Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : Prerau [Nachricht]
- Date
- 1886-03-03
- Page
- 140 (sequence 2)
- Language
- German
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140 so scheint aber doch gerade das einzig richtige Mittel,! den Hetzereien ein Ende zn machen, nicht angewcndet! zu sein. Das trotz seiner Absurdität geglaubte (Gerücht mußte amtlich widerlegt und als erlogen nachgcwiescn werden. Würde man den )!amen sarnmt dein Nationale und der Pcrsousbcschreibung des Mädchens veröffentlicht und dasselbe aufgeforscht haben, so hätte sich leicht Nachweisen lassen können, wo sich die Abgängige befindet. Das Dienstbuch liegt bei der städtischen Behörde; demselben ist also zn entnehmen, wohin das Mädchen zuständig ist -und wo ihre Eltern sich befinden. -Hätte das Frauenzimmer einen Diebstahl begangen, dann wäre sic genug steckbrieflich verfolgt und polizeilich ausgeforscht worden. Ebenso leicht konnte dies im vorliegenden Falle geschehen, zumal das Mädchen wahrscheinlich keinen Grund halte, sich zu verbergen oder ihren Aufenthalt zu verheimlichen. A. Prestburg, im Februar. In aller Stil!!- hat der k. ungarische Untcrrichtsministcr den Staats- Mittelschulen eine Verordnung zngeschickt, welche von höchst trauriger Wirkung für das gcsetzcstrene Indenthum ist. Besagte Verordnung verbietet kathcgorisch. das; das Schreiben am Samstage der an solchen Schulen studircndcn jüdischen Jugend unter keiner Bedingung erlassen werde. Ausgenommen sind blos Söhne von Rabbinern oder solche Jünglinge, die sich der rabbinischen Laufbahn widmen. Wie schwer die Erweisbringung für Letzteres ist, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. Wer demnach nicht das Glück hatte, als Rabbi 11 crssohu das Licht der Welt zn erblicken, ist ge- ,zwangen מהלל שבת בפרהסי,׳ zu sein. Wie benimmt sich aber unsere orthodoxe Durchführungs-Kommission diesem Erlasse gegenüber? —- Bisher hat sic in dieser Angelegenheit noch kein Lebenszeichen von sich gegeben, wenngleich sie seitens der hiesigen orthodox-israetitiichen -Lnltusgemeinde zu einem energischen Vorgehen gegen diese in unsere heilige Religion so scharf einschneidende Maßregel ernstlich aufgcfordert wurde. Und die Eltern? Viele von ihnen scheinen die Wichtigkeit des ישבת gar nicht zu verstehen, denn sie schauen gleichinülhig zu, wie ihre Söhne am Sabbath schreiben, und betrachten dieses als eine גזרה, gleich als ob das Studieren an einer solchen Anstalt eine 'הלבה למשה מבתי Iväre. Wahrlich, düstere Zustände! Wann wird das orthodoxe Judenthum und mit ihm sein Zentralorgan, — die jüdischorthodoxe Durchführungs-Kommission — endlich aus der Lethargie erwachen und sich zun: unerschrockenen Vorgehen anschicken?.Was wurde nicht im benachbarten Oesterreich alles angcwendct, um ähnliche geplante Vcr^ ordnungcu;a hintertr,eibcn, während das orthodoxe Iudenthnm in Ungarn dieses Alles so ruhig, ja mit unsäglichem Gleichmuthc, über sich ergehen läßt. Wir sind zwar keine Pcssinckstcu, aber wohin soll cs nach menschlicher Berechnung mit dem Iudenthnm kommen, wenn cs so fortgeht? 'עת לעשות לו־ Wahrlich, es ist höchste Zeit! d>. I\ Ans Ituftavit, 26. Febrnar. Die Ercignisse, die sich in Papa adspiclen, werden mit allgcmeinem Interesse verfolgt. In dieser Gemeinde waren von scher ncologe Vergewaltigungen an der Tagesordnung. Doch immer, lvie auch diesmal, war der Sieg bei den Orthodoxen. ׳Abgesehen davon, daß die Papacr Vorgänge den klarsten Beweis liefern, das zielbewnßtcs, energisches Vorgehen an kompetenter Stelle immer unsere gerechte Sache zum Siege bringen, gewinnen dieselben noch inehr Tragweite in Anbetracht dessen, daß die sonst schlummcrnbe Durchsührungö- Kommission wieder ׳einmal ihres Amtes waltete und zwar auf Geheiß des Ministers. Wir wollen auch Herrn )!eich die vollste Anerkennung für sein energisches Einschrcircn nicht versagen. Aber umsonichr tritt in uns das schmerzliche Gefühl zu Tage, was diese an der Spitze der ungarländischcn Orthodoxie stehende Institution leisten könnte, wenn ihr eine durchgreifende Reorganisation zn Theil würde. Vergebens harren wichtige Fragen ihrer Erledigung. Es findet keine Nabbincr Versammlung statt. Die Entwickelung der Dinge wird sich selbst überrlassen, wenn dieselbe auch zu unliebsamen Reibungen führt, die vermieden werden könnten und nrüßten. Der Vorschlag einer ״Vorkonferenz", sowie der Bestellung eines zweiten Präsidenten der Durchführungs-Kommission, scheint ganz im Sand zu verlausen. Wir haben zu viel Achtung vor Herrn )!eich und eine zu hohe Meinung von seinem Eifer für die orthodoxe Sache, um nicht auuehmen zu sollen, daß er auf Anregung von befugter und berufener Seite in eine Reorganisation eiuwilligeu würde. Möge׳ es unseren Rabbinern gelingen. Ordnung in diesen Augelcgcnheitcn zn bringen und dadurch die Orthodoxie nach Innen und Außen zu stärken. * Hol lisch (Ungarn), 26. Februar. In dem zwei Stunden von hier entfernten Orte Ehepanov wurde am vorigen Freilag an dem daselbst wohnhaften <»5,jährigen S. Frankl ein Raubmord verübt. Zwischen <> und 7 Uhr Abends drangen die Thäter in das Lokal des Genannten, erschlugen ihn und rafften sämmtliches Baargeld in der Höhe von mehr als tausend Gulden zusammen. ׳Nachdem die Mörder ihre ruchlose Thal vollendet hatten, übcrgosscn sic den Leichnam mit Petroleum und steckten dasselbe in Brand. Als man der lodernden Flammen ansichtig wurde, war von den Mördern keine Spur mehr zu entdecken. (N. fr. Pr.) K. Papa, Ei,de Februar. Samstag, bcu 21).!. M. war unsere Gemeinde der Schauplatz freudiger Erregung. Polizeilich würben die Schlüssel unseres Gemciude-Lokals dem von der Durchführungs-Kommission