregung Esters und Mardochais, und cS dürfte vielleicht in keinem andern Kreise als in dem jüdischen möglich sein, daß einer cinsachen Anordnung der bestehenden Autorität eine solche Bedeutung beigemcssen wird, daß sie noch nach Jahrtausenden in voller Kraft besteht. Nur eine jüdische Autorität und nur für eine jüdische GesainmthciL konnte es ausgesprochen werden, daß die Purimtagc nimmer weichen werden ans dem Leben aller nachfolgenden Geschlechter, ohne Gefahr zu laufen, von diesen nachfolgenden Geschlechtern Lügen gestraft zu werden. Es giebt vielleicht keine erhebendere geschichtliche Erfahrung, als daß dieser Ausspruch Esters und Mardochais noch nach zweitausend Jahren seine glänzende Bestätigung in allen Weltthcilcn findet, überall wo die Nachkommen jener dem gesammten Vernichtmigswerke HanianS Entronncnen ihr Zelt ansschlagen. Wo giebt es noch einen Kreis, in welchem solches möglich ist? Doch was sott diese Betrachtung? werden Sie, geehrter Herr Redakteur und Ihr Leserkreis fragen. Was soll diese Betrachtung gerade ans Hamburg? — Sie soll warnen and zur Beherzigung führen, daß auch wir der Autorität denjenigen Gehorsam und diejenige Achtung entgcgenbringen, welche ihr zu nnjerin Heile und zum Heile unserer Nachkommen gebührt. Wenn aber für בל בני הגולה dieses, der Beachtung wahrlich sehr wertb ist, so ganz gewiß und ganz besonders in unserer (Gemeinde, die gottlob heule noch jinmcr als עיר ואם בישראל da steht, die wir aber als solche בפיעתא ר ש מ י א auch für alle Zukunft erhalten möchten. Wir sollten das אל תתגודדו recht beherzigen, nufere יראים ושלמים sollten der Autorität, die an der Spitze unserer קהלה steht, und wahrlich in Redlichkeit und achter יראה nufere An-