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Jeschurun · 1886-03-03 · Heft 9 (3.3.1886) · p. 139

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 9 (3.3.1886)
Article
Deutschland : Rogasen [Nachricht]
Date
1886-03-03
Page
139 (sequence 2)
Language
German
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139 Beisammensein, wobei es an Gesangsvorträgen, ernsten! und heiteren Toasten nicht fehlte, gab;um Schlüsse j Zeugiliß von den freudigen Gefühlen, welche die Gej meindcvertretuug ob der getroffenen-Wahl erfüllte. Wir : hoffen, daß Herr Noscnthal den Fußtapfen seiner großen Vorgänger zu Erhaltung und Belebung des echtjüdischcn Sinnes für Thora und Aboda folgen wird, damit seine Amtsführung unserer altehrwürdigcn Gemeinde und dem Judcuthumc überhaupt zum Vorthcilc sei. v. Gvtlnb (Wcstpreußen). Bon dem Ausweisnugsbefehlest der hiesige Kaufmann Simon nebst seiner Familie sehr schwer betroffen worden. Derselbe stammt aus Rußland, wohnt aber schon seit laugen Jahren hier und hat eine Deutsche gehcirathct. Er hat außer seiner Familie, welche aus sechs Kindern besteht, auch seine greisen Schwiegereltern mit ernährt. .JB. Biblis, 26. Februar. יציאת צדיק מן המקום עשח רושם. Das Scheiden eines Frommen aus einem Orte läßt eine fühlbare Lücke zurück. Die Wahrheit dieses Ausspruches sollen auch wir tief emfiuden, denn ein צדיק hat uns verlassen, um einzugehen in die lichten Höhen der Ewigkeit, um mit dem Allvater, den er auf seiner irdischen Laufbahn so sehr geliebt und dem er sein Leben, seine Kruft und seine Thätigkcit geweiht hatte, für immer vereint zu sein. Rabbi Salomou Bodcnheimcr נ׳ע, dem erst kürzlich seine Gattin entrissen wurde, הנאהבים והנעימים בחייהם ובמותם לא נפרדו, wurde vergangenen Mittwoch unter großer Betheiligung aus Nah und Fern zu Grabe getragen. Ein Führer voll heiligen Ernstes, voll inniger Frömmigkeit ist mit seinem Hingang aus unserer Mitte geschieden. Wie verwaist stehen wir da und blicken traurig nach der Stätte, wo der Fromme gelebt und gewirkt. Wohl selten findet mau eine solche Tugcudmlle und Hcrzensgüte, wie sic der Verewigte in sich vereinigte. Stets hatte er das Wohl der Gemeinde und deren Schule, denen er' eine lange Reihe von Jahren Vorstand, im Auge. Als ein nie fehlender Besucher des ב׳ה׳ב fand fein liebevolles Auge die dort harrenden Armen, die er erquickte und im reichlichsten Maße unterstützte. Er liebte und unterstützte die Thorabeflissenen und war im sozialen Leben ein Muster der Philantropie gegen Jedermann, ohne Unterschied der Konfession. Darum hat er sich auch in unserer Mitte unvergeßlich gemacht, sein Andenken wird ein nie-verschwindendes sein. Möge der von ihm gestreute Samen zu den besten Früchten reifen, sein edler Geist in unserer Mitte stets fortleben, dann werden ihm statt der leiblicheu Nachkommen, die ihm im Leben versagt waren, der geistigen viele erblühen עיקר תולדות של צדיקים הם מעשים טובים und sein edles Wirken sichert ihm Andenken ein bleibendes ת׳נ׳צ׳ב׳ה. * Von der russischen Grenze, 20. Februar. Der polnische Kaufmann Jankel Feinstein. der in den Grcnzdörfern des Kreises Lyck bedeutende Thcelager Hai, die von Schmugglern sodann nach Dombrowa und Snchawolla gebracht werden, ging in der vergangenen Woche nach seiner Heimath, um von seinen Thcilhabern Geld;11 holen. Da er lange ausblieb, so stellte man Nachforschungen an, welche ergaben, daß Jankel sich unterwegs einen Polen gcmiethet hatte, der ihn bis auf die Preußische Grenze fahren sollte. Von hier ab fehlte jede Spur von dem Kaufmann, der im Besitze von nahe 10 000 Rubel gewesen sein soll. Endlich legte sich die Polizei ins Mittel, und sic fand, daß der Bauer den Kaufmann ermordet und ihn seines Geldes beraubt habe. Von dem Gelde wurde noch ein Theil vorgefundcn. Oesterreich-Ungarn. Prerau, 23. Februar. Die Hetzereien mit Hülfe der blödsinnigen Erfindung von einem abgeschlachteten Dienstmädchen, dauern trotz der strengen Aufsicht der Polizei und Gendarmerie noch immer fort. So fand man nach dem ״Mährischen Korrespondenten" aufreizende Plakate mit dem Bilde eines Frauenzimmers, das wahrscheinlich das angeblich ermordete Dienstmädchen vorstclleu sollte. Heute sind uns aus Prerau Mittheilnngen;.!gekommen, aus denen hervorgeht, wie leichtsinnig und gewissenslos der Sachverhalt, der dem Vorfälle zu Grunde lag, entstellt worden ist. Das Gerücht, daß das Dienstmädchen des Oberlehrers Pollak verschwunden und augcblicheriveise ermordet worden sei, verbreitete sich Montag den 15. d. Aber das Mädchen war nicht erst, nnc es anfänglich hieß, feit dem vcrgaugencn Samstag abgängig, sondern cs hatte schon fünf Wochen vorher, am 10. Januar d. I. seinen Dienstplatz im Pollak'schen Hause unter Nücklassnng ihres Dienstbuches verlassen, das dann zwei oder drei Tage später von Frau Pollak beim Gemeiudeamte deponirt worden war. Fünf Wochen lang kümmerte sich Niemand um das Mädchen, und Niemand zweifelte daran, daß es dnrchgegangen sei. Auch scheinen seine Anverivaudtc cs gar nicht vermißt zu haben und vielmehr recht gut zu wissen, wo sie sich aufhält, denn nicht die Mutter des Mädchens war es, die sich Montag den 15. d. im Geschäfte der Frau Pollak nach ihr erkündigte, sondern ein ganz fremdes Weib, welches dem Dienstmädchen angeblich ein Wintertuch geliehen hatte und für dasselbe von Frau Pollak einen Ersatz verlangte. Als ihr das natürlich verweigert wurde, fing sie vor dem Hause zu lärmen und zu schreien an und gab dadurch Anlaß zu den Ansammlungen der Menge und zu dem Eutstehen des die ungebildete Klasse allarmirendeu Gerüchtes. So anerkcnnenSwerth auch das energische Einschreiten der städtischen Behörden war.

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