Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1886)
- Article
- Rußland : Petersburg [Nachricht]
- Date
- 1886-03-18
- Page
- 175 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Recht? Darauf gtcbt cs eigentlich eine bestimmte Antwort nicht. Einen recht schlagenden Beweis hierfür liefert ein Buch, welches kürzlich unter den Auspizien des hiesigen Stadthauptmanns erschienen ist und die Gesetze über die Verhältnisse des Aufenthalts der Juden in der Hauptstadt enthält. Da findet sich kein Mensch ans, eine Verordnung wird durch die andere theils modifizirt, theils aufgehoben, die Behörde kann demnach im Grunde thun -was ihr beliebt. Doch ich will auf die Eingangs erwähnten gerichtlichen Entscheidungen kurz znrückkommcu. Ein jüdischer Konditor aus WitebSk, NaincnS Chasanow, betrieb sein Handwerk seit Jahren in Moskau. Er hatte dazu die nothwcndige behördliche Erlaubniß erhalten und war sogar wegen feiner vorzüglichen Leistungen in seinem Metier höheren Orts belobt worden. Es gelang ihn! vor einiger Zeit, eine cigenthümliche Art der Kasfccbcreituug ausfindig zu machen und er beschloß, in seinen; Lokal zu seinen Konfitüren noch eine Tasse Kaffee zu reichen. Er suchte hierzu die behördliche Genehmigung nach und erhielt solche. Eines schönen Tages aber erschien eine Kommission bei ihm und konstatirte diesen öffentlichen, ihm gcstatteten Kaffee-Ausschank. Den Juden ist aber das Schankgewerbe verboten. Vergebens berief sich Ehasonow, daß er ja nur Kaffee, nicht Spirituosen verabreiche und daß ihm hierzu die Erlaubniß geworden war. DaS Gericht erklärte diese letztere für nichtig, weil auf irrthünilichcr Auffassung des Gesetzes beruhend. Der Konditor wurde verurtheilt und der Stadt verwiesen! Ein anderer Fall. In Samara wohnt seit neunzehn Jahren ein Goldschmied und Uhrmacher. Chaskel Gusikow, Israelit und Vater von sieben Kindern. Er ernährte sich redlich und fleißig und war überall wohlgelittcn. Auch bei ihm stellte sich eines schönen Morgens eine Kommission ein und nahm ein Verzeichniß seines Vorraths auf. Da fanden sich denn unter Andern 14 Uhr« ketten, 40 Ubrschlüsscl und 7 Charivari's im Gcsammtwerth von 60 Rubeln. Hatte der Mann diese gestöhlen? Gott bewahre. Aber er hatte sie nicht selbst gemacht. Und ist das ein Verbrechen? Ja wohl. Ein jüdischer Handwerker darf nur selbstgcfcrtigte Sachen haben. Und die Strafen? Schließung des Geschäfts, Ortsverweisuug, Konfiskation der Waarcn! Also: wenn ein jüdischer Konditor seinen Kunden auch eine Tasse Kaffee zum Kuchen giebt,- so betreibt er ein Schankgeivcrbe, und wenn ein jüdischer Uhrn!acher und Goldarbeitcr mit seinen Uhren auch zugleich eine nicht selbstgcfertigte Kette und einen nicht sclbstgefertigten Uhrschlüsscl verkauft, so verfällt er dem Ruin. Bei dem christlichen Konditor und dem christlichen Uhrmacher ist dieses kein Verbrechen. Und da schreit man, die Juden wollen kein Handwerk betreiben!! R u in ä u t e n. .. z. Bukarest, 15. März. Wie lange wird Europa geduldig sich von Rumänien narren lassen? Es hat seiner Zeit auf dem Berliner Kongreß die feierliche Erklärung abgegeben, den Inden die gleichen Rechte der übrigen Staatsangehörigen nicht länger vorzueuthaltcu. In der Kunst der Nabulistik Meister, hat n!an daun erklärt, die Juden seien ״Fremde" und müßten erst natnralisirt werden, was nur durch das Parlament geschehen könne. Es hat darauf hin zugesagt, diese Naturalisation sukzessive vorznnehmeu. Es sind aber seit zehn Jahren nnr 07, sage ''-׳bcnundscchzig, Inden auf deren Naturalisationsgesnch als vollbürtige Rumänen anerkannt worden. Alle anderen Gesuche hat man aber kurzer Hand abgcwiescn lind fährt fort, die Inden nicht nur nicht als Einheimische, sondern als ekles Ungeziefer zu quälen und zu zertreten. Was sott man immer fort unb fort alle Eiuzelheitcu der brutalen und chikanösen Behandlung der Juden in die Oesfentlichkeit zerren? Es nützt nichts. Man scheut nicht das verfallende Urtheil der öffentlichen Meinung. Nur wenn die Garanten des Berliner Kongresses kategorisch die Erfüllung der völkerrechtlichen Verpflichtnug Rumäniens verlangen, kann mau vielleicht auf eine Besserung hoffen. Es ist hier die Nachricht hergelangt, daß die rumänische Judeilfrage demnächst im englischen Parlamente zur Sprache gebracht werden soll. Vielleicht Hilst das etwas — ich bezweifle es. Inserate werden die Uspaltige Petitzeile ״SH •{&>־<& ׳%׳\\ Für den Inhalt derselben übernimmt die oder deren Nanm mit 25 Pfg. berechnet. $|!jj; ׳V5 ־ ד1׳!T f Redaktion keinerlei Verantwortung. Insertions- und Abonnements-Annahme jür Frankfurt a. Dt. auch bei Herrn I. Kaufsmann daselbst, ohne Preiserhöhung יח ככבוד Dauernde יי־ר־י 1 \Qj nj Nalibiucn, Lehrer oder Gemeindef2 ' m Mitglieder, welche Fürsorge für fg ff! brave und fleißige Leute in Deutsch- M m land tragen, werden höfl. um gefl. m m Franko-Anfragen 8ub. Nr. 622 erm pl beten. uj Das ״Centraal-Blad voor Israelieten in Nederland“ zu Amsterdam ist die am meisten verbreitete jüdische Zeitung Hollands. Die Inserate erweisen sich stets als sehr wirksam. Preis derselben 10 Cents pro 4 spaltige Petitzeile. Die Verleger: Van Creveld & (£0. N. Amstelstraat 31.