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Jeschurun · 1886-03-18 · Heft 11 (18.3.1886) · p. 174

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 11 (18.3.1886)
Article
Österreich-Ungarn : Krakau [Nachricht]
Date
1886-03-18
Page
174 (sequence 2)
Language
German
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174 daß man ihnen die Bestätigung des Todcsnrthcils mittheilcn wollte. Ihr erster Weg war zu ihrem Vcrtheidiger Professor Nosenblatt. Der Wagen, der sie dahin brachte, ward von einer unabsehbaren Menschenmenge begleitet, welche sie mit freudigen Zurufen begrüßten. Der Weg vom Gefängnisse bis zur Wohnng des Di׳. Nosenblatt glich einem Triumphzugc. — Wer j entschädigt aber die Aermstcn für die vierjährige schreck-! lichc Kerkerhaft, für die Angst und die Sorge, für die Zer-! rüttung ihrer Gesundheit, für ihren zerrütteten Besitz?'?! Holland. j ש Amsterdam, 9. März. Der verstorbene Herr Oberrabbiner DuSmuS ז״צל von Leenwarden hat als Wunsch hinterlassen, das Obcrrabbinat so rasch als möglich wieder definitiv zu besetzen. (Hier zu Lande ist das intermistische Verwalten erledigter Nabbinatc zum Schaden der ״Jüdischkeit" leider gar sehr im Schwünge; manche amtirendc Oberrabbincr verwalten außer ihrem eigenen Bezirke intermistisch noch Diverse andere Ressortc!) Dementsprechend hat nun die ressortalc Versammlung vom 28. v. M. eine Kommission niedcrgesetzt, welche der Versammlung im Juni dieses JahreS Vorschläge zur Besetzung machen soll, um möglichst noch im Laufe dieses Jahres einen Oberrabbincr zu wählen. In erster Reihe sollen hierfür Landgenosscn in Betracht kommen. -0- Utrecht, 12. Marz. Dieser Tage erlitt unsere Gemeinde einen schweren Verlust durch den Tod unseres Rabbiners Herrn Jakob Hoofiün in dem Alter von nur 39 Jahren. Der Entschlafene war nicht nur hochangeschcn und beliebt bei seinen Gcmcindcmitgliedcrn, sondern mußte sich auch die Hochachtung seiner christlichen Mitbürger zu erwerben. In weiteren jüdischen Kreisen hatte sein Name durch Herausgabe einer jüdischen Geschichte und verschiedener anderer Schriften einen guten Klang. Das orthodore Judenthum vertiert in ihm einen treuen Anhänger und Vorkämpfer. ת״נ״צ״ב״ה Schweden und Norwegen. — Stockholm, 1. Mürz. (״Mg. Zig.") König Oskar von Schweden und Norwegen hat ans lebhaftem Interesse an der Wissenschaft zwei Preisaufgabcn über orientalische Themata von höchster Bedeutung gestellt. Die. Themata sind: l) Geschichte der semitischen Sprachen; 2) Darstellung des Kultarzustandes der Arab.r vor Mohammed. Die Preise bestehen in einer goldenen Medaille im Werthe von 1000 schwedischen Kronen, sowie in einer Geldsumme von 1200 schwedischen Kronen. In der Kommission, welche die cingercichten Arbeiten zu prüfen hat. befinden sich n. A. Geh. Nath Professor Dr. H. L. Fleischer in Leipzig, Professor Di׳. Th. Nö!decke in Slraßburg und D!׳. Karlo Graf Landberg in Stuttgart. Der letzte ist zugleich Sekretär der Kommission. Die Arbeiten müssen vor dem 30. Juni 1888 cingereicht werden und müssen entweder in skandinavischer Sprache oder lateinisch, deutsch, französisch, englisch, italienisch, arabisch abgefaßt sein. Italien. 2 Venedig, März. Aron Briman, der vierfache Renegat ist hier angckommen, und beabsichtigt, sich an den Papst zu drängen um eine Anstellung zu erlaugen. Der Manu ist wahrlich groß in Spitzbübereien. Nachdem seine Nolle als Jude, Protestant und Katholik in Deutschland und Oesterreich ausgcspielt war, ging er nach Konstantinopel und wurde Musclmaunn. Er gedachte hier ebenfalls in Judenverfolgung zu machen, wurde aber ausgewicscn, als er das Blutmärchen zum besten geben wollte. Hier zerriß er ans dem Markusplatz scincu Turban und sandte denselben dem Großvezicr nach Konstantinopel! Er gedenkt, in! Vatikan Studien nach Judenschändlichkeiten anzustellcn. Er wird sich aber irren. Die Kirche wird sich weigern, mit einem solchen Subjekte in Verbindung zu treten. Frankreich. *** Paris. Der berühmte Nomanschriftsteller Alexander Dumas ist als Mitglied der Gesellschaft der ״Jüdischen Studien" ausgenommen worden und hat in einem schönen Briefe an den Vorstand, in welchem er für die Aufnahme dankt, bemerkt, daß er dieselbe nicht durch die Kompetenz in den behandelten Fragen verdiente, da solche ilnn vielmehr adgche, wohl aber vielleicht durch seine Sympathien, die er der Sache zuwcnde. Kerner ist der Deputiere Audrieux, der frühere Polizcipräfekt von Paris, Mitglied geworden. Derselbe hatte sich in letzterer Zeit durch seine antisemitischen Tendenzen berüchtigt gemacht. Vielleicht leistet dieser jüdisch-wissenschaftliche Verein, von dem wir bis jetzt wenig ״jüdisches" rühmen konnten, nach dieser Richtung hin etwas, die Judenfeinde, die ihre Vornrtheile gewöhnlich auS Mangel au Bekanntschaft mit den Juden nicht ablegen, durch den Verkehr mit denselben auch dem Judeuthumc freundlicher zu stimmen. Hüten wir uns aber auch anderseits, durch unsere Berührnug mir Amelck אתר קרך auf unserem Wege nach Erreichung unserer jüdischen Aufgaben unS ״kalt" machen zu lassen. Durch die Angriffe der Judenfeinde werden wir zum זכרו־ zur Erinnerung gebracht, daß wir Juden sind aber לא תשבה vergessen wir auch nicht, wenn wir Ruhe haben werden, daß wir den Amalcksgeist zu tilgen haben, um uns und der Welt das Ideal der נאולה zu bringen. Rußland. .. z. Petersburg, 12. März. Es gelangen recht eigcnthümliche Erkenntnisse der Gerichte in Judenangclegcnheiten zur öffentlichen Kunde, welche die Folge der unsicheren Rechtsverhältnisse der Juden sind und ans die hiesigen Zustände ein charakteristisches Licht werfen. Was ist in Fragen, welche die Juden betreffen,

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