Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1886)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1886-02-18
- Page
- 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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M7. Jeschurun. 105 Korrcspoildcilzell und Nachrichten.! Deutschland.; Hannover, 16. Februar. In Bezug auf die in dem Artikel ״Aus dein Treiben der Mission" der vorigen Nummer gegebene, den Ucbertritt des Herrn Amtsrichters Dr. Simon zur vcformivtcn Kirche betreffende Hindeutnng empfingen wir von verschiedencn Seiten Anfragen, die wir nicht besser zu beantworten wissen, als durch die Mittheilung der entsprechenden Original stellen ans den Berichten der beiden Inden-Missionäre Ncumaun und Iaeobi, welche also lauten: a) Neumann -Hamburg: ,.Throughout tlie Jcwish congregalion in Ilanovcr some weeks ago tlicrc wcre great, astonislimeut and consternation rauscd by tlio C)11־istia 11 cnnfcssioii by baptism, not of a poor, iicc-dy Jew, but of tlie governmental Judge, Dr. Simon, the pride and ornament of tlie communily. The paslor wbo baptized and received bim into tlie Reformed chnreli is himself a son of Abraliam. Oy liis social position worldly motives are exclndcd. The heart’s conviction of (he Dos;״-!'-; truth and ,livinity ahme cansed bim to embraco Christianity. Not 011 ly bas 11c made a good prof'ession of bis faitli before many witnesses. but ln1 bas vindionled it by tlie pnblication of a Incid pampblet entitled ,.Tliougbts of a Jew.“ It, is a pamphlct. wortliy of being read, and it is special ly directed to die Jews. May it. lead many of thom to tlie saving Knowledge of Christ. I bave a conviction timt tliis gentleman’s conversion may he traced to one of diese silent preaehcrs whieli I bave seattered in goodly numbers. in Ilanovcr and elsewhere. Tliere are many bistories of tlieir bidden power.“ (In der jüdischen Gemeinde zu Hannover herrschte vor einigen Wochen großes Erstaunen und Bestürzung über die Taufe, nicht eines armen, bedürftigen Juden, sondern eines königlichen Richters, Dr. Simon, bcö Stolzes und der Zierde der Gemeinde. Der Geistliche, welcher ihn taufte und in die reformirte Kirche cinführte, ist selbst ein Sohn Abrahams. Bei seiner gesellschaftlichen Stellung sind weltliche Beweggründe ausgeschlossen. Des Herzens Ucberzengnng von der Wahrheit und Göttlichkeit des Evangeliums allein veranlagte ihn, znm Ehristenthnm übnzutreten. Er hat nicht nur ein wahres Bekenntinf; seines Glaubens vor vielen Zeugen abgelegt, sondern solches auch durch die Veröffentlichung einer glanzenden Schrift gerechtfertigt, welche den Titel ,,Gedanken eines Inden" trügt. Dieselbe verdient gelesen zu werden und ist ganz speziell an die Inden gerichtet Möge sie Viele von ihnen zn der erlösenden Erkmntniß. des Glaubens führen. Ich habe die Ucberzeugung, daß die Bekehrung dieses Herrn auf einen jener stillen Prediger zurückzuführen ist, welche ich in ansehnlicher Anzahl in Hannover und anderwärts verbreitet habe. Es läßt sich viel erzählen von deren verborgenen Macht.) b) .lacobi-Königsberg: ,.Düring tlie last year 1 bave baptized scvoral Jews in good positions, a Jewish lady wlio marriod a Christian gcntleman* a Government ofticial, and a great Sensation bas boen cansed among tlie Jews here by die baptism of a Jndge, Dr. Julius Simons. Ile is a nophew of tho late private banker of King George V of rianover, and of ,tlie Privy Councellor Israel Simons. I also bad die privilcgc of proelaimiiig to many Jews die word of God, and trust tlie Lord will bloss die soed sown.“ (Währenddes letzten Jahres-habe ich mehrere in guten Verhältnissen lebende Inden getauft, eine jüdische Dame, welche einen christlichen Herrn, einen Regiernngsbcamten, heirathete; großes Aufsehen erregte hier auch unter den Inden die Tanse eines Richters, Dr. InlinS Simons. Er ist ein Nesse des ucrftorbcncu PrwatbaukierS des Königs Georg V von Hannover, des Geheimen Raths Israel Simons. Ich hatte auch das Glück, vielen Inden das Wort Gottes zu verkünden und vertraue, daß der Herr die ausgestrcnte Saat segnen wird.) 0. Berlin, 12. Februar. In Betreff der in der Debatte über die Ausweisungen ans Preußen int Landtage über die fremden Inden gefallenen Aeußernngcn erläßt Herr Rabbiner Dr. Nnlf in Memel eine sehr beachtenswerthc Erklärung in der ״Iüd. Presse". Es heißt darin n. A.: ״Es ist wahr, ein großer Thcil der ausländischen Glanbcnsgenosstn ist arm und kann sich nicht auskömmlich ernähren, ist auch dem äußeren Wesen, Gehaben und Gebaren nach gerade kein passendes und analoges Element für die bessere Gesellschaft, und von diesem Gesichtspunkte in der That weder ein wivthschaftlicher noch ein sozialer Gewinn. Allein, gegen die auf gleicher Stufe stehende Masse der Landbevölkernng gehalten, gebührt ihnen trotzdem der Vorzug. ' Wir haben den Blick vorzugsweise auf die großen 'See- und Handelsstädte gerichtet, wo einzig und allein ' die ausländischen Israeliten sich angehünft. Hier finden 'wir aber eine Arbciterbcvölkernng, so verkommen, verlottert und verrottet, so durch Trunksucht, Unsittlichkeit; 1u1b Unwissenheit bis zur Bert hier! heit herabgesnnkcn, ‘ daß dagegen der mäßige, arbeitsante, religiöse und religiös gebildete Israelit mit seiner innigen Anhäng«! lichkcit und märtyrerhaften Hingebung an Weib und 'Kind wie ein wahrer Tngendhervs dustcht. Ist er; auch kein ״w i r t h s ch a f t l i ch er und sozialer", so ' doch ganz gewiß ein m or a l i scher Gewinn, an welchen sich die heimische analoge Bevölkerung ein Beispiel ׳nehmen könnte, und ein so moralischer Mensch ist doch