Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1886)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1886-03-25
- Page
- 187 (sequence 2)
- Language
- German
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187 und die Jugend erzieht, der sich der Verwaisten annimmt! und der den Religionen und Konfessionen gestattet,; sich nach ihren Gesetzen cinzurichten, ihnen aber nicht; gestattet, sich unchristlich zu befehden. Das ist der ' wahrhaft christliche Staat."! * Brvmberlz,!5. März. Die Strafkammer des hlcsigen königlichen Landgerichts vcrnrtheilte heute fünf Aiitgliedcr des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde (von denen einer bereits ans dem Vorstände geschieden war und seinen Wohnsitz in Berlin hat) zu je einer Geldstrafe von 60 Mark, weil zur Anstellung eines Ausländers als Knltusbeamtcn s. Z. die Genchtnignng der königlichen Regierung nicht eingeholt worden war. Nettdeck (O.-Schl.), 1 0. Mürz. Ein Fleischermcister von hier wird sich demnächst (wie der ״Obcrschl. Anz. berichtet) vor dem Schöffengericht zu Tarnowitz zu verantworten haben, weil er einem indischen Geschäftsmanne ans Polen ein Stück Schweinefleisch in den Mund gesteckt hat. £ Pvsett. 1 5. März. An der Börse nnd in den betreffenden Geschäftskreisen fand kürzlich eine lebhafte Agitation statt, welche nunmehr zu Ende gekommen ist. Sie war gegen die hierorts herrschende kanftnännische Gepflogenheit gerichtet, dag an Sonnabenden und den jüdischen Feiertagen keine Zusammenkunft der Handclstreibendcu stattfand. Nnd ferner, dag die in Spiritus ans Zeit geschlossenen (Geschäfte während des Peßachfestcs nicht gekündigt lverden konnten. Beide Usancen rechtfertigten sich durch den hervorragenden Antheil, welchen die Juden an dem hiesigen Geschäftsverkehr nehmen. In unseren einerseits reformsüchtigen, andererseits antisemitischen!Acitstroniung wollte man von gewisser Seite dwselden anfhebcn. Die General- Versammlung entschied sich aber mit bedeutender Mehrheit dagegen, und so bleibt es erfreulichen Weise beim Alten. Dcite r r e i. ch -Ungar 11. G. Wien, 17. März. Vorgestern fand hier die Versammlung der Ortsgruppe ״Innere Stadt Wien" des Deutschen Schulvereins statt, welcher etwa 110000 Mitglieder im Ganzen zählt. Die kürzlich seitens der Zentralleitung vollzogene Auflösung der akademischen Ortsgruppe wegen deren antisemitischen Gcbnhrens fand allgemeinen Beifall. Die Angriffe der antisemitisch angchauchten Ortsgruppen ׳Asch und Mödling auf die vorurthcilSfreic und energische Zentralleituug wurden gebührendermaßen znrückgewiesen. Zum Schlüsse sprach unter lebhaftester Zustimmung der Anwesenden Herr Gnndelfinger. Es scheine, sagte er, als ob die Mitgliedcr der akademischen Ortsgruppe keine Ahnung von. der AnschauungS- und Denkungsweise jener Mitglieder des Deutschen Schnlvcreins haben,, welche zufällig den jüdischen Konfession angehören. Mit ihrem ganzen Denken und Fühlen hängen diese an der deutsche, Sache. Insbesondere befremdend wirkt es ans uns die bcrauwachscndc Generation, welche dieselbe Erziehung genossen hat, wie die christlichen Kollegen, wenn wir plötzlich erfahren müssen, daß wir jedes nationalen Gefühls bar sind. So wenig als man einem rechtschaffcncn Manne die Biederkeit absprcchen kann, kann man uns, die wir deutsch fühlen und deutsch sind bis in unser innerstes Mark, das Dcutschthum absprcchen. Ich will .nicht betonen, daß Männer wie Laster und Kuranda für die deutsche Sache gewirkt. Die Hauptsache ist, daß man redlich, treu und offen handelt und sich als Deutscher bekennt. Das mögen sich Jene, welche sich seit einigen Jahren als Gencralpächtcr deS Germanenthums gerircn, gesagt sein lassen. Wir werden treu zum Dcutschthum halten, so. lange ein Hauch uns beseelt. In diesem Streben werden uns jene wackeren Männer bekräftigen, welche nicht zngeben, daß wir Fremde sind auf deutschem Grund nnd Boden, wo wir geboren und erzogen wurden. G. Wien, 20. März. Der hiesige Verein zur Beförderung des Handwerks unter den inländischen Israeliten hatte im Laufe des Jahres 1685 eine Einnähme von fl. 11673,20 nnd eine Ausgabe von fl. 11967,50 zu verzeichnen. Dieser Verein besteht jetzt seit 1642 und hat im abgelaufenen Jahre 814 Jünglingen den Weg zum Handwerke geebnet. So erfreulich diese Thatsache auch erscheint, so vermöchten wir uns derselben und der Thütigkeit des Vereins über- Haupt nur dann zu erfreuen, wenn man die Gewähr hätte, daß diese 614 zukünftigen Handwerksmeister nicht nur zu tüchtigen, braven Gewerbslcnten, sondern auch zu nicht minder tüchtigen, braven Inden Hera ׳!gebildet lverden, insbesondere, wenn der Verein als einen vernehmlichsten Gegenstand seiner Sorge die religiöse Erziehung und Lebensgewöhnung seiner Bencsiziaten betrachten würde. Wir meinen, wenn er dafür Sorge trage, daß die jungen Leute nur in solche Stellungen durch seine Vermittelung gebracht werden, in welchen sie die Gebote der jüdischen Religion gewissenhaft beobachten können, also am Sabbath und Feiertagen nicht arbeiten, koschere Kost empfangen u. s. w. Nach dieser Richtung hin aber wirkt der Verein geradezu im negativen Sinne, und deshalb ist seine Wirksamkeit eine unheilbringende. Es werden durch dieselbe dem Judenthum jahraus jahrein viele Kräfte entfremdet und der Abfall befördert. ||| Storitfdjnii (in Mähren), 17. Marz. Auf ein telegraphisches Dankes- und Vertrauensvotum seitens der hiesigen israelitischen Kultnsgemcindc an den Reichsrathö-Abgeordneten vr. Haafe anläßlich seiner Reichs-