Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1886)
- Article
- Aus der Amsterdamer Gemeinde
- Date
- 1886-02-25
- Page
- 118 (sequence 2)
- Language
- German
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118 geben, weil wir der Gemeinde verantwortlich sind, > doch wir wollen eine halbe Stunde Panse machen, um! zu überlegen, was wir thun sollen." — ״Jetzt sehe 'י ich." sagte der Maire, ״was für Leute ihr seid, und j was für Sachen ihr treibt. Ich warne euch jedoch,! verlasset diese Versammlung nicht, cs könnte sonst schlecht für euch ablausen." — Es half jedoch nichts, sie gingen fort. Als sie jedoch an das Gittcrthor kamen. stellte sich der Onderschont S1 o l t m a n n ihnen entgegen, sie gingen darauf in die Versammlung zurück und gaben ihre Zustimmung. Der Maire wollte jedoch Satisfaktion haben, weil ihnen seine Bürgschaft nicht genügt hätte. Die Paruassim traten nun für sie ein und baten den Maire, sie zu schonen. דוד פעללימאז bat um Entschuldigung, die ihm der Maire auch gewährte. Man ging dann an die Arbeit und der Maire verließ die Versammlung. und begab sich zu David Salomous, bei welchem er eine Erfrischung nahm und eine halbe Stunde blieb; als er sich in seiner Equipage entfernte, hatte sich eine Menge Volks angesammelt und sie riesen: ״Hurrah, Daendcls! Hurrah, der 12. Juni! Hurrah, die ganze Negierung! Hurrah, unsere lieben, gesegneten Parnassim!" —׳ Die Abrechnung dauerte bis zehn Uhr Abends. Nachdem sie beendet, wurden die Manhigim durch mehrere Paruassim nach Hause begleitet, damit ihnen unterwegs nichts Unangenehmes widerfahre. Donnerstag, 5. Juli, wurde in allen Synagogen bekannt gemacht, was Paruassim von den geivesencn Manhigim empfangen hatten; eö war daraus ersichtlich, daß ein Defizit von 2000 fl. vorhanden war. Wohl hatten Manhigim verbreitet, daß während ihrer Bcrwaltunq 10 000 fl. erspart worden seien, doch wenn man seine Schulden nicht bezahlt, dann ist es keine Kunst, Ersparnisse zu machen. Zinsen hatten sie nicht bezahlt, die Vcrtheilung an die Armen nicht besorgt. Das belief sich ans zusammen 12000 fl., so daß ein Defizit von 2000 fl. entstanden ist. Auch ersuchten Paruassim durch Abkündigungen, daß mau über alles Vorgefallcne nicht mit einander streiten, daß mau vielmehr darnach streben solle, den Frieden zu bewahren. Am 10. Juli mußte ein Volksvertreter gewählt werden, und cs ging bei der Wahl sehr heiß zu. Eine Partei wollte wieder de Lemon wählen und setzte in den verschiedenen Wahlabtheilungen Alles ins Werk, ' um ihren Kandidaten zum Siege zu verhelfen; sie agirte so stark, daß Abthcilungen, die um acht Uhr des Morgens geöffnet wurden, erst um vier oder fünf Uhr Nachmittags schließen konnten, in anderen, die um vier Uhr Nachmittags geöffnet wurden, waren die Abstimmungen erst des anderen Morgens um drei oder vier Uhr abgclauscn. Die Lcmon'sche Partei konnte jedoch nichts ausrichtcn, die unsrige hatte 31 Wähler. Freitag, 13. Jnli, mußten diese zur Wahl eines Abgeordneten schreiten. Von Seiten der Anhänger der Alten Gemeinde wurde das Resultat mit Spannung erwartet, da unsere Wähler auf drei Distrikte vcrtheilt waren und mau deshalb befürchtete, daß de Lemon doch noch gewählt werden könnte. Aus Anordnung des OberrabbinerS begann mau erst um acht Uhr mit Maariw, weil die Wähler in den Abtheilungcn schreiben mußten. Am heißesten ging es in dem Distrikte von גער בועז zu, Moses Asser wollte diesem sogar zu Leibe. Doch Alles war umsonst, auch in diesem Distrikte wurde de Lemon nicht gewählt. Man kann sich denken, welche Freude darüber herrschte, daß de Lemon, der Bedrücker unserer Gemeinde und unserer Paruassim, nicht gewählt worden, war. (Fortsetzung folgt.) Wandelungen. von Friedrich Nott. . (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ES war eine wunderbar schöne Sommernacht. Mit mildem Glanze erleuchtete der Vollmond die freundliche Umgebung, den großen, vom Wirthc selbst mit Vorliebe gepflegten Garten. Wenige Schritte vor ihm, an: Eingang der Laube, standen die beiden Apfelbäume, die er an den Geburtstagen seiner Söhne gepflanzt hatte. Es waren hohe, schöne Bäume, ’ durch deren dichtes Laub die Mondesstrahlcu nur mühsam sich stahlen. Biele Jahre hindurch war zwar der Baum, den er bei der Geburt׳ seines jüugeru Sohnes gepflanzt hatte, unfruchtbar gewesen, während der ältere Baum stets die herrlichsten Früchte trug. Da hatte jedoch Moritz ein Reis von des Bruders Baum auf seinen gcpropst, und seitdem prangte auch sein Baum alljährlich mit den schönsten Früchten. Träumerisch schaute der Vater hinauf zu den schlanken, kräftigen Bäumen, sic schienen ihm ein bezeichnendes Bild für die schlanken, kräftigen Söhne. Der Wirth war in gewöhnlicher Zeit kein nachtlicher Schwärmer, seit Jahren hatte er keine Nacht im Freien verbracht, darum erschien ihm alles seltsam fremd, was er jetzt sah und hörte. Leise säuselnd fuhr der Nachtwind durch die Wipfel der Bäume, ihre Blätterkronen senkten und hoben sich wieder, dem Vater erschien cs wie ein Gruß von den fernen Söhnen, und unwillkürlich nickte er grüßend hinauf und lächelte im selben Moment über die eigene Phantasie. Da öffnete sich die Thür des Gartenhauses, der Arzt trat heraus. Die Wärterin, durch einige Stunden