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Jeschurun · 1886-02-18 · Heft 7 (18.2.1886) · p. 102

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 7 (18.2.1886)
Article
Zur Frage des häufigeren Vorkommens von Taubstummen bei den Juden
Date
1886-02-18
Page
102 (sequence 2)
Language
German
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102 den Anstalten befindlichen taubstummen Kinder stammt anS Ehen zwischen KonsinS und Konsilien im ersten Grade;" ferner nach den statistischen Angaben in dem ״Blatt für Taubstumme": ״In Berlin befindet sich das größte Verhältnis; von Taubstnmmen unter den Juden, bei denen Familien-Hciralhcn zahlreich, und das kleinste unter den Katholiken, denen solche Ehen verboten sind. Das Verhältnis; daselbst ist bei den Juden: I auf 675, bei den Protestanten: 1 auf 2175 und bei den Katholiken: 1 aus 5!79." Da ich in Nieder!. Indien und noch dazu auf einem abgelegenen Platze wohne, ist cs mir nicht möglich, die Richtigkeit (die absolute oder relative) der ermahnten Behauptungen und statistischen Angaben zu untersuchen und zu bcurtheilen. Für Europa 1111b für Deutschland mögen sie vielleicht richtig sein, in keinem Falle jedoch für einen großen Theil von Nieder!. Indien. Früher wohnte ich in dem Minahassa von Mcuado, jetzt im Gouvernement Makassar. Dort sowohl als hier kommen Heirathcn in der Familie — zwischen Kon sin und Kousinen, gleichviel ob beide von Vater- oder Mutter-Seite verwandt sind — täglich vor, besonders unter dem Adel und den Vornehmen, und doch sind hier beinahe Taubstumme unbekannt. Ich habe mir die Mühe gegeben, viele Personen, die seit Jahren unter den Volksstänuneu von Süd-EelebeS verkehrt haben, zu fragen, ob ihnen Taubstumme, Erwachsene oder Kinder, bekannt seien. Die Antwort lautete stets: ״Nein, nicht einer," oder ״Ja, einer oder zwei." Die Bevölkerung von Süd^Cclebcs beträgt nngciühr 160,000 Seelen, und doch scheint cs, daß daselbst nicht mehr als fünfzig Taubstuntme gefunden werden. Atich über Saleyer mit stark 70,000 Seelen habe ich tttich bei verschiedenen, welche die Volkssprache sprechen, erkundigt, ob sie hier Taubstuntnic kennten. Stets lautete die Antwort: ..Nein," oder ״Nur ein Paar." Und doch ist auch auf Saleyer das Heirathcn in der Familie eine täglich vorkommcnde Sache. Mann fann deshalb sagen, daß die Behauptung, ״das Heirathcn von Kousin und Kousiue verschuldet das Vorhandensein von taubstummen Kindern," dtn chauS nicht wahr ist. Man hcirathct hier vorztigsweise in der Familie, vorall unter dem Adel, und taubstumme Kinder sind hier fast nicht bekannt. Wie ist das zu erklären? Als eine andere Hanptnrsache der Taubstummheit wird in Ihrer Abhandlnug das frühe oder sehr junge Heirathcn, besonders von Seiten der Frau, genannt. WaS das betrifft, wenn das junge, sehr junge Heirathcn, oft von Beiden, beinahe stets von Seilen der Frau, das Vorhandensein von taubstummen Kindern verursachen müßte, so müßten hier, in vielen Strecken von Nieder!. Indien, wohl Tausende gefunden werden, denn die Ehen werden hier in der Regel sehr früh geschlossen. Bon Seiten dcS Mädchens oft vor dem 15., ja allzuoft vor dem 13. Jahre, und doch sucht man hier vergebens nach Taubstummen. Wie ist das zu erklären? W li n d e l n il g e 11. von Fcicdnch Nott. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Es tvar gegen Abend. Ein bcftigcS Gewitter hatte die Schwüle, die schon seit einigen Tagen herrschte, wohlthätig gemüßigt, der Regen floß in Strömen. Das geräumige Gastzimmer tvar beinahe überfüllt, das Gerücht, einDurchreisender, der dort übernachtete, habe neue Nachrichten vom Kriegsschatiplatze gebracht, hatte die halbe Stadt dorthin gelenkt. Auch Tirza haue heute einige Zeilen von ihrem Mattnc erhalten, und noch lag der Nachhall dieser Freude auf ihren rofiticn Wangen, in ihren strahlenden Augen. Alle Fenster waren geöffnet, um der erfrischenden Luft Einlaß zit gewähren. Während der Wirth sich unter die Gäste mischte, darauf sah. daß alle wohl bedient, mit dem Einen über Familicnverhältnisse plaudene, mit dent Aitderit potilisirte, saßen die Frauen in der eilten Ecke des Zimmers, die eine Art Veranda bildete. Die Wirthin strickte wie gewöhnlich, Tirza tändelte mit ihrem Kleinen, unterhielt sich mit der Mutter und lauschte nebenbei auch den Gesprächen der Gäste. ״Schau, Mutter, schau, wie der Iitnge lacht! sindesl Du nicht, daß er in der letzten Zeit noch schöner geworden ist? schau ihn nur an, ist er nicht ganz wie Max?" ״Schöner ist er geworden," stimmte die Großlnnttcr bei, indem sie. ohne die Nadeln ruhen zu lassen, sich über den Enkel neigte 1tnb ihm liebevoll znlächelte, ״jawohl ist er schöner geworden und wird mit jedem Tage schöner. Aber daß er Max ähnlich sieht, finde ich weniger, ich glaube vielntehr, daß er Moritz gleicht. — Aber freilich, Max und Moritz haben dasselbe Gesicht." ״Mar und Moritz Hütten dasselbe Gesicht? nein, Mutter, das kann Dein Ernst nicht sein, sie gleichen sich doch mit keinem Zug, kein Mensch würde sie für Brüder halten." ״So? glaubst Dtl?" versetzte lächelnd die Wirthin, ״nun, mir gefällt es wohl, daß Du glaubst, kein Mensch könne so schön sein wie Dein Mann. Aber warte nur ein paar Jahre, bis Moritz stärker geworden

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