Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1886)
- Article
- [Rezension] / X.
- Date
- 1886-04-01
- Page
- 198 (sequence 2)
- Language
- German
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198 der Guben ״als Grundlage aller Verständigung." Diese Verständigung, scheint uns aber, besteht nach ihm dann, daß die Juden das Judenthnm nach und nach ausgeben und das Ehristenthnm annehmen. Der Unterschied zwischen der von ihm und von Hartmann in Aussicht genommenen ״Lösung der Indenfrage" bestände demgemäß darin: Pestalozzi will, daß alle Christen und Juden wahrhaft strenggläubige Christen werden, Hart mann will, daß alle Christen und Inden Bekenner der Hartmann'schen Philosophie des Unbewußten werden. Die Inden aber werden weder dem Einen noch dem Andern zu Willen sein. Jedenfalls ist eS erfreulich, daß ein so überzeugungStrener Christ, wie Herr Pestalozzi, der christlich-sozialen jndenseindlicheu Agitation offen entgegentritt und dieselbe durchaus vernrtheilt. X. * * (§rstcs Lesebuch. Zweiter Theil der deutschen Schreib-Lese-Fibcl. Ausgabe B. Bearbeitet von Naphael Coh n. Berlin 1886. Stuhr'jche Buchhandlung. Das vorliegende Lesebuch wird von allen verständigen Freunden des IugendnnterrichtS als eine höchst werthvolle Bereicherung der einschlägigen Literatur degrüßt werden. CS reiht sich der früher erschienenen und auch hier besprochenen Schreib-Lese-Fibcl desselben Verfassers an und bildet die zweite Stufe des Lese- Unterrichts. Die Auswahl des Stoffes ist mit großer Umsicht, und von richtiger Erkenntniß des kindlichen Wesens geleitet, getroffen worden. Da eö leider, wie wir schon bei der Besprechung der Fibel betont, zur Zeit noch an einem brauchbaren, in acht jüdischem Sinne abgesaßtcn Lcsebnche mangelt, so wird der israelitische Lehrer gern sich des Cohn'schen BncheS bedienen, welches sich von jeder konfessionellen Färbung fern hält. So erfreulich der Eindruck ist, den die hier gebotene Auswahl auf des Kindes Gemüth anSnbt, da es meistens wirklich gesunde Kost ist, welche ihm hier in Gegensatz zu manchen andern Lehrbüchern dargereicht wird, so möchten wir doch für eine fernere Auslage die Ersetzung einiger weniger Stücke durch geeignetere wünschen. Die Nr. 32 ״vom brummenden Kater" und Nr. 33 ״der große Fisch" und noch einige andere Stücke scheinen uuö die Grenze des Kindlichen und Natürlichen zu überschreiten und an daS Läppische und Gesuchte zu streifen, welch Letzteres überhaupt den Erzählungen von Ehr. v. Schmid, nach unserer Anschauung, im Allgemeinen zum Vorwürfe gemacht werden kann. Auch möchten wir in den voransgehenden Uebungcn der lateinischen Schriftzeichen die Worte ״laichen", ״maischen" als den als allgemein bekannt zu erachtenden Begriffen des K indes fern liegend beanstanden. Druck und Papier sind sehr angemessen. W an - tl 11 ngt 11. von Friedrich Nott. (Nachdruck verbalen.) (Fortsetzung.) Nninenhast starrten die nackten unvollendeten Mauern in die Höhe, ungeschützt dem Spiel der Elemente preisgegeben. Wind und Wetter hatten schon manchen Stein losgelöst, die Schutthaufen im inner« Hose mehrten sich, trotzdem war der Löwenwivth nicht zu bewegen, ordnend Hand daran legen zu lassen, obgleich im Hauptgebäude wie früher die peinlichste Ordnung und Sauberkeit herrschte. Doch der begonnene Neubau mußte wohl in irgend welchem Verhältnisse zu den verlorenen Söhnen stehen, Stunden lang konnte der unglückliche alte Mann sich dort aushalten. Sein kleiner Enkel, das einzige Kind seines ältesten Sohnes, pflegte zu seinen Füßen zu spielen, während er auf einem Sandhaufen saß, die Pfeife im Munde, die, ohne daß er c׳S merkte, häufig längst erloschen war. Wieder und wieder glaubte er dann jene Worte seiner Frau zu vernehmen, die sie ihm einst, um ihn den Vorstellungen des Sohnes geneigt zu machen, zngcrufcn hatte: ״Wie kannst Du auf Glück und Freude hoffen in jenen Mauern, bei deren Ban Du allwöchentlich den Namen Gottes entweihst?" Der Löwcmvirth hatte sich als recht starker Geist betrachtet, als er ihr diese ״abergläubischen" Worte, wie er sie nannte, verwies, und lachend hatte er hinzugefügt, der liebe Gott habe andere Sachen zu thun, als sich um seinen Bau zu kümmern. Und nun — und nun — Händeringend starrte er oft empor und flehte um Vergebung für seinen Frevel. Im Verkehr mit Freunden und Bekannten hatte sich jedoch sein Wesen wenig geändert, nie kam eine Klage über seine Lippen, freilich auch nie cin Scherzwort. Aufmerksam und zuvorkommend gegen seine Gäste pflegte er auch an ihren Gesprächen mit scheinbarem Interesse sich zu betheiligen, ersuchte jedoch häufig seine Schwiegertochter, ihn unter irgend einem Bor- ׳wände abrufcn zu lassen. Seit ihrer Genesung hatte Tirza überhaupt die Leitung der' Wirthschaft im Hanse ihrer Schwiegeretteun übernommen, denn ihre Schwiegermutter, die schon seit Jahren an einem Augenübel gelitten, war um diese Zeit beinahe vollständig erblindet. Tirza war die Stütze der beiden Alten. Rastlos thätig von Tagesanbruch bis in die sinkende Nacht, widmete sie sich mit opferfreudiger Hingebung der Pflege der Eltern ihres so schmerzlich beweinten Gatten, suchte nach besten Kräften ihr hartes Geschick zu mildern. Außerdem lebte sie nur der Erziehung ihres Kindes.