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Jeschurun · 1886-02-18 · Heft 7 (18.2.1886) · p. 108

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 7 (18.2.1886)
Article
Deutschland : Siegen [Nachricht]
Date
1886-02-18
Page
108 (sequence 2)
Language
German
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108 Bewegung der Antisemiten-Partei, die Se. Hoheit (seiner Zeit) eine Schmach für Deutschland genannt habe. Daraus habe der Kronprinz geantwortet, er denke noch genau so, wie früher, und hege auch jetzt noch die Anschauung, daß die Antisemiten-Bewegnlig eine Schmach für Deutschland sei. — Der Artikel ist in die Nationalzcitnng nach Durchsicht des -Herrn Magnus aufgenomincu worden.— Oberbürgermeister v. Forchen deck bekundet, daß ihm Magnus milgelheilt habe, der Kronprinz habe sich itt scharf tadelnder Weise über die Antisemiten-- Bewegung geäußert. — Ludwig Löwe in Berlin bekundet, baß ihm Grosser und Engen Richter mittheilten, der Krön- Prinz habe jene Acußcrung am 29. Oktober l 870 gethait und habe später, am 1 5. Januar 1 881, anerkannt, daß er noch genau derselben Ansicht sei. — Redakteur und Schneidermeister Grüneberg in Berlin hat bekundet, daß Hödel unter dem Namen ״Lehmann" der christlich-sozialen Partei angehörte; derselbe habe Flugblätter der Partei verbreitet. Von Nobiling muß Zeuge die Möglichkeit zugebcn, daß dieser Mitglied der Partei gewesen. — Der Gerichtshof hat den Beweis der Wahrheit in allen Punkten als erbracht erklärt und anerkannt, daß der Angeklagte in Wahrnehmung berechtigter Interessen ge. handelt. Deshalb mußte ein' Herrn Bommert ent׳ lastendes Erkenntniß ergehen. * Mergig, 13. Februar. Mit dem Sitze des Bercinsvorstandes zu Saanvcllingen hat sich ein ״Verein zur Abwehr jndenfeindlicher Anarisse" gebildet, tvclcher die geschäftstreibenden Israeliten der Regierungsbezirke Trier, Eoblen.z, der angrenzenden Ncichslande und des Fnrstcnthnms Birkenfeld mnfassen soll. Der Verein stellt sich die Aufgabe, gegen alle Bestrebungen, welche einestheils die Schädigung des Geschäftsverkehrs, andernthcits die Ausschließung der Israeliten bezwecken, zu agitircn. Sodann will er auch alle Geschästsmanipulationen bekämpfen, welche von andern Vereinen mit Recht vernrtheilt werden. Seinen Zweck sucht der Verein zu erreichen: 1. durch Unterstützung seiner Mitgticder zur Geltendmachung solcher Rechtsansprüche, welche aus dem Geschäftsverkehrc herrühren und vom Vorciusvorsland für begründet erachtet werden; 2. durch Entschädigung ärmerer Mitglieder, welche durch Förderung der Vcreinszwecke persönlich bcnachtheiligt werden; 3. burd) Bekämpfung publizistischer Darstellungen, welche den Geschäftsverkehr zu schädigen und die Träger desselben in der öffentlichen Achtinig hcrabznwnrdigcn gceignet sind; 4. durch vergleichsweise Schl ich!nng von Rcd)tsstreitigkcitcn zwischen seinen Mitgliedern. (S. n. M.-Ztg.) * Zülz, (Ngbzk. Oppeln),!. Februar. Mit welcher vapibcit Geschwindigkeit die Seelen za hl der hiesigen jüdischen Gemeinde abgenommcrr hat, zeigt das Ergcbniß der letzten Volkszählung. Die Einwohnerzahl von Zülz beträgt ans Grund der am I. Dezember 1885 angestellten Ermittelungen 2812 Personen, unter denen sich nur 65 Juden befinden, welche sid) auf 17 Familien vcrthcil.n. Im Jahre 1880 ergab die Zählung 2730 Seelen, und zwar 260! und 129 Juden. Im Jahre!8-10 zählte man!902 d)ristliche und 750 jüdische Einwohner, im Jahre!810!233 Christen und!168 Inden. Die Zählung des Jahres 1784 weist sogar ein Ueberwicgcn des jüdischen Kleincnts ans. indem sich damals!06! Jaden nnd 901 Katholiken in der Stadt bcjanden. Zülz war bereits Wohnort einer zahlreichen Jndenschafl, als viele andere Städte keine Inden in ihren Mauern duldeten; die hiesigen Inden, welche der Stadt den Namen Bochum Zade gaben, hatten das Recht des Hausirens in ganz Obc׳rsd)Icsicu, mit Ausnahme der Städte Kofel. Leobschütz, Neustadt, Oppeln, Natibor und Neiße. Jede jüdische Familie hatte dem Grundherrn ein jährliches Schutzgcld von einem Dukaten zu zahlen. (^chl-Ztg.) Oesterreich-Ungarn. W. Wie!,,!1. Februar. Im Jahre 1882 schloß ein israelitischer Handelsmann, der sid) für konfessionslos erklärt hatte, mit einer Katholikin vor der t. k. Bezirkshanptinannschaft zu Sein in Böhmen eine Zivilehe. Durch Urtheil des k. k. Kreisgerid)1s zu Sein vom 7. Mai l 884 wurde diese Zivilehe für ungültig und die dieser Ehe entstammenden Kinder für unehelich erklärt. Das k. k. Oderlandesgerid)t in Prag bestätigte mittelst Entscheides vom!6. Juni!864 das Unheil im ersten Punkte, erklärte jedoch die dieser Ehe entstammenden Kinder für ehelich. Ebenso entschied sich der oberste Gerid)tshof. ES ist diese Entscheidnng insofern von prinzipieller Wichtigkeit, als damit die Zivilehe eines ״konfessionslosen" Juden mit einer Katholikin in Oesterreich für ungültig erklärt ist. 6. Wien,! 4. Februar. Der Rcichtagsabgeordnete Di׳. Bloch veröffentlicht in Bezug auf Rodkinssohn- Frnmkin die folgende Erklärung: ״Ueber Rodkinssohn haben wir noch Folgendes nachzniragen. Derselbe weilt hier ans Grund eines rllssischen Reisepasses unter dem Namen M. L. Rodkinssohn. In Wien wohnen russische Staatsangehörige, die ihn persönlich sehr gut kennen — aber unter dem Namen M. L. Frnmkin. Er muß Ursache haben, den Namen Frnmkin zu scheuen. Allein auch unter dem Namen Rodkinssohn wagt er nid)t, die rnfsischc Grenze zu überschreiten. Wir erfahren soeben ans ganz zuverlässiger Quelle, daß er sid) plötzlich den Namen ״Friedlandcr" hat wählen wollen, um als saldier eine Reise noch Rußland zu unternehmen. Er hat nämlich den Versnd) gemacht, einen ungarischen Reisepaß für das Ausland zu erwerben, um als nn-

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