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Jeschurun · 1886-03-18 · Heft 11 (18.3.1886) · p. 173

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 11 (18.3.1886)
Article
Deutschland : aus Baden [Nachricht]
Date
1886-03-18
Page
173 (sequence 2)
Language
German
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173 Gesicht zu schlagen, welche sich so gern darin gefallen, uns eine unverhältnismäßige starke Vermehrung im Vergleich zu der ädrigen Bevölkerung vorznwersen. O e st e r r e i ch - U u g a r n. CD Wien, 11. März. Der berühmte Autiscmitcnhäuptling, Herr Mechaniknö Ernst Schneider, hatte sich gestern vor dem Strafrichter zn verantworten wegen Beleidigung der Baukonunission. Er hatte nämlich auf Mitte Dezember seine Getreuen, die Mit׳ gliedcr des ״Reformvereins", in den Panvramajaa! eingeladen, mii über das Wohl der Menschheit und der Inden insbesondere ernste Bcrathnng zn Pflegen. Einen Tag zuvor aber erklärte die Baukommission, das; der Panoraiuafaal fcner׳ und gcsundheitsgcführlich und deshalb zur Abhaltung von größeren Versammlungen nicht geeignet sei; Herr Schneider wurde von der Behörde veranlaßt, dafür Sorge zn tragen, daß die geplante Versammlung nicht stattfinde. Er wählte zur Erledigung dieser Präsidialpflicht einen eigenen Modus. Er versandte an seine Freunde ein Schreiben folgenden Wortlauts: ״Die ans drei Christen und drei Juden bestehende Kommission hat heute Früh erst den Panoramasaal als fcner- und gesundheitsschädlich bezeichnet Als zur Zeit der jüdischen Feiertage Inden daselbst sich einsanden, wurde kein Anstand erhoben. Freut euch der Gleichberechtigung!" Die Staatsanwaltschaft verstand aber keinen Scherz und war der Meinung, daß Herr Schneider die Mitglieder der'Baukommisnon damit bcleidigt habe. Sic erhob deshalb Anklage und das Ge nicht wollte auch nicht auf den Scherz eingchcn, nahrn keine Rücksicht aus die hohe Stellung eines Antisemitenführers, gab auch dem Verthcidiger und Kollegen des Herrn Schneider, Herrn Advokat Dr. Pattai, kein Gehör und verurcheilte Herrn Schneider zu einer Geldstrafe von dreißig Gulden. Er konnte noch von Glück sagen, daß das Gericht die Ansicht der Staatsanwaltschaft, daß die Baukommission eine ״Behörde" sei, nicht adoptirte, sonst wäre er, wie der Staatsanwalt wollte, auch noch wegen Amtschrenbeleidigcing bestraft worden. 0. Wien, 12. März. Das Präsidium des akademischen Deutschen SchulvcreinS gicbt folgenden Beschluß kund: In Erwägung, daß die Leitung des Deutschen SchulvcreinS nach § 14 der Satzungen der Ortsgruppen zur Auflösung. der Ortsgruppen nach ihrem freien Ermessen berechtigt ist, und in Erwägung, daß der von der Vollversammlung der akademischen Ortsgruppe an: 27. Juni 188“> gefaßte und am 8. Februar 1880 aufrecht erhaltene Blschluß, ״jedem Juden die Aufnahme in die akademische Ortsgruppe zn verweigern", eine Verletzung der Satzungen deS Deutschen SchulvcreinS, insbesondere der §§ 5 und 11, begründet, erkennt daS Schiedsgericht: der Berufung der akademischen Ortsgruppe wider den Beschluß in Betreff ihrer Auflösung wird nicht stattgcgcbcn. R. Prag, 12. März. Es ist mir eine Korrespondeuz zu Gesicht gekommen, welche die ״Bcrl.Krenzztg." von hier über die eines Dieners der ׳Religion gewiß wahrhaft würdige Weise des Auftretens des Abgeordneten 1)1׳. Haase im Reichstage bringt. Dieselbe lautet folgendermaßen: ״Die Art und Weise, wie der aus dem Protcstantcnvercin hervorgegangene Superintendent Dr. Haase von Tesche!׳, vorgestern bei der Verhandlung cineö Antrages auf Einführung der Börsenstcuer im Abgeordnetenhausc das Wort ergriff, um, statt zur Sache zu sprechen, ein stundenlanges Plaidoyer für das Judenthum zu halten, hat in den hiesigen evangelischen Kreisen keinen guten Eindruck gemacht, da die Tendenz einer captaüo benevolent iae der liberalen Wiener Blätter allzudcutlich hcrvortrat und die österreichische Judenschast bei ihrer heutigen Organisation, bei ihren zahlreichen publizistischen Organen und dem Einflüsse der Alliance israelitc wahrlich hinreichend vertreten ist, ״um ans die Fürsprache Dr. Haases verzichten zn können." Ter Korrespondent führt fort, Herrn Dr. Haase den Text zn lesen und ihm vorznwersen, daß er nicht nur bei dieser Gelegenheit, sondern auch in den maßgebenden Kreisen Anstoß erregt habe. Ich hatte Gelegenheit, niich in christlichen Kreisen nmznhörcn und kann dieser Korrespondenz gegenüber nur konstatircn, daß das Auftreten des Herrn Superintendenten Dr. Haase daselbst keineswegs Anstoß erregt har, sowie daß derselbe ein allgemein verehrter und die höchste Achtung genießender Geistlicher ist. Es scheint, als ob der hiesige Korrespondcnt der .Kreuzzeitung vielleicht seine persönlichen Gefühle für die allgemeinen gehalten, oder es für gut befunden erachtet hat, der ״Kreuzzeitung" nach Berlin in demjenigen Sinne zn berichten, wie man vielleicht an der Spree, nicht aber an der Moldau denkt. *||* Pest, 14. März. Von Seiten der Antiscmitcnpartci ist durch Andre an Ski im Reichstage ein Antrag eingebracht worden, welcher eine fortlaufende Vcrbrccherstaustik nach konfessioneller Tabcllirung bezweckt. In der Begründung desselben führt der Antragstcller ans, daß man ein Interesse daran habe, auch vor dem Auslande den Nachweis führen zu können, daß die Verbrechen gegen die Sicherheit deS EigenthumS nicht von Ungarn, sondern von in Ungarn wohnenden Inden verübt werden. Ich glaube, die Juden könnten sich eine solche Statistik gern gefallen lassen. Die Herren Antisemiten aber dürften׳ mit ihren Plünderern und Räubern n s. w. sehr hoch klassifizirt erscheinen. 0. Lcrakau, 10. März. Als die unschuldigen Dulder Moses und Gitcl Nittel vor dem Landesgcrichtsrath Kosizanowski, ivclcher ihnen die Freiheit auzukündigen hatte, geführt werden sollten, glaubten sie..

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