Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : Lemberg [Nachricht]
- Date
- 1886-03-25
- Page
- 189 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2932754-2933154-2933167--21501-2964978- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18t) tu nnzweifclhaftcr Weise foiiftatirt, daß eben ihr Leichnam int Felde bei Lutscha gesunden wurde. Bekanntlich ha! schon die antisemitische Verbissenheit schrecklichere Stucklein in böswilliger Absicht gegen Inden ansgcbrütct, und hier haben wir cs wahrscheinlich mit einer solchen Machination zu thun. Sobald die Ritter unschuldig sind, so verlangt die unerbittliche Logik an eine ganze Reihe anders gearteter Schuldiger zu denken, welche, wenn sie noch existiren würden, eine gute Gcrichtspolizci schon onfgcspürt hätte." * Bosnien. Nach der kürzlich beendigten Volks-- Zahlung in Bosnien und Herzegowina leben 5605 Juden unter 571520 Griechisch-Katholischen, 402710 Muselmannen und 265788 Nöntisch-Katholischcn. Frankreich. Paris, 23. März. Endlich kommt der Antrag, bctrcsfeiid die Durchsührung der Trennung von Kirche und Staat wirklich auf die Tagesordnung des gesetzgebenden Körpers. Herr Ni vet ist Referent der Initiativkomtnission für diesen Antrag. Wir erwarten von dieser Trennung nur Gutes für die Kläritng des religiösen Bewußtseins der modernen Gesellschaft. Eine Vereinigung dieser beiden, Ijcute fast wie jciudliche Gegensätze betrachteten Faktoren des öffentlichen Lebens hatte nur ihren Platz in einem Staate, wie wir Inden zur Zeit unserer nationalen Selbständigkeit ihn besaßen. Unser Gesetz erhebt uns auf die Höhe des Ideals der Heiligkeit mit den! Rufe והייתם ■קדשים und bringt uns zur Ausscheidung alles Unlantern להבדיל בין הטמא ובין הטהר und zwar nach der ewig Mustergültigen Norm, die nur ein gcosfenbartcs Gesetz als הק anfstellen kann, das Vieles für nnlantcr erklärt, was von der getrübten Auffassung der Zeitgenossen über Moral für rein erklärt wird, aber auch Vielen, die von der ungerechten Mitwelt als!ticht tadellos erklärt werden, durch seine heilige Verkündigung das Zcugniß der Reinheit ausstcllt, לטהר טטאים לטטא טהורים באנלר קדוש. Möge die in diesen Worten des Dichters besungene Poroh - Adnmah - Institution bald wieder ntis alle zur höchsten Reinheit führen! Rußland. ..Warschau, 21. März. Der offiziöse ״Dziewnik Warszawski" konstatirt, daß im verflossenen Jahre 20150 Inden ans Russisch Polen nach Anterika ansgewandert sind. . .z Warschau, 18. März. Der ״Dziewnik Warszawski," eine Zeitung, deren Mittheilungen als offiziöse der Negierung betrachtet werden, bringt dieser Tage die hvchbedcutsante Notiz, daß die Repressalien gegen die von Seiten der preußischen Regierung bewirkte Ausweisung russischer Unterthanen in nntfassender Weise gehandhabt werden sollen. Einerseits würde der Niederlassnng und dem Attfcnthaltc der Deutschen erhebliche Schwierigkeiten bereiten werden, andererseits aber würden die Grenzwachen mit entsprechenden Weisungen versehen werden, um den von Deutschland abgeschobenen Juden und Polen thnnlichst den Eintritt in die russischen Staaten zu erschweren. Wer sich nicht genügend legitimircn kartn, dem russischen Staatsverbande anzngchören, dein soll der Eintritt verwehrt werden. Nun unterliegt eö aber wohl keinem Zweifel, daß einen! großen Thcilc der als ans Preußen ansgcwicseuc russische Unterthanen sich an den Grenzen ntcldendcn Juden cs unmöglich ist, den Besitz der russischen Staatsangehörigkeit autcntisch zu begründen. Diese Menschen sind völlig heimathlos geworden. Sie waren bei ihrem Fortzuge ans Rußland nicht in der Lage, sich mit den erforderlichen Legitintationspapieren zu versehen, und der Ausweis, welchen Manche besaßen, legitimirte sic nur für den inneren Verkehr, ist aber meistens längst abgclaufcn und bedeutungslos geworden. Das Schicksal der Unglücklichen, welche dort vertrieben und hier zurückgavicsen. tnit Weib und Kind herumirren, wird ein furchtbares sein, und cS dürfte wohl die Frage ihre Berechtigung haben, ob sich die Schaffung solchen Elendes mit den Prinzipien der Menschlichkeit vereinigen laßt, welche doch das Fundament der heutigen Zivilisation bilden sollen? Amerika. 1>. Philadelphia, März. Die Nachricht, welche aus der von russischen Flüchtlingen besiedelten Kolonie ״Alliance" einlauscn, sind leider sehr trübe. Der ungc-׳ wohnlich lange Winter hat die armen .Kolonisten sehr hart ntitgeuommen, und sic vermögen kaum, sich gegen Hunger und Külte zu schützen, Der Nothschrci dringt aus ihrer Ansiedelung zu ihren Brüdern in den großen Städten. Philadelphia ist die nächste zur vülfe berusene. Der ״Jewish Record" führt das Wort für die Bedrängten und schlägt in höchst praktischer Weise vor, daß nt an eine Kommission dorthin entsenden möge, um deu Nothschrci durch Autopsie zu konslatiren. Sehr richtig befürwortet er aber, daß ntan Männer mit warmem Herzen und nüchternctn Verstände entsenden möge, Männer, deren Gentüth noch nicht abgestumpft ist gegen die Leiden ihrer Mitbiüder. Möge dieser Vorschlag bald zur Ausführung gelangen und möge der wirklichen Noth rasche und gründliche Hülse werden, welche doppelt nothwendig ist; einmal um dem augenblicklichcn Elende ein Ende zu machen, dann aber auch um Fürsorge für das Frühjahr zu treffen, daß cs den Kolonisten nicht an Mitteln fehle, die Felder zu bestellen.