Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1886-02-25 · Heft 8 (25.2.1886) · p. 122

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 8 (25.2.1886)
Article
Deutschland : Würzburg [Nachricht]
Date
1886-02-25
Page
122 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2932754-2933154-2933163--21216-2964611
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

122 M. Ansbacher, welcher hochbctagt am Mittwoch von seiner irdischen Lansbahn abbernfcn worden, zu Grade geleitel. Brrrgpreppach, 18. Februar. Heute wurde Zinn Nachfolger unseres verlebten Rabbiners Abraham Hirsch נ״ע -Herr D1\ -Hermann Deutsch erwählt. O e st e r r e i ch - U n g a r n. K. Wien, Februar. Wer die Schule hat, dem gehört die Zukunft, darum erscheint die Zukunft gar nicht so rosig, wie Viele gern glaube». Das Gift des Antisemitismus hat die Schule, die Jugend, und zwar die Hochschule und die akademische Jugend, zum Theil insizirt. Wer will den! Kontaginm in seinen verheerenden Wirkungen Einhalt gebieten? Leider ist cs das österreichische Deutschthum, welches dem Antisemitismus sichtlich Vorschub leistet. Man will vergessen machen, welche Dienste Inden um die österreichische Wissenschaft erworben. Oder nein; sollten nicht gerade diese Dienste die Ursache der antisemitischen Propaganda im Kreise der Gelehrten und der Studenten -sein? Die ärztliche Gesellschaft will fernerhin reinen Juden aufnchinen. Die akademische Ortsgruppe des deutschen Schulvereiuö will fernerhin keine Inden aufnehmeu. In Folge dessen hat die Zentralstelle erklärt, daß sie die akademische Ortsgruppe fernerhin nicht mehr als zu sich gehörig betrachten könne. Das gcnirt aber die nberzeugungStreucu Studenten nicht. Sie haben Herrn Ritter von Schönerer zu ihrem Schutzpatron erkoren und halten treu zu ihm in ächt antisemischrr Gesinnung. -- Preran, 18. Februar. Hier war vor einigen Tagen daS alberne Gerücht verbreitet, daß im Hause eines Juden ein Mädchen zu rituellen Zwecken geschlachtet worden sei. Das Gerücht verbreitete sich unter der ungebildeten BcvölkerungSklasse, und-bald wurden nicht bloS Details des angeblichen Mordes erzählt, sondern es wurde sogar behauptet, der Leichnam des ermordeten Mädchens sei in dem Keller des bctreffenden HanseS gefunden worden. In Folge dessen fanden Ansammlungen vor dem Hause statt, die Menge redete sich durch gegenseitige Mittheilung der absurbesten Ersindnngen in eine, gewisse Aufregung hinein. Um aber eine Wiederholung dieser Ansammlungen zu verhindern, schritt die städtische Polizeibehörde dagegen ein, und die Menge zerstreute sich, ohne daß cö zu irgend einer Ausschreitung gekommen wäre. Uebcr die Entstehung des erwähnten Gerüchtes wird der ״N. Fr. Pr." geschrieben: Die Familie des israelitischen Oberlehrers Pollak, der seit länger als zwanzig Jahren in Prcran thätig ist, hatte eine Dicnstmagd, welche sich am letztverflosscnen Samstag unter Mitnahme ihrer Effekten und unter Rücktassung dcö Dienstbuches ans dem Dienstorte heimlich entfernte. Frau Pollak zeigte dicö unter Deponirung des Dienstbuches der Polizeibehörde an, und es wurde sofort die HeimathSgcmeinde des entwichenen Dienstboten hiervon verständigt und aufgefordcrt, bckanntzugeben, ob der Dienstbote sich nicht etwa nach Hause zu seinen Eltern begeben habe, was aber nicht der Fall war. Die Mutter des Dienst- Mädchens niachte sich Sonntag früh auf den Weg nach Prerau und begab sich dortselbst zur Polizei, wo ihr bedeutet wurde, ihre Tochter sei ans dem Dienste entwichen, und sie möge sich um die Ursache der Entweichung bei der Dienstgcberin erkundigen. Daselbst wurde dem Weibe gleichfalls bedeutet, daß ihre Tochter ans dem Dienste ohne Grund entwichen sei. Dies wollte aber das Weib nicht glauben, sondern behauptete steif und fest, man habe ihre Tochter ermordet und deren Leichnam im Keller verscharrt. Das Weib verfügte sich sodann weinend ans die Straße, wo sich sofort Leute um sie sammelten. Dadurch entstand eben das Gerücht von einem rituellen Morde und wurde mit Blitzesschnelle in der ganzen Stadt verbreitet. Durch das rasche und energische Eingreifen unserer SicherhcitSbehörde ist aber eine weitere Wirkung des Gerüchtes glücklich verhütet worden. *||* Pest, 15. Februar. Unsere antisemitischen Parlamentarier lassen keine Gelegenheit Vorbeigehen, um ihrer Galle eine Erleichterung zu verschaffen. Am 12. d. M. stand in dein Reichstage bei dem Budget des Kultusministeriums die staatliche Snbvcntionirnng der verschiedenen Kulten zur Berathung. Für den jüdischen verlangte die NegierungSvorlagc die Summe von 5000 Gulden. Das verletzte den patriotischen Antisemitismus. WaS. schrie da Andrcanski, die Inden auch noch snbventionircn! Nicht genug, daß sic unsere Schulen mit ihren Sprößlingen überfüllen? Sie haben ja das Geld, mögen sic selbst für sich sorgen. Sic sind wie der Kukuk, der seine Eier in das fremde Nest zur Ansbrütung legt! Andrcanski führt diesen ornithologischen Vergleich mit vielem Behagen breit aus unter obligatorischem Schimpfen auf die Kukuks- Inden. Franz PnlSki unternahm cö, den heißspornigen Nirt.-r von der Judenhatz zu züchtigen. Er wieS dessen taktloses, intolerantes und ungerechtes Gebühren unter lebhafter Zustimmung deS HanseS zurück. — Auch der gefeierte Erdöl! ist aus dem judenscindlichcn Schriftstellerverein ausgetreten. Derselbe zählt jetzt wohl kein einziges Mitglied von einigermaßen Ansehen. — Nach den KonskriptionSlistcn befinden sich in der Armee drei Prozent Juden. * Pest, 17. Februar. Im Neichtagc wird morgen der Abgeordnete der Stadt Arad, vr. Max Falk, über folgenden Vorfall, der sich in der genannten Stadt zugetragen hat, eine Interpellation an den Minister des Innern richten: Bor einigen Tagen geschah es,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.