Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1886-03-03 · Heft 9 (3.3.1886) · p. 134

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 9 (3.3.1886)
Article
Juden in der Wüste Sahara
Date
1886-03-03
Page
134 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2932754-2933154-2933164-2964642--21269-2964698
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

134 auf welche sie stolz wären, und erkundigten sich bei Reisenden nach den Juden anderer Länder. Bleie von ihnen waren Handwerker und Bauern, eine große Anzahl aber Krieger, welche au den früher» Strcifzügcn in benachbarten arabischen Staaten thcituahmen. Man-klungen. von Friedrich R o t t. (Nachdruc! verboten.) (Fortsetzung.) ״Ich glaube wohl zu thun, die Beantwortung dieser Frage meinem Manne zu überlassen. Er sprach davon, im Laufe der nächsten Woche Euch einen Besuch abznstattcn." ״Herr Doktor Wiesenhein wird mir willkommen sein. Doch thätcst Du vielleicht wohl daran, ihn im Vorhinein über meine Gesinnung in Kenntnis; zu setzen." ״Werde nicht ermangeln. — Obgleich es im Grunde überflüssig ist, Herr Doktor Wiescnhein kennt Deine Gesinnung wie ich sic kenne. Hast Du ihr auch bisher nie in Worten Ausdruck geliehen, so hat doch Deine Stimmung, Dein ganzes Wesen dieselbe verrathen. Ich will Dir jedoch nicht verschweigen, daß ich fest überzeugt bin, der Vormund Deiner Tochter wird deren Umgang mit dem jungen Manne nicht billigen und wird mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln ihn zu Hintertreiben wissen." ״Mit welchem Rechte'?" fuhr Adele auf, ״wenn ich, ihre Mutter, nichts dagegen habe." ״So ist der Vormund um so mehr verpflichtet, Ruf und Ehre seiner Mündel zu wahren." ״Hai" rief Adele mit blitzenden Augen, so übersetzest Du Deine Lehren ins Praktische'? Das heißt bei Dir Frau.eneinanzipation? — oder gilt Deine Theorie nur für die ärmere Klasse, aber die Vornehmen, die Neichen, die dürfen nicht frei sein, die dürfen nicht nach eigenem Ermessen handeln, die müssen sich vom Vormund am Gängelband leiten lassen." ״So lange sie unmündig sind allerdings," erwiderte Frau Doktor Wiescnhein achselzuckend. ״Später, wenn sie ihre Großjährigkeit erreicht haben, können sie handeln nach eigenem Belieben. — Aber, theuerste Adele," fuhr sie herzlich fort, ״bist Dn denn nicht überzeugt, sichst Du eS denn nicht ein. daß sowohl mein Mann als ich nur das Beste Deiner Tochter wollen und Dein eigenes?" Aber Adele kräuselte die seinen Lippen, ein unverkennbar zweifelnder Ausdruck lag auf ihrem Angesicht. Minna jedoch schien dieses Mißtrauensvotum nicht zu bemerken und noch inniger, noch' herzlicher fuhr sie fort: ״Du bist meine beste Freundin, Adele, ja beinahe die Einzige, die ich als Freundin betrachte, die ich als Freundin in das Innerste meines Herzens geschlossen. ES würde mich daher unsäglich schmerzen, von Dir verkannt zu werden. Darum bitte ich Dich inständigst, bitte Dich um unserer langjährigen Freundschaft willen, betrachte die Sache doch einmal von unserem Standpunkte aus. — Du bist so rein, so harmlos, bist, obgleich Mutter einer nahezu erwachfcneti Tochter, doch selbst noch so jung und in gewisser Beziehung unerfahren, daß Du die Gefahr übersiehest, die der wochenlange Umgang eines jungen Mannes für ein junges Mädchen in sich schließt." ״Bella ist rein und lauter wie Gold." ״Gewiß, wer zweifelt daran? — Aber Bella ist jung, sehr jung; — und außerdem ist sie schön/׳ wunderbar schön und voll Liebreiz. Was nun ihren Schützling betrifft, so kenne ich ihn zwar nicht näher, aber so viel ich sehe, ist er ebenfalls jung, hat ein nicht uninteressantes Acnßere, der Arm in der Schlinge verleiht ihm iu den Augen seiner Pflegerin sicherlich auch einen Reiz. — Beste Adele, bedenke doch, der stete Verkehr so junger Leute mit einander — was soll dabei herauskommen?" ״Was dabei herauskommen soll?" wiederholte Adele spöttelnd. ״Sage mir doch, Du strenge Sittenrichterin, wenn Ihr in dem Verkehr meiner Tochter mit einem jungen Manne so große Gefahren erblickt, wie konnte ihr Vormund eS denn nicht nur gestatten, wie konnte er es sogar veranlassen, daß im Frühling ein junger Mann nahezu zwei Monate der Hausgenösse seiner Mündel war?" Frau Doktor Wiescnhein erröthete. ״Aber, liebe gute Adele, wie kannst Du nur so reden! — Mit unserem Alfred ist es doch ganz 'was Anderes; er ist init Deiner Tochter, ich möchte fast sagen, zusammen erzogen, liebt sic wie die eigene Schwester. Harmloseres läßt sich nicht denken." ״Der Unterschied will mir nicht einlenchten. Alfred ist ein junger Mann, Herr von Mühlcr ist ein junger Manu. So wenig Anstößiges Ihr in Eures Alfreds Aufenthalt bei uns fandet, so wenig Anstößiges finde ich in Herrn von MühlerS Gegenwart." ״Unbegreifliche Verblendung!" rief Minna köpfschüttelnd, ״aber wenn nun die jungen Leute sich in einander verlieben?" ״So würde ich selbst darin kein Unglück erblicken." ״Adele! ist das Dein Ernst?" ״Mein vollkommener Ernst. Herr von Mühlcr ist ein fein gebildeter junger Mann, hat nicht nur ein interessantes Acnßere, sondern auch ein sehr iuteressantcS Wesen. Er ist von sehr guter Familie, der Name von Mühlcr kann Dir nicht unbekannt sein. Was seine pekuniären Verhältnisse betrifft, so scheinen die-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.