Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1886-03-10 · Heft 10 (10.3.1886) · p. 158

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 10 (10.3.1886)
Article
Österreich-Ungarn : Lemberg [Nachricht]
Date
1886-03-10
Page
158 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2932754-2933154-2933165--21369-2964793
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

158 C. Krakau, 3. März. Eine freudige Nachricht! Die Eheleute Ritter sind soeben ans ihrer fast vier Jahre wahrenden Kerkerhaft entlassen worden. Bier lange, lange Jahre haben die Aermsten in Todesängsten verbracht. Drei Mal hat das kurzsichtige Urthcil der Menschen sie des schauerlichsten Verbrechens für schuldig erachtet und sic dein schmählichen Galgentodc nberantwortct. Drei Mal ist dem Arm des Henkers Einhalt geboten worden, und endlich hat das Recht gesiegt und die österreichischen Gerichte vor einem Justizmorde bc׳ wahrt. Was haben Moses und Gitcl Ritter gelitten, bevor die Stunde ihrer Befreiung geschlagen! — Der Kassationsgcrichtshos hatte das vor den Geschworenen abgegebene Verdikt und die Sache zur erneuten Ver- Handlung in die Instanz verwiesen. Dasselbe hat nunmehr in nicht öffentlicher Sitzung unter Zustimmung des Generalprolnrators die Angeklagten für schuldlos erkannt. Heute haben sic den Kerker verlassen, in welchen! sic seit den 10. März 1882 auf Gottes Hülfe harrten, daß Er ihre Unschuld an den Tag bringe und das Auge des Richters erleuchten möge. Der Name des Herrn sci gepriesen, der den Seufzer der Unglücklichen in schauerlicher Kerkernacht vernommen und sie vom Tode errettet. Diese Freisprechung ist aber nicht nur für die beklagenswerthen Opfer eines Jrrthums ein Segen, sondern für die gesanrmte galizische Jndcnhcit eine Erlösung: ברוך המציל ממות מוציא אסירים בבושרות. F x a 1ו! r c i ch. *** Paris. Herr Ludovic HalLvy, das neuernannte Mitglied der Akademie franraifc, schreibt das Verdienst der großen Anerkennung, die ihm durch diese hauptsächlich zur Förderung des NcligionsunterrichtS verwendet werden. Der Schekel der Juden, die nicht anders gcgählt und gemessen, sondern nur nach dem Gewichte ihrer Leistungen gemustert werden sollen, muß dem Fcuerbilde entsprechend gegeben werden, in welchem Moschch das Modell jüdischer Opfcrfrcudigkeit gezeigt wurde. Verwenden wir ihn zum אשרת, zum Feuergcsctz, das leuchtet und crwärint, damit die ideale Zeit der Bollkonnnenheit erreicht wird, die wir mit den Worten des Mnßaph zu Paraschath Schckalim herbeiwünschen. אור פניך עלינו אדון נסה ושקל אשא בבית נבון ונשא: England. ¥ London, Februar. Die soziale Frage läßt sich nur durch die weitherzigste Menschenliebe lösen. Aber nicht durch jene Humanität, die aus dem Borne des Mitgefühls allein quillt, sondern durch jene Liebe, die das göttliche Gebot anerkennt, das da spricht: Qesfnen sollst Dn, und immer wiederholt öffnen, Deine Hand dem bedürftigen Bruder. Dn sollst ihn unterstützen, wenn er schwach wird, daß er nicht erließe in dem Kampfe uw'" Dasein, daß er lebe.neben Dir, gleichberechtigt rou Du und von Dir geachtet wie Deinesgleichen. Unsere Weisen, ihr Andenken sei dafür ganz besonders gesegnet, haben die Pflicht der Menschenlicbe für die thätige Aeußcrnng genau prüzisirt, indem sie מעשר בספים anordneten, daß ein Jeglicher verpflichtet sei, den zehnten Thcil seines Verdienstes an Aermere zu spenden. Und wahrlich, würde dieses Gesetz allgemein auSgcführt, das drohende Gespenst der Sozialdemokratie würde verschwinden. Im jüdischen Kreise halte es sich ehedem eingebürgert und wesent- Ernennung zu Theil geworden, seinem Vater und j Oheim zu, welche mit einer Aahänglichkeit, die er ׳, nicht nachgeahmt, dem jüdischen Glauben treu gej blieben waren. Erstcrcr. L6ou Halevy, der Verfasser j einer Geschichte der Juden, sowie der letztere, Fromcn-! 1ha! Halvvy, der berühmte Komponist, waren Söhne ' des Elic Halavy. der ein jüdisches NcligionSbnch verfaßt hat. ״Dank diesen Männern", sagt Ludovic, ״habe ich alles leicht gefunden in der wissenschastlichen Laufbahn, die gewöhnlich so nnfrenndlich und rauh ist." — Die I herrschende Tendenz, die Trennung von Staat und j Kirche immer mehr durchznsühren, hat ans der Universität j die Beseitigung des Lehrstuhles für die katholische Nej ligion zur Folge gehabt, an dessen Stelle jetzt die Geschichte aller Religionen und die wissenschaftliche Kritik derselben gelehrt wird. Auch das Quellenstudium der jüdischeu Religion wird dem Programm gemäß gelesen. Es sind mehrere Israeliten als Lehrer dieser Abtheilung ernannt. — Wie die ״Archives Jsr." vernehmen, sollen die für die Konsistorialkasse jetzt gesammelten Gelder lich dazu bcigetragen, den jüdischen Stamm in der Unbill der Zeiten zu erhalten. Und Gottlob, auch heute noch wird selbst von denjenigen, die den Anordnungen unserer Weisen sonst den Rücken kehren und deren Vorschriftcu als unverbindlich erklären, die Menschenliebe noch vielfach im Geiste der Alten geübt. ES verlcngnet sich noch nicht bei ihnen ganz die jahrhnndenlange Erziehung durch die תקנות הז״ל. Darum steht auch Israel heute noch im Kreise seiner Mitbrüder als ein leuchtendes Vorbild wcrklhätigcr Menschenliebe unerreicht da. Die ״Daily News" weisen auf die jüdische Wohlthätigkeit dieser Tage hin, um die Noth zu lindcrn, welche jetzt leider zu so bedauerlichen Exzessen in der brittischcn Hauptstadt verleitet hat. 60 000 Inden I leben in London,׳ davon bedarf über ein Scchstheil der Unterstützung,' und diese wird ihn: von den Glaubensgenossen gern und freudig und reichlich gewährt. Und die enormen Summen, die diese Unterstützung erheischt, werden vcrhältnißmüßig leicht aufgebracht. Die Inden verstehen aber das Wohlthnn, man lerne von ihrem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.