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Jeschurun · 1886-03-03 · Heft 9 (3.3.1886) · p. 142

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 9 (3.3.1886)
Article
Amerika : New York [Nachricht]
Date
1886-03-03
Page
142 (sequence 2)
Language
German
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142 Frnu Piza, hat bereits als ersten Grundstock dafür tausend Dollars gespendet und Herr Rabbiner A. Wise hiersclbst eine ziemlich umfangreiche Bibliothek zum Eigcuthum der Anstalt überwiesen. An der Spitze dcS Seminars wird Herr Rabbiner S. Mora iS in Phi« ladclphia stehen. Außer diesem ruht die Leitung in den Händen der Herren Rabbiner Kohut, -H. P. MendeS und F. De Sola MendeS. Die Eröffnung der Anstalt ist für den 1. Oktober d. I. in Aussicht genomincn. Ich wünschte nichts sehnlicher, als in diesem Werke eine wirkliche Rückkehr zu bcm alten einzigen Juden-- thnm erblicken zu können. Wenn sich in demselben jedenfalls das Erwachen eines bessern Geistes kundgicbt, so läßt sich doch nicht verhehlen, daß leider die rechte Gesinnung auch bei den Begründern lind Leitern nicht zum Durchbruch gelangt ist. Es sprach sich dieses schon bei der konstituirendcn Versammlung aus. Die zur Berathung verstellte Erklärung lautete: Beschlossen, daß cS für die Entwickelung und daS -Heil deS JudenthumS in diesem Lande unabweisbares Bedürsniß ist, ein Seminar zur Heranbildung von Lehrern für die kommende Generation zu griinbcn und zwar in liebercinstinunung mit dem Geiste deS konservativen JudenthiunS. Dagegen erhoben sich ]d)0n mit aller Energie die Rabbiner Kohut und A. Wise und verlangten die Streichung dcS Wortes ״konservativ", weil das Seminar nicht gegen die Refortn, sondern nur gegen die Ultraradikalen Stellung nehmen solle. Man könne nicht zwischen orthodoxes, konservatives und liberales Indenthnm einen Unterschied machen. ES bedurfte deS machligeu Eintretens deS Herrn MoraiS, um das Wort ״konservativ" zu retten. Herr MoraiS erklärte, er rvürde von dem Werke znrücktrcten. wenn dieses Wort fiele. Mau müsse das Banner deS traditionellen historischen IudcuthumS nicht als KricgSzeichen gegen die Glaubensgenossen, sondern als die Standarte unserer zukünftigen Rabbiner entfalten, so daß nur solche Schüler zugelassen werden könnten, von welchen mau erwarten dürfe, daß sie die in dieser Hochschnle gepflegten Grundsätze weiter in die Gemeinde tragen werden. ES gebührt gewiß Herrn MoraiS volle Anerkeunnng für dieses mannhafte Auftreten. Ich frage aber, was nützen Worte, wenn die THaren fehlen? War cS denn nicht ein äußerst geringfügiger Sieg, den Herr MoraiS durch die Rettung dcS Wortes ״konservativ" in der Resolution davontrng, wo man cS nicht wagt, dann diesen Charakter dcS ״KonservatiS׳ mus" dem Namen der Anstalt bcizulcgcu'? DaS ist ein Spiel mit Worten. Die Gegner gaben Herrn MoraiS nach in der in den Akten begrabenen Nesolution und merzten daS Wort ״konservativ" in dem bleibenden Namen des Seminars aus. Wer ist hier der Sieger? Dann aber ferner. Wer ist Herr Dr. Kohut, welchem neben Herrn MoraiS oder vielleicht gar noch vor diesem die eigentliche Einrichtung und Leitung dcS Seminars übertragen ist? Rabbiner einer ausgesprochenen Neformgeineinde, der fortwährend durch die That bei der Reform ministrirt und sie somit anerkennt. Ist ein solches Gebühren ein mustergültiges Vorbild für die zukünftigen Rabbiner? Angenommen,. daS Seminar stellte sich ganz ans den Boden deS traditionellen Inden thumS und bildete in diesem Geiste seine Zöglinge ans. Lernen diese denn nicht auS dem Beispiele eines der hervorragendsten Begründers und Leiters, daß mau um schnöden Erwerbs die Grundsätze dcS traditionellen IudenthnmS durch die That ver-- leugnen könne? Rein, und abermals nein! Wollen Sie, meine Herren, in Wirklichkeit die anierikanische Indenhcit retten, so haben Sie den Mnth, daS traditionelle Iudeuthum voll und ganz durch Rede und Beispiel zu bekennen. So treten Sie, Herr Di׳. Kohut, von ihrem Reformrabbinate zurück, falls Ihre Gemeinde sich in Ihren Institutionen nicht zu dem traditionellen Iudcuthum bekennen und von den Hübsch'scheu Reformen lassen will, so bekennen Sie, meine Herren, offen und ehrlich: cS gicbt nur ein Iudeuthum, das traditionelle — jedes andere ist kein Iudeuthum. Mimte Irriuip. 330!! Samuel Bert hold Nosner. 'w'v־' . (Olde Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Würde Rafael zum Aberglauben iuklinirt haben, so hätte er diesmal begründete Ursache gehabt, eine böse Vorahnung zu fassen, denn kaum hatte er zu sprechen aufgehört, als er einen so heftigen Stoß in den Rücken bekam, daß er ins Wanken gcrieth und schier vom Sessel Herabsiel. Als er sich ärgerlich und überrascht nach der Ursuchc der Erschütterung umschaute, machte er die Erfahrung, daß diese von seinem lieben Freunde Leo herrühre. Leo war nämlich blitzschnell aufgesprungen und hatte in der fieberhaften Hast seinen Sessel sortgesloßcn, welcher denn auch mit großer Wucht gegen den Rücken Rafaels polterte. Jetzt stand Leo mit feierlicher Steifheit da in seiner ganzen Höhe aufgerichtet und neigte den Kopf so graziös, wie ein dressirtcr Pony, wenn ihm sein Herr und Meister zum Beschluß der Vorstellung zuruft: ״Kompliment!" Dieses! Kompliment galt aber dem Herrn Doctor juris! utriusque Richard Friede, welcher 6n kumille im - Gesichtsfelde der Veranda aufgetaucht war. Auch Rafael! und MoscS lüsteten die Hüte, nur daß Erstcrer den! seinigen um ein Beträchtliches höher hob als Letzterer.! Herr Doktor Friede war ein gedrungenes, mittel-

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